Wurzeln der Zusammenarbeit – Berliner Dialog der Religionen
2011 wurde der „Berliner Dialog der Religionen“ von der Senatskanzlei ins Leben gerufen. Damit wurde die interkulturelle und interreligiöse Verständigung stärker in den Fokus des gesellschaftlichen Lebens in Berlin gerückt.
Ziel war es, die zahlreichen engagierten Akteure aus den religionsübergreifenden Initiativen und Religionsgemeinschaften mit einander zu vernetzen und ihr großes Engagement zu würdigen. Im Mittelpunkt stand dabei, die Wirksamkeit dieser Verständigungsarbeit in die Stadtgesellschaft hinein zu erhöhen. Die Rolle der Senatskanzlei war dabei ausschließlich eine organisierende und moderierende. Durch die religiöse Neutralität der einladenden Senatskanzlei konnten sich alle Religionsgemeinschaften und interreligiösen Initiativen gleichermaßen angesprochen fühlen. Auch die inhaltliche Einmischung der Senatskanzlei verbot sich aus Gründen der staatlichen Neutralität.
Schon früh wurde von den Teilnehmenden der Wunsch geäußert, die berlinweite religionsübergreifende Zusammenarbeit auf eine institutionelle Grundlage zu stellen, die unabhängig vom Engagement der Senatskanzlei agieren und bestehen könne.
Gegenwartsorientiert…
Vor rund 15 Jahren gab es vor allem einzelne lokale Dialoginitiativen und einen vergleichsweise kleinen Kreis an Beteiligten. Als Pilotprojekt auf Landesebene entstand 2011 die Lange Nacht der Religionen – mit dem Ziel, die religiöse Vielfalt Berlins sichtbar zu machen. 2026 findet sie zum 15. Mal statt.
2014 gründete sich das Berliner Forum der Religionen als zentraler Ort des Austauschs: Rund 100 Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften identifizieren sich mit der Arbeit des Berliner Forums der Religionen. Damit verfügt Berlin über eine Dialogstruktur, die in dieser Form bundesweit einzigartig ist.
Heute ist religionsübergreifende Zusammenarbeit noch breiter, vielfältiger und fest in der Berliner Zivilgesellschaft verankert. Immer mehr religiöse und weltanschauliche Akteure kennen sich, arbeiten zusammen und entwickeln gemeinsame Projekte.
Auch die Zahl der geförderten Projekte ist signifikant gestiegen: Zwischen 2010 und 2014 wurden jährlich vier bis sieben Projekte gefördert. Im Jahr 2019 gab es 20 Förderungen und im Jahr 2026 gibt es 32 Förderungen.
Während vor der Pandemie meist einzelne Gemeinschaften oder Vereine als Projektträger fungierten, ist es inzwischen üblich, dass sich mindestens drei religiöse und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenschließen, um über ein Jahr hinweg an einem gesellschaftlich relevanten Thema zu arbeiten. Für 2026 bedeutet das: Mindestens 96 beantragte Kooperationen finden statt.
So vielfältig wie die Projekte sind, so unterschiedlich ist auch ihre Reichweite: Manche Formate erreichen weit über 1.000 Menschen – etwa die Muslimische Kulturwoche, interreligiöse Podcasts oder TikTok-Kanäle. Andere arbeiten in kleineren Gruppen und dafür umso intensiver.
Ein wichtiger Bereich sind Qualifizierungsmaßnahmen – etwa in interkultureller Beratung, interreligiösem Dialog, religionssensibler Ehe-, Familien- und Lebensberatung oder multireligiöser Pflege- und Palliativarbeit.
Christliche, jüdische und muslimische Initiativen engagieren sich ebenso wie Buddhistinnen und Buddhisten, Sikhs, Bahá’í sowie viele weitere religiöse und weltanschauliche Akteure.
Projekte, in denen die Leitungsteams religiös vielfältig zusammengesetzt sind, gehören inzwischen erfreulicherweise zum Förderalltag.
…und zukunftsweisend
Gefördert werden Projekte, die Neuland betreten, Wagnisse eingehen, und auch vor den heiklen Themen nicht zurückschrecken. Projektträger sprechen neue Zielgruppen an, nutzen innovative Formate und stärken Kompetenzen – etwa in Dialogfähigkeit, Konfliktbearbeitung, Ehrenamtsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Social-Media-Präsenz.
Aktionstag Religions- und Weltanschauungsübergreifenden Zusammenarbeit
Beim Aktionstag zur Stärkung der Religions- und Weltanschauungsübergreifenden Zusammenarbeit am 22.01.2026 haben sich religions- und weltanschauungsübergreifende Initiativen präsentiert.