Als die Bahn mit der additiven Fertigung startete, suchte Brickwede den Austausch mit anderen Unternehmen. Ein passendes Netzwerk fand sie nicht – also gründete sie 2016 selbst eines: Mobility goes Additive ist heute mit rund 150 Mitgliedern die führende Austauschplattform für additive Fertigung in Europa. Ihren Sitz hat die Organisation in einer Halle im Marienpark im Südwesten Berlins – mit Showroom. Zwei Projekte zur Erschließung des Medizinsektors mit dieser Technologie wurden von 2019 bis 2021 vom Masterplan Industriestadt Berlin gefördert.
Für Brickwede ist die Hauptstadt ein idealer Standort: „Deutschland ist das Heimatland des industriellen 3D-Drucks. Unternehmen aus aller Welt streben auf den deutschen Markt, weil sie hier den reifsten 3D-Druck-Markt weltweit finden – und Berlin ist das Tor dazu.“ Gemeinsam mit Berlin Partner prägte sie deshalb früh einen selbstbewussten Claim: „Capital of Additive Manufacturing“.
Was die Technologie leisten kann, begeisterte Brickwede von Anfang an. Skeptiker überzeugte ihr Team gern mit einem Anschauungsobjekt: einem massiven Klemmenkasten aus Aluminium, der die Kabel der Klimaanlage eines Nahverkehrszugs beherbergt. „Der war noch nicht wirtschaftlich, zeigte aber, was möglich ist.“ Ökonomisch überzeugte ein anderes Beispiel: Handlaufschilder in Brailleschrift, welche die Barrierefreiheit in Bahnhöfen sichern. Die individuell gefertigten Metallschilder wurden früher aufwendig gefräst. Durch den 3D-Druck sanken die Kosten um mehr als 60 Prozent, Tausende Schilder sind heute im Einsatz. Gemeinsam mit dem Berliner Unternehmen trinckle entstand ein Workflow: Der Bahnhofsmanager gibt den Text ins System ein, das ihn automatisch in ein druckbares Schild übersetzt – niemand muss dafür Brailleschrift beherrschen. „Wir sprechen hier von
kleinen Mengen ab Losgröße 1, individuell gefertigt: Das Customizing, das im 3D-Druck eine große Rolle spielt, wird daran sehr schön deutlich.“ Insgesamt hat die Bahn durch die additive Fertigung allein in den letzten fünf Jahren 25 Millionen Euro gespart. „Da steckt so viel ökonomische Musik drin – ich bin ja Ökonomin.“