KI als Schlüsselfaktor für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit
In einem Impulsvortrag betonte Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) für das Berliner Startup- und Wirtschaftsumfeld als Schlüsselfaktor für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Sie berichtete von Kooperationen mit internationalen Partnern wie dem Cambridge Innovation Center und dem Berkeley Artificial Intelligence Research Center, die den Wissensaustausch und Fortschritte im Bereich KI fördern sollen. „Wenn wir mit solchen Partnern sprechen, geht es immer nicht darum, ob die Technologie genutzt wird, sondern wie: Wie wird sie eingesetzt, welche Ergebnisse kann sie erzielen, wie wird reguliert und wie umgesetzt?“ Giffey wies auf Praxisbeispiele aus Berliner Unternehmen hin, beispielsweise Gillette, das Rasierklingen herstellt. Das Unternehmen will mit KI eine Nachtschicht einführen, in der autonom produziert wird. „Das bedeutet mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit, auch im Hinblick auf
den Fachkräftemangel. Wir sehen es als Chance, Unternehmen in Berlin in solchen Vorhaben zu unterstützen. Daher ist es für uns sehr wichtig, dies auch im Masterplan Industriestadt Berlin zu adressieren und damit einen guten Rahmen zu schaffen.“
Aktionskonzept für digitale Leistungen
Giffey kündigte weiterhin ein Aktionskonzept für digitale Leistungen für die Berliner Wirtschaft an. Und nannte drei Themen, die im Rahmen der aktuellen Digitalisierungsstrategie der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe bereits umgesetzt werden, um die Weiterentwicklung der Industrie zu erleichtern: „Mit der Gigabit-Strategie des Landes Berlin schaffen wir die nötige Infrastruktur und bei 5G und Breitband liegt die Abdeckung bereits bei weit über 90 Prozent. Verwaltungsdienstleistungen werden digitalisiert. Und die Digitalagentur Berlin berät Unternehmen zu Themen wie Digitalisierung, KI-Nutzung und Cybersicherheit.“
Größter Etat seit Mauerfall
Die Senatorin erläuterte, dass mit 40 Milliarden Euro im Landeshaushalt für 2025 der „größte Etat seit Mauerfall“ zur Verfügung stehe. „Es stehen Kürzungen in Höhe von 2 Milliarden Euro an, aber wir können 1 Milliarde kompensieren durch Transaktionskredite und Einnahmeerhöhungen. Es ist nicht trivial, in eine Konsolidierung zu kommen, aber wir haben trotzdem ein sehr großes Landeshaushaltsbudget und können damit viel bewirken.“ Sie beschrieb eine Erfahrung aus ihrem Wirken in Neukölln, zuletzt als Bezirksbürgermeisterin: „Das Motto dort war immer, dass man mit den vorhandenen Ressourcen flexibel umgeht und nicht jammert, sondern macht. Und wir können mit dem, was wir haben, eine Menge tun.“
Berlin als Hotspot für KI-Anwendungen
Berlin ist ein Hotspot für die Entwicklung von KI-Anwendungen. „Fast 50 Prozent aller deutschen KI-Startups aus der frühen Phase zwischen 2012 und 2017 wurden in Berlin gegründet. Und auch heute sind noch über 30 Prozent der deutschen KI-Start-ups hier angesiedelt“, sagte Franziska Giffey. „Wir fangen also nicht bei Null an, sondern haben schon eine sehr gute Expertise, die man nutzen kann.“ Sie ergänzte die Stärken in Forschung und Entwicklung, mit einer Breite an Universitäten und Institutionen. Die Brücke in die Wirtschaft schlägt beispielsweise das Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data, das vom Bund mit 22 Millionen Euro jährlich unterstützt. Um Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Technologieförderung zu unterstützen, gibt es das Pro FIT Förderprogramm.
Einsatz von kollaborativen Roboter
Ein Anwendungsbeispiel für KI in der Berliner Industrie erläuterte auch Dr. Ingo Rückert, CEO der Wilhelm Dreusicke GmbH & Co. KG, bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Das Unternehmen, 1916 gegründet, produziert Gummiwalzen für die Industrie, sie werden unter anderem in Bankautomaten eingesetzt. „Es gibt in der Herstellung beispielsweise einen Schritt, bei dem die Walzen von Hand gereinigt werden mussten, denn dabei musste geprüft werden, ob die Gummischicht richtig sitzt“, so Rückert. „Dafür haben wir eine KI-Lösung gefunden, die mithilfe von Machine Learning erkennt, wo die Gummiflecken auf dem Metall sitzen.“ Das Unternehmen integriert auch kollaborative Roboter in ihrer
Produktion und hat dafür ein modulares System aus Standardkomponenten entwickelt. Dieses bietet es nun auch anderen Unternehmen an. Das System kann zum Beispiel zur Vereinzelung von Schüttgut eingesetzt werden: Es trennt einzelne Teile aus einer Masse, positioniert sie geordnet und stellt sie damit für nachfolgende Prozesse bereit. Ingo Rückert empfiehlt, Anwendungsfälle anfangs möglichst simpel zu halten. „Viele Kunden wünschen sich sehr komplexe Projekte, aber man sollte mit kleinen Projekten starten, bei denen sehr sicher ist, dass sie funktionieren.“
KI-Prüfung ist noch ein sehr dynamisches Feld
David Hampel, Bereichsleiter Industrielle Produktion bei der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, moderierte die Runde und richtete an Robert Kilian vom KI-Bundesverband, der CEO und Geschäftsführer von CertifAI ist, die Frage, ob die im Mai in Kraft getretene KI-Verordnung der EU eher ein Hemmschuh oder Schutzschirm sei: „Ich kann die Sorge verstehen, dass Regulierung Innovation erschweren kann“, antwortete der. „In Europa macht pragmatische und insbesondere abgestuft wirkende Regulierung jedoch Sinn, weil man einen Markt schaffen will, auf dem man den technologischen
Systemen vertrauen kann. Der europäische Verordnungsgeber hat den sogenannten risikobasierten Ansatz gewählt, der Unternehmerinnen und Unternehmer dazu verpflichtet, die KI-Systeme zu klassifizieren. Es ist aber keineswegs so, dass jetzt jedes KI-System voll durchreguliert ist und bei vielen Unternehmen, die große Sorge haben, dass sie jetzt ein Qualitäts- und Risikomanagementsystem aufbauen müssen, können wir sehr schnell Entwarnung geben.“ Er betonte, dass KI-Prüfung noch ein sehr dynamisches Feld sei und insbesondere neuere KI-Technologien diesbezüglich große Herausforderungen bedeuten – beispielsweise wenn Roboterarme mit Menschen interagieren.
„Nicht nur einfach ein technisches Add-on“
Franziska Weindauer, Geschäftsführerin des TÜV AI Lab, erläuterte, wie die regulatorischen Anforderungen an KI in die Praxis übersetzt werden sollen. Das Lab unterstützt die Entwicklung von Standards und Normen für KI-Systeme. Weindauer ermunterte Unternehmen, sich auch für das Thema zu engagieren: „Es sollte durchaus noch mehr Akteurinnen und Akteure geben, die sich mit dem Bereich der KI-Absicherung beschäftigen.“ Sie ist überzeugt, dass Einführung von KI in die Produktion Chefsache ist. „Das Management sollte bei der Einführung von KI wirklich hohe Aufmerksamkeit für Sicherheit beweisen, aber auch was es für die Organisationskultur und die Arbeitsplätze bedeutet. Es ist eben nicht nur einfach ein technisches Add-on.“