Objekte schneller und mit perfekt glatten Oberflächen erstellen
Dr. Severin Fischer traf auf der formnext zum Beispiel Stephan Kuehr, CCO der Xolo GmbH, die in Berlin Adlershof die patentierte Xolographie entwickelt hat, ein volumetrisches Druckverfahren. Volumetrisch bedeutet, dass ein Objekt aus einem flüssigen oder gelartigem Material im Ganzen gedruckt wird statt schichtweise. Mit Xolographie können im Vergleich zu herkömmlichen Methoden der Additiven Fertigung Objekte schneller und mit perfekt glatten Oberflächen erstellt werden, ohne Stützstrukturen und mit optimalen internen Materialeigenschaften. Optische Linsen entstehen damit beispielsweise innerhalb von nur zehn Sekunden und ohne, dass eine optische Nachbearbeitung erforderlich ist. „Xolographie eröffnet neue Perspektiven für den Druck
von zellbeladenen Hydrogelen, optischen Elementen, mikrofluidischen Chips und Teilen für medizinische Anwendungen“, erklärt Kuehr. Sein Unternehmen, 2019 gegründet, wurde vor kurzem vom DeepTech & Climate Fonds (DTCF) gemeinsam mit der HZG Group, Onsight Ventures und dem Bestandsinvestor SquareOne mit acht Millionen Euro Investitionsgeldern unterstützt.
Innovative Drucktechniken und KI-gestützte Software
Mit zwei weiteren Unternehmen kam Dr. Severin Fischer bei einem Business Lunch ins Gespräch. Sergei Altynbaev, Mitgründer der Ailoys GmbH, stellte sein Unternehmen vor, das Metalllegierungen entwickelt. Durch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz kann es neue Legierungen auf Basis gewünschter Parameter möglich machen, ohne dass dafür wiederholte Tests oder Messungen unter kontrollierten Laborbedingungen nötig sind. Die Ailoys GmbH konnte 2024 mit Unterstützung von AMBER in Berlin gegründet werden. Auch die Orion Additive Manufacturing GmbH, deren Geschäftsführer Adam Rumjahn ebenfalls Gast beim Lunch auf der formnext war, setzt ein AMBER-Projekt um. Das Unternehmen, das 2018 gegründet wurde, entwickelt 3D-Drucker im
Hochtemperaturbereich mit patentierter Infrarotheizung für bessere Schichthaftung. Im Rahmen des AMBER-Projekts arbeitet es gemeinsam mit Fraunhofer IAP, IZP und German Orbital Systems an einem gedruckten Solar-Array – das sind miteinander verbundene Solarmodule.
Am Gemeinschaftsstand sprach Staatssekretär Dr. Fischer auch mit Trinckle 3D, das eine Software zur Design-Automatisierung anbietet. 2013 gegründet, hat es eine modulare Cloudplattform entwickelt, die die repetitive CAD-Konstruktion erleichtern und die Parametrisierung von Designprozessen vereinfachen oder vollkommen automatisieren kann. Dafür gibt es verschiedene Anwendungen vom simplen Design von Fertigungshilfsmitteln wie Klemmvorrichtungen bis hin zu geometrisch angepassten, robotischen Vakuumgreifern für Einzelanwendungen – und das in wenigen Minuten. Gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat Trinckle 3D ein AMBER-Projekt zur Entwicklung eines personalisierten, additiv gefertigten Zahnimplantats umgesetzt.
Die BigRep GmbH stellt 3D-Drucker her. Das Berliner Startup mit Sitz in Kreuzberg hat rund 100 Mitarbeitende. Bei seiner Gründung 2014 konnte es mit einem Kubikmeter das größte Seriendruckvolumen der Welt anbieten. Mittlerweile fokussiert es sich auf Industrieanwendungen mit eigener Software, Materialentwicklung und Erweiterung auf Hochtemperaturdruck. Dank starker Investoren wie BASF hat das Unternehmen den österreichischen Hochtemperaturhersteller HAGE3D aufgekauft. BigRep wird seit August 2024 unter dem Tickersymbol B1GR als erstes Berliner Unternehmen, das auf Additive Fertigung spezialisiert ist, an der Frankfurter Börse gehandelt und hat damit vielen Vertretern der Industrie etwas voraus.
Einen speziellen Druckkopf für Additive Fertigung hat die Quantica GmbH entwickelt. Der Kopf kann 10-fach viskosere – dickflüssigere – Tinten oder Materialien aufnehmen als herkömmliche Inkjet-Drucker. Das Unternehmen, das seinen Sitz im Innovationspark Wuhlheide in Marzahn hat, wurde 2020 gegründet. Es will perspektivisch neben 3D-Druck weitere Anwendungen hoher viskoser Materialien anbieten, zum Beispiel den direkten Druck beziehungsweise den Auftrag von Dichtungen in Brennstoffzellen in Fahrzeugen. Die “1000 Kelvin GmbH”:“https://1000kelvin.com/ setzt Künstliche Intelligenz ein, um Additive Fertigung mit Metallen und Polymeren zu optimieren. Das Unternehmen mit Sitz im” Charlottenburger
Innovations-Centrum (CHIC”:https://charlottenburg.wista.de/) hat eine Software namens AMAIZE entwickelt. Eine KI-gestützte Simulation des Laserschweißens im Pulverbett ermöglicht die Optimierung von Prozessparametern und Scan-Strategie. Dadurch wird der Temperatureintrag ins Bauteil optimiert, was zu weniger Fehlern, weniger Stützstrukturen und höherer Teilqualität führt. AMAIZE wird unter anderem bereits in der industriellen Fertigung, der Medizintechnik und in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt. Sie wird im Rahmen eines AMBER-Projektes weiterentwickelt.