HUMEDICS GmbH

Erwin de Buijzer, Geschäftsführer der Humedics GmbH
Bild: ariadne-an-der-spree.de

Wissenschafts- und Wirtschaftskompetenz – Hand in Hand zur Unternehmensgründung

„Wir haben anfangs immer nach Möglichkeiten gesucht, Finanzierungsmittel zu finden. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) war für uns enorm wichtig, um das junge Unternehmen aufzubauen.“ Erwin de Buijzer, Geschäftsführer der Humedics GmbH, erzählt über die Erfolge und Herausforderungen, die im Rahmen der Entwicklung und Vermarktung des sogenannten LiMAx-Tests auftraten und welche Unterstützung das Unternehmen durch den EFRE erhalten hat. EFRE wirkt:

2009 ist die Humedics GmbH von dem Arzt PD Dr. Martin Stockmann, Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Physiker Prof. Karsten Heyne, Freie Universität Berlin, und dessen Schwiegervater Wilfried Heyne gegründet worden. Ausgangspunkt für die Firmengründung waren die Arbeiten von Leberspezialist Dr. Stockmann zur Entwicklung eines Atemtests – dem sogenannten LiMAx-Test – zur Messung der aktuellen Leberleistung. Noch während seiner Habilitation hatte er nach genauen und verlässlichen Methoden zur Bestimmung der Leberfunktion geforscht. Denn herkömmliche Blutuntersuchungen sind unzureichend spezifisch und nehmen immer eine gewisse Bearbeitungszeit in Anspruch, weshalb die relevanten Werte nicht in Echtzeit bestimmt werden können (z.B. vor Operationen oder in der Intensivstation). Prof. Heyne hat dann parallel ein Messgerät zur Durchführung des LiMAx-Tests entwickelt. So konnte die Leberfunktion erstmals in Echtzeit bestimmt werden.

Der unternehmerische Geist darf nicht fehlen

Erwin de Buijzer, Geschäftsführer der Humedics GmbH
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Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, reichen aber im Normalfall die Expertise in Medizin und Physik nicht aus. Notwendig ist auch ein unternehmerischer Geist, der die Unternehmensentwicklung kontinuierlich und mit Wirtschaftskompetenz vorantreibt. So ist der heutige Geschäftsführer Erwin de Buijzer vor fast dreieinhalb Jahren aus den Niederlanden nach Berlin gekommen: „Zuvor habe ich sowohl in der Medizinbranche als auch im Marketing gearbeitet. Über meine alte Arbeitsstelle habe ich erfahren, dass die Humedics GmbH einen Geschäftsführer mit Marketingerfahrung sucht. Ich habe mir das Unternehmen angeschaut und innerhalb von fünf Minuten gewusst: Das ist was für mich!“ Eine optimale Lösung für Humedics, da der Arzt mit Erfahrung in Intensivmedizin und Chirurgie zusätzlich eine BWL-Ausbildung absolviert hat und die entsprechenden kaufmännischen Kenntnisse mitbringt. „Meine Aufgabe war es, unsere Erfindung zu einem marktfähigen Produkt weiterzuentwickeln und dafür auch Investoren zu finden.“, erläutert der Geschäftsführer.

Mit Innovation und Ausdauer zum Erfolg

Erwin de Buijzer, Geschäftsführer der Humedics GmbH
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Erwin de Buijzer erklärt, wie die Messung der Leberfunktion mit dem LiMAx-Test durchgeführt wird: „Zuerst wird dem Patienten eine 13 C-Methacetin-Lösung intravenös verabreicht, die durch das leberspezifische Enzym CYP1A2 zu Paracetamol und 13 CO 2 abgebaut wird. Die ausgeatmete Luft wird in einer Atemmaske aufgefangen und das entstandene 13 CO 2 durch das Messgerät analysiert. Dadurch erhalten wir umgehend Informationen über die Funktionsfähigkeit der Leber.“ Bis ein einsatzfähiger Prototyp des FLIP-Analysegeräts (Fast Liver Investigation Package) entwickelt wurde, hat es einige Jahre gedauert. Dabei war vieles zu beachten: „Es sollte ein leicht bedienbares und zuverlässiges Gerät entwickelt werden, das mobil und flexibel in den Krankenhäusern zum Einsatz kommt. Dabei waren viele europäische Normen und Richtlinien zu beachten – rechtlich sowie medizinisch.“, so de Buijzer. Mittlerweile ist das FLIP-Gerät nach DIN EN ISO 13485 zertifiziert.

Die Anwendung des Tests

Mittlerweile wurde der LiMAx-Test zur Bestimmung der Leberkapazität rund 14.000 Mal angewendet, am häufigsten in der Charité, aber auch in Aachen, Jena, Heidelberg und in insgesamt acht weiteren Zentren in Deutschland, Österreich, Frankreich und in der Schweiz. Anwendung findet die innovative Bestimmung der Leberleistung vor und nach Operationen, Transplantationen oder bei der Beurteilung verschiedener Erkrankungen der Leber, wie zum Beispiel der Leberzirrhose. Mithilfe des mobilen Messgeräts ist der Test leicht anwendbar und überall durchführbar: im OP, am Krankenbett oder im Aufwachraum.

Die Realisierung des Projekts

Um Forschung und Entwicklung zu finanzieren, ist die Humedics GmbH einen langen Weg zum Erfolg gegangen. Das Unternehmen hat das Projekt auf Messen, Kongressen und Tagungen präsentiert, um neue Finanzierungswege zu finden. Unterstützt wurde das Unternehmen noch vor der Gründung durch den Transfer BONUS der IBB Business Team GmbH mit einem Zuschuss für eine Kooperation mit einer wissenschaftlichen Einrichtung. Durch die Investitionsbank Berlin (IBB) wurde das Unternehmen auf den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) aufmerksam. De Buijzer fügt hinzu: „Wir kannten den EFRE vorher nicht, wurden aber ausführlich von der IBB beraten. Die Beantragung der Fördermittel hat sich als unkompliziert erwiesen. Wir mussten einen gut strukturierten Projektplan abgeben. Dann wurden wir zu einem Gespräch eingeladen, wo wir unser Vorhaben nochmal im Detail vorgestellt haben. Nach dem Vortrag haben wir gleich die Bewilligung bekommen.“ Die IBB Beteiligungsgesellschaft hat sich im Rahmen des durch den EFRE und der Investitionsbank Berlin finanzierten VC Fonds Technologie, gemeinsam mit weiteren privaten Investoren, an dem Unternehmen beteiligt. Zudem wurde die Entwicklung des Atemanalysegeräts mit einem Darlehen von über 760.600 EUR (380.000 EUR EFRE-Mittel und 219.600 EUR nationale öffentliche Mittel) aus Pro FIT gefördert. Für einen weiteren Wachstumsschub des Unternehmens und die Vorbereitung des europäischen Markteintritts des LiMAx-Tests hat Humedics Ende 2014 eine Finanzierungsrunde über 7 Millionen EUR abgeschlossen, an der sich alle bisherigen Investoren sowie neue internationale Investoren beteiligt haben. Die ursprünglichen Investitionen in Humedics haben sich also ausgezahlt. Heute kann das Unternehmen die FLIP-Analysegeräte in Serie herstellen und freut sich auf wirtschaftliches Wachstum sowie über zahlreiche Auszeichnungen.

Kontakt

Humedics GmbH
Marie-Elisabeth-Lüders-Straße 1
10625 Berlin

Tel.: +49 30 590 0832-40
Fax: +49 30 590 0832-30
info@humedics.de

Hintergrund

EU-Logo mit EFRE - Zusatz unten

Die IBB Beteiligungsgesellschaft (www.ibb-bet.de) stellt innovativen Berliner Unternehmen Venture Capital zur Verfügung und hat sich am Standort Berlin als Marktführer im Bereich Early Stage Finan-zierungen etabliert. Seit März 2015 befinden sich zwei von der IBB Beteiligungsgesellschaft verwaltete Fonds in der Investitionsphase, der VC Fonds Technologie Berlin II mit einem Fondsvolumen von 60 MEUR und der VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin II mit einem Fondsvolumen von 40 MEUR. Beide VC Fonds sind finanziert durch Mittel der Investitionsbank Berlin (IBB) und des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), verwaltet vom Land Berlin.

Pro FIT ist eines der erfolgreichsten Programme zur Innovationsförderung, die vom EFRE kofinanziert werden. Gefördert werden Projekte der industriellen Forschung und experimentellen Entwicklung, des Produktionsaufbaus und der Marktvorbereitung/Markteinführung in Unternehmen oder Forschungseinrichtungen (als Partner in Verbundprojekten), die zu neuen/besseren Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen führen. Das Besondere an dem Programm ist, dass durch Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und dem damit einhergehenden Technologietransfer, die wirtschaftliche Verwertung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen in Berlin gestärkt bzw. sogar beschleunigt wird. Mehr Informationen unter www.berlin.de/efre und www.ibb.de/wachsen/Pro-FIT.aspx.

Mehr Informationen unter www.berlin.de/efre.