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Berliner Gedenktafel für Joseph Ekwe Bilé

Pressemitteilung vom 12.04.2022

Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa ehrt den panafrikanischen Aktivisten Joseph Ekwe Bilé (1892–1959) mit einer Berliner Gedenktafel.
Am 21. April 2022 wird die vom Historiker Robbie Aitken und vom Verein Berlin Postkolonial initiierte Gedenktafel in Zusammenarbeit mit dem Projekt Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt eingeweiht. Hier lebte im Jahr 1929 der in Kamerun geborene Bauingenieur, Politiker und Publizist Joseph Ekwe Bilé, als er die deutsche Sektion der französischen Ligue de Défense de la Race Nègre mitbegründete, deren erster Sekretär er war.

Zur Enthüllung sprechen:
Dr. Christine Regus, Leiterin des Referats Gedenkstätten, Museen, Einrichtungen Bildender Kunst; Anna Yeboah, Gesamtkoordination, Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt
Prof. Dr. Robbie Aitken, Historiker

Die Veranstaltung findet am 21. April 2022 um 16 Uhr in der Bülowstraße 39, 10783 Berlin-Schöneberg statt.

Joseph Ekwe Bilé wurde 1892 in Douala geboren und kam 1912 zum Studium nach Deutschland. Wegen des Ersten Weltkrieges und der folgenden Besetzung Doualas durch Frankreich war ihm die Rückkehr in seine Heimat über zwei Jahrzehnte verwehrt. Stattdessen nahm Bilé als Kriegsfreiwilliger auf deutscher Seite an den Kämpfen in Belgien teil. Ungeachtet seiner Ausbildung als Bauingenieur finanzierte er seinen Unterhalt in den 1920er Jahren als Schauspieler und Unterhaltungskünstler. In Wien und Berlin stand er dabei mit Weltstars wie Josephine Baker und Paul Robeson auf der Bühne.

Zugleich war Bilé eine Schlüsselfigur des sich ab 1918/19 organisierenden Widerstands afrodiasporischer Menschen in Deutschland gegen kolonialrassistische Unterdrückung. So war er nicht nur Gründungsmitglied des Afrikanischen Hilfsvereins (1918) und Unterzeichner der von seinem Landsmann Martin Dibobe (*1876, erhielt im Jahr 2016 eine Berliner Gedenktafel) an die Weimarer Nationalversammlung gerichteten Petition für „Selbstständigkeit und Gleichberechtigung“ von Menschen in und aus Deutschlands afrikanischen Kolonien (1919). Bilé trug auch entscheidend dazu bei, dass sich Deutschlands erste Schwarze Bewegung in den späten 1920er Jahren internationalisierte und Anschluss an globale Netzwerke fand. So war Bilé im Jahr 1929 maßgeblich an der Gründung einer deutschen Sektion der von Tiemoko Garan Kouyaté in Frankreich geführten Ligue de Défense de la Race Nègre in Berlin beteiligt. Diese stand in engem Kontakt zur Liga gegen Imperialismus, die von der Komintern unterstützt wurde. Ende 1930 wurde Bilé offiziell Mitglied der KPD und trat in der Folge an verschiedenen Berliner Orten als politischer Redner vor einem Massenpublikum auf. In seinen Ansprachen berichtete er eindrücklich vom Kolonialterror der Europäer in Kamerun, den er mit dem Anti-Schwarzen Rassismus in Deutschland und in den USA in Beziehung setzte.

1932 bis 1934 war Bilé Student der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens in Moskau. Das rettete ihn vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten, an eine Rückkehr nach Deutschland war aber nach der Machtübertragung nicht mehr zu denken. Stattdessen ging Bilé nach Paris. Hier brach er mit der kommunistischen Bewegung und erhielt 1935 die Erlaubnis zur Rückreise nach Kamerun. Bis zu seinem Tod im Jahr 1959 arbeitete er dort als Geschäftsmann und Architekt.

Joseph Bilé setzt sich in Berlin schon vor einem Jahrhundert für die Gleichberechtigung von Menschen afrikanischer Herkunft und für ein Ende kolonialrassistischer Unterdrückung und Ausbeutung ein. Dieses Engagement wird nun durch eine Berliner Gedenktafel gewürdigt.

Die Berliner Gedenktafeln sind ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin hergestellt. Die Recherche für die Tafel erfolgte durch den Verein Berlin Postkolonial. Die Organisation der Tafel lag bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert.