Ende des 20. Jahrhunderts führte die britische Regierung den Begriff der „Creative industries“ ein, um in ihrem Wirtschaftsförderungsprogramm für diese Sektoren als Zukunftsbranchen ein deutliches Signal zu setzen: nicht nur kulturell wertvoll, sondern auch ertragreich! Ein Jahrzehnt später befasste sich auch die deutsche Wirtschaftsministerkonferenz mit einer Definition von Kultur- und Kreativwirtschaft und gründete die Initiative Kultur und Kreativwirtschaft, um ein genaueres Bild dieser Branche zu bekommen sowie seiner wirtschaftlichen Bedeutung gerecht zu werden. Kein einfaches Unterfangen für einen so heterogenen Wirtschaftssektor wie die „Kulturindustrie”. Um ein wenig Licht in den Definitionsdschungel zu bringen, konzentriert sich die Marktforschung auf sogenannte „Teilmärkte”.
Das Projekt „REAVES – Resilient Ecosystems for AV&M Entrepreneurial Support, eines von acht Plattformprojekten, die im Rahmen des Interreg-Ostseeraum-Programms gefördert werden, sieht in den Teilmärkten Games, Film und (populäre) Musik große Gemeinsamkeiten. Diese Branchen verfügen – neben der Buchproduktion – über die besten Chancen auf globalen und wirtschaftlichen Erfolg. Während viele Kulturschaffende aus anderen Sektoren ein Spannungsverhältnis zwischen Kreativität und Gewinnorientierung sehen, streben die meisten Produzent:innen aus diesen drei Bereichen gleichermaßen nach wirtschaftlichem Erfolg wie künstlerischer Verwirklichung.
Gemeinsam ist diesen drei Teilmärkten die Verknüpfung von narrativem Fokus, interdisziplinärer Arbeitsweise und dem Einsatz modernster Technologien – ein Zusammenspiel, das Innovation fördert und neue Formen kreativer Produktion ermöglicht.
Wenn Kreativwirtschaftsförderung auf der politischen Agenda steht, stellt sich daher die Frage: Wie können hybride Sektoren wie Games, Film und Musik – mit ihrem Mix aus kreativem Schaffen, Innovationsdrang und unternehmerischem Denken – am besten unterstützt werden? Darauf sucht das multinationale Projekt REAVES eine praxisnahe Antwort.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen 22 mit EU-Mitteln geförderte Initiativen, die neue Ansätze zur Stärkung junger und meist unabhängiger Unternehmen (sogenannter Indies) entwickelt haben. REAVES untersucht dabei das Synergiepotenzial und konsolidiert die Ergebnisse. Querschnittsthemen sind etwa die Optimierung der Unterstützung von Startups und „Indie-Studios” als Unternehmen: von neuen Inkubationskonzepten über Mentor:innentrainings und Community-Building-Strategien bis hin zu transnationalen und sektorenübergreifenden Netzwerken regionaler Organisationen wie die sogenannten „creative hubs“. Zudem beleuchtet das knapp dreijährige Interreg-Projekt Themen wie die Zukunftsorientierung der Einzelbranchen und Möglichkeiten, die sich aus der gemeinsamen Nutzung von Technologie ergeben: innovative Koproduktionen, sektorübergreifende Partnerschaft, wirtschaftliche Beständigkeit, Umweltaspekte und soziale Gerechtigkeit.