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Neue Studie: Annähernd 5 Millionen Todesfälle im Jahr 2019 stehen mit Antimikrobieller Resistenz in Verbindung

Hand mit einer Spritze vor einer Scheibe Fleisch, Tabletten liegen neben dem Fleisch

Ein internationales Team von Forschern veröffentlichten in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ das Ergebnis ihrer Studie zu Antimikrobieller Resistenz 1 . Es handelt sich um die erste, globale Analyse der gesundheitlichen Folgen von Infektionen durch Bakterien, gegen die herkömmlich eingesetzte Antibiotika nicht mehr wirken. Demnach starben im Jahre 2019 weltweit täglich fast 3500 Menschen an Antibiotika-resistenten Krankheitserregern, während weitere 48 Millionen Todesfälle mit ihnen assoziiert werden konnten. Insgesamt ist die Verbreitung antimikrobieller Resistenz somit verantwortlich für über 135.000 Todesfälle jeden Tag. Nach einem wissenschaftlichen Überblick des Themas aus dem Jahre 2016 („The Review on Antimicrobial Resistance“) werden voraussichtlich 10 Millionen Menschen im Jahr ihr Leben durch Antibiotika-resistenten Krankheitserregern verlieren 2.
Die Ursachen dieser Krise sehen die Autoren des „Review on Antimicrobial Resistance“ u.a. in der großen Menge an Antibiotika, die in der tierischen Lebensmittelproduktion verwendet werden. Diese werden nicht nur kranken Tieren aus kurativen Zwecken verabreicht, sondern auch gesunden Tieren, um eventuellen Krankheiten vorzubeugen oder ihr Wachstum zu beschleunigen (ebd.). Durch den hohen Einsatz von Antibiotika entstehen optimale Voraussetzungen für die Entstehung neuer, resistenter Krankheitserreger, die nicht mehr effektiv behandelt werden können.
Die jüngst im Lancet veröffentlichte Studie bekräftigt die Dringlichkeit der Lage mit Hilfe von der bislang extensivsten Datenanalyse zur Antimikrobieller Resistenz. Dabei zeichnet sich heraus, dass drei Syndrome insgesamt 78.8% der Todesfälle ausmachen: Infektionen der unteren Atemwege und des Thorax, Blutvergiftungen und intra-abdominale Infektionen 3. Verantwortlich für die Infektionen waren hauptsächlich sechs Pathogene, u.a. E. coli, K. pneumoniae und S. pneumoniae. Die meisten Todesfälle im Jahre 2019 durch Antimikrobielle Resistenz waren auf E. coli zurückzuführen.
Die Autoren führen fünf Strategien auf, mit denen der immer steigenden Gefahr durch Antimikrobielle Resistenz begegnet werden soll: Das Risiko der Ansteckung verringern durch Präventionsmaßnahmen in Krankenhäusern und verbesserter Hygiene; durch die Verbreitung und Entwicklung von Impfungen; durch die Verminderung der Verabreichung von Antibiotika in der Produktion von tierischen Lebensmitteln; durch einen präziseren und minimalisierten Einsatz von Antibiotika an Menschen und schließlich durch die Entwicklung von neuen und wirksamen Antibiotika 4. Antimikrobielle Resistenz ist ein globales Problem und bereits heute eine der führenden Ursachen von Todesfällen, die HIV und Malaria zahlenmäßig übertrifft. Die große Gefahr, die vom jahrzehntelangen, unkontrollierten Gebrauch von Antibiotika auf Menschen und anderen Tieren ausgeht, erzwingt einen schnellen, globalen und koordinierten Einsatz von Maßnahmen, wie wir sie von der COVID-Pandemie kennen.

  1. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)02724-0/fulltext#%20
  2. https://amr-review.org/sites/default/files/160525_Final%20paper_with%20cover.pdf, s. 4
  3. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)02724-0/fulltext#%20, s. 9
  4. https://amr-review.org/sites/default/files/160525_Final%20paper_with%20cover.pdf, s.20