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Wie Blockchain und IoT künftig verschmelzen werden

28.03.2022

Bilder von Regine Haschka-Helmer und Moritz von Plate vor lilanem Hintergrund

Regine Haschka-Helmer und Moritz von Plate bewerten als Jurymitglieder des Deep Tech Awards die Wettbewerbseinreichungen in den Kategorien Blockchain und IoT/Industrie 4.0. Im Interview verraten sie uns ihre Visionen für 2022 und geben Tipps an künftige Bewerber:innen.

Hallo Frau Haschka-Helmer, hallo Herr von Plate. Als Jurymitglieder der Kategorien Blockchain und IoT/Industrie 4.0 freuen wir uns sehr, Sie heute zum Interview hier zu haben.

Sie bewerten die Einreichungen für den Deep Tech Award ja aus unterschiedlichen Blickwinkeln und für verschiedene Kategorien. Was denken Sie: Wie können Blockchain und IoT/Industrie 4.0 voneinander profitieren? An welchen Stellen können die Disziplinen verschmelzen?

RHH: Eine hypervernetzte Zukunft stützt sich auf drei Säulen: Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Milliarden von miteinander verbundenen Geräten, die Daten und Werte untereinander austauschen. Eine Zukunft, in der Maschinen aktive Wirtschaftsakteure sind und noch nie dagewesene Datenmengen in Echtzeit verarbeitet werden. Denken Sie an Elektroautos, die Energie speichern, bevor Sie sie über Ladestationen an das Netz zurückgeben und automatisch laden und dabei in Echtzeit den Ladevorgang bezahlen. Oder an Geräte, die die Lieferung von Waren über eine gesamte Lieferkette hinweg verfolgen.

Damit Unternehmen diese neuen Möglichkeiten nutzen können, müssen sie die Datensicherheit beherrschen. Diese Datensicherheit kann vor allem über die Blockchain-Technologie generiert werden, d. h. die Blockchain-Technologie ermöglicht dadurch Industrie 4.0. Anwendungen.

MvP: In puncto Geschäftsmodelle und Technologie werde ich mich überraschen lassen, wie die beiden Themen sich gegenseitig befruchten können. Aus Sicht des Standortes Berlin aber entsteht ein wesentlicher Nutzen für mich dadurch, dass die Kombination der Themen den Kuchen am Standort vergrößert. Dadurch wird Berlin attraktiver für Gründer:innen, Talente und Investor:innen, was hoffentlich positive Rückkopplungseffekte nach sich zieht.

2021 wurde Staex für die Arbeit im Bereich des verteilten Maschinenmanagements zum Deep Tech Star gekürt. Was können die künftigen Bewerber:innen von Staex lernen?

RHH: Staex hatte ein sehr gutes Pitchdeck, sodass die Vorteile für die Jury gut erkennbar waren. Für uns als Jury ist es wichtig auch die Technology hinter den Business Cases zu verstehen. Welche Technology oder welches Protokoll wird verwendet, was sind die Gründe dafür? Die Kombination aus Technologie und Business Modell konnte man bei Staex sehr gut nachvollziehen, sodass ein umfassendes Bild über das Unternehmen entstanden ist.

MvP: Wir in der Jury hatten letztes Jahr recht unterschiedliche Arten, wie wir auf die Bewerber:innen geschaut haben, trotz der vorher abgestimmten Bewertungskriterien. Das hat den Reiz der Diskussion und Entscheidung für mich mit ausgemacht. Insofern kann ich aber diese Frage natürlich nur aus meiner Sicht beantworten. Ich hoffe eigentlich immer auf die „eierlegende Wollmilchsau“, die die folgenden Aspekte kombiniert: technisch richtig dickes Brett; klare Differenzierung vom Wettbewerb, ohne komplett ein Outliner zu sein, der ein Thema adressiert, das niemand sonst bislang gesehen hat; Zug zum Tor im Aufbau des Business. So, und diese Themen muss das Team nun im Pitch so prägnant aufbereiten, dass ich es verstehe. Diese Kombination fand ich bei Staex im letzten Jahr am besten gelungen.

Sie beide waren auch im vergangenen Jahr bereits in der Deep-Tech-Jury tätig. Was wünschen Sie sich in diesem Jahr von den Einreichungen und dem Award oder in anderen Worten: Was haben Sie 2021 vermisst?

RHH: Ich wünsche mir noch mehr Beteiligung von Start-ups aus dem Blockchain-Bereich. Die Einreichungen sind qualitativ hochwertig, aber viele Start-ups sind noch zögerlich sich zu bewerben. Es gibt sehr viele Start-ups im DLT/Blockchain-Umfeld, jedoch kommt es mir vor, als hätten wir das DLT Ecosystem und die Start-ups noch nicht wirklich erreicht. Das bedeutet, dass wir uns noch mehr mit den bestehenden DLT-Ökosystemen vernetzen sollten.

MvP: Ehrlich gesagt habe ich letztes Jahr nichts vermisst. Ich verfolge den DeepTech Award seit mehreren Jahren und bin von der zunehmenden Qualität der Bewerbungen begeistert. Viele der Bewerber:innen bohren wirklich dicke Bretter in sehr unterschiedlichen Bereichen und haben schon sehr unterschiedlich viel erreicht. Es hat also richtig Spaß gemacht, letztes Jahr, die Bewerbungen anzusehen – für uns war es schwierig, die Gewinner:innen auszuwählen. Insofern freue ich mich schon sehr auf dieses Jahr.

Frau Haschka-Helmer, was erwarten Sie von diesem Jahr? Noch stehen wir ja am Anfang. Wo soll sich die Blockchain hin entwickeln?

Weiterhin sind viele Projekte aus dem DeFi-Bereich (Decentralized Finance) auf dem Vormarsch. Wir werden weiterhin neue Fintech-Apps sehen, auch die Themen rund um NFTs, Marktplätze, DEXes (decentralized exchanges), aber auch Anwendungen aus dem Social-Impact-Bereich sind auf dem Vormarsch. So entstehen momentan auch viele DAO´s (Decentralized autonomous organizations) rund um das Thema Klima und Nachhaltigkeit.

Und Sie, Herr von Plate? Was ist Ihre Vision für 2022? Wohin werden sich IoT und Industrie 4.0 in diesem Jahr entwickeln?

Ich bewege mich ausschließlich im industriellen Umfeld. Nach wie vor sehe ich den Bedarf zu persönlicher Kundennähe, um die Potentiale, die Industrie 4.0 bietet, durch Change Management bei Kund:innen höher gewertet zu bekommen. Diese Sicht, die ja im B2B ganz anders ist als im B2C, scheint sich immer mehr durchzusetzen, was aber die Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen aufwendiger macht. Insofern bin ich gespannt, ob wir im Bereich von Business Modell Innovation Entwicklungen sehen werden.

Außerdem scheint die vertikale Integration von der Hardware an der Maschine bis zur Analytics-Ebene in der Cloud wichtiger zu werden, und damit auch ein tieferes Verständnis über einzelne industrielle Verticals. Mal sehen, ob wir uns damit auch mit neuen Plattform-Modellen auseinandersetzen müssen.

Frau Haschka-Helmer: Welche Chancen bietet die Hauptstadt jungen Unternehmen? Vor allem im Blockchain-Sektor?

Berlin ist ein lebhafter Blockchain-Hub, somit bietet es vielen Unternehmen die Möglichkeit, sich mit einem funktionierenden Ökosystem zu vernetzen. Von Investor:innen, über Start-up Hubs, Co-working Spaces und Acceleratoren bis hin zu neuen Mitarbeiter:innen – Berlin bietet vielfältige Chancen die jeweiligen Bedürfnisse abzudecken.

Herr von Plate, was bietet der IoT-Sektor?

Meiner Meinung nach hat sich in der Gewichtung der Themen gegenüber den Vorjahren nicht viel verändert. Den steigenden Lebenshaltungskosten und Mieten steht eine zunehmende Professionalisierung des ganzen Ökosystems gegenüber. Letztere sollte Berlin meines Erachtens weiterhin im Fokus haben, auch um weiterhin für Investor:innen attraktiv zu sein. So bleibt die positive Rückkopplungsschleife, die es für den Aufbau relevanter Cluster braucht, in Gang.

Bitte vervollständigen Sie einmal den Satz: Berlin ist für mich Deep Tech, weil …

RHH: … Berlin ein funktionierendes Ökosystem besitzt, mit kreativen und innovativen Köpfen, dazu Know-how, Investor:innen und Förderung durch die öffentliche Hand bietet.

Herr von Plate, wie würde Ihr Satzende lauten? Berlin ist für mich Deep Tech, weil …

… es Startups hervorbringt, die Deep Tech in der DNA haben.

Ich bedanke mich bei Ihnen für das Gespräch.