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Deep Tech Star Talk: Labfly

“Mit Labfly begegnen wir dem demografischen Wandel: Unsere jungen Leute hier in den Städten können der Oma auf dem Dorf helfen.”
– Tim Fischer, Geschäftsführer Labfly

Labfly hat es sich zum Ziel gesetzt, die medizinische Logistik mit zertifizierten Drohnenflügen neu zu gestalten, die sicher außerhalb der Sichtweite fliegen können – eine innovative Lösung, die mit dem Deep Tech Award 2025 in der Kategorie Robotik ausgezeichnet wurde.

In diesem Interview erzählt CEO Tim Fischer, wie Labfly zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Drohnentechnologie und -regulierung entstanden ist und eine schnelle, emissionsarme Lieferung von Laborproben und Medikamenten an Krankenhäuser, Apotheken und sogar zu Patienten nach Hause ermöglicht. Lies weiter, um zu erfahren, warum dezentrale Logistik für die Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung unerlässlich ist, insbesondere in ländlichen Regionen, die mit dem demografischen Wandel konfrontiert sind, und um mehr über ihre Vision für die Ausweitung des medizinischen Drohnentransports in ganz Europa zu erfahren.

Hallo Tim, kannst du dich bitte vorstellen und erklären, was du bei Labfly machst?

Mein Name ist Tim Fischer und ich bin Mitbegründer und CEO von Labfly. Labfly ist ein Unternehmen für medizinische Drohnenlieferungen und ein Spin-off der TU Berlin. Wir haben 2019 angefangen und seitdem unsere eigene Drohnentechnologie und unsere operativen Fähigkeiten entwickelt. Wir transportieren Laborproben und Medikamente für Krankenhäuser und Apotheken. Wir sind vollständig zertifiziert, was uns erlaubt, über bevölkerte Gebiete und außerhalb der Sichtweite zu fliegen.

Wie kam es zu der Idee für deine Technologie? Gab es ein bestimmtes Problem oder einen bestimmten Moment, der dich dazu veranlasst hat, Labfly zu gründen oder das Produkt zu entwickeln?

Die Drohnentechnologie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Als wir mit Labfly angefangen haben, haben diese Entwicklungen es möglich gemacht, den Transport von Gütern mit Drohnen zu verwirklichen. Gleichzeitig waren wir nicht nur technologisch, sondern auch in Bezug auf die Regulierung an einem Wendepunkt – vor allem, weil die Güter, die wir transportieren, in der Luftfahrt als gefährlich gelten.

Nach intensiver Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden haben wir als erstes Unternehmen in Deutschland die Genehmigung erhalten, außerhalb der Sichtweite über bewohnten Gebieten zu fliegen.

Der Bedarf für unsere Lösung war ganz klar. Ländliche Gebiete altern schnell und haben oft nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Während wir im Gesundheitswesen viele Fortschritte sehen, wie digitale Rezepte und Online-Arzttermine, fehlt es noch an dezentraler Logistik. Hier kommt Labfly ins Spiel. Wir wirken diesem demografischen Wandel entgegen, indem wir städtische und ländliche Regionen verbinden – einfach gesagt: Junge Leute in Städten können einer Oma, die in einem Dorf lebt, echte Vorteile bringen.

Der Gewinn des Deep Tech Award 2025 ist eine bedeutende Leistung. Wie hat sich diese Auszeichnung auf euer Unternehmen, euer Team und eure Sichtbarkeit ausgewirkt, und welche neuen Möglichkeiten oder Partnerschaften sind daraus entstanden?

Der Deep Tech Award war ein wichtiger Meilenstein für uns. Er hat gezeigt, dass sich die Arbeit, die wir in den letzten fast sechs Jahren geleistet haben, wirklich ausgezahlt hat. Außerdem hat er unsere Sichtbarkeit erhöht und uns viele neue Kontakte verschafft, auch auf politischer Ebene. Dadurch sind wir jetzt Teil eines vom Berliner Senat finanzierten Forschungsprojekts namens U-Space Berlin. Das Ziel ist, unsere Technologie nicht nur in ländliche Gebiete, sondern auch in städtische Umgebungen zu bringen. Innerhalb der nächsten drei Jahre wollen wir Drohnen in Berlin fliegen lassen, um Laborproben zwischen Krankenhäusern zu transportieren.

Lass uns einen Schritt zurücktreten und über deine aktuellen Projekte sprechen. Wo sehen wir Labfly-Drohnen heute im Einsatz?

Im Zollernalb Klinikum in Balingen kümmern wir uns um die komplette Logistik für Laborproben. Das Krankenhaus hat 120 Betten, und wir transportieren alle Proben per Drohne von einem Krankenhausstandort zum Hauptlabor. Das machen wir täglich, mit mehreren Flügen pro Tag – normalerweise zwischen sechs und zehn Flügen.

Was war ursprünglich das Problem?

Erstens hatten sie mit einer sehr schlechten Straßeninfrastruktur zu kämpfen, und zweitens gab es einen Mangel an qualifiziertem Personal. Eines der Krankenhauslabore musste geschlossen werden, sodass die Laborproben vorher mit dem Taxi transportiert wurden, was etwa 30 Minuten dauerte. Wegen der aktuellen Straßensperrungen würde diese Fahrt jetzt zwischen 45 und 60 Minuten dauern.
Mit unserer Lösung haben wir die Lieferzeiten um die Hälfte reduziert, die CO₂-Emissionen um 96 % gesenkt und die Lieferkosten um 50 % gesenkt.

Gibt es noch weitere Projekte, an denen ihr gerade arbeitet?

Wir haben ein laufendes Projekt in Bayern, wo wir den Transport von Medikamenten von einem Großhändler zu lokalen Apotheken umsetzen. So können wir zusätzliche logistische Kapazitäten in ländliche Gebiete bringen.
Außerdem haben wir ein aktives Projekt in Sachsen-Anhalt, das die Lieferung von Medikamenten von lokalen Apotheken direkt zu den Patienten nach Hause ermöglicht. Dieses Projekt konzentriert sich auf die Palliativpflege, wo Medikamente oft angepasst werden müssen, wenn sich der Zustand eines Patienten ändert. Deshalb gibt’s einen hohen Bedarf an häufigen und flexiblen Lieferungen neuer Rezepte.

Soweit wir wissen, waren wir das erste Unternehmen in Deutschland, das von den lokalen Apothekenbehörden die Genehmigung für den kompletten medizinischen Lieferzyklus per Drohne bekommen hat.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr als Deep-Tech-Unternehmen im Bereich Robotik?

Es gibt viele Innovationen, vor allem was das Potenzial von KI in der Robotik angeht. In unserem Fall ist das aber noch nicht so richtig umsetzbar, weil wir in einem stark regulierten Umfeld arbeiten. KI für die Automatisierung von Prozessen im Drohnen- oder Luftfahrtbereich zu nutzen, ist daher ziemlich schwierig.
Im Moment ist KI für uns vor allem im Bereich Wartung wichtig, wo wir sie für die automatisierte Analyse unserer Drohnen einsetzen. Langfristig wird sie aber sicher eine viel größere Rolle in unserem Betrieb spielen.

Was könnte deiner Meinung nach der nächste große Schritt sein? Wie sehen deine Pläne für die nächsten fünf Jahre aus?

In den nächsten fünf Jahren ist unser erstes Ziel, unsere Aktivitäten auszuweiten, um mehr Krankenhäuser und Labore in ganz Deutschland zu bedienen. Gleichzeitig planen wir, unsere Dienstleistungen im Apothekenbereich auszubauen.
Besonders interessant ist, dass die Fluggenehmigungen, die wir bereits haben, in ganz Europa gültig sind. So können wir uns in den nächsten fünf Jahren auf den Transport wichtiger medizinischer Güter in ganz Europa konzentrieren.

Was motiviert dich, immer weiter innovativ zu sein? Was treibt deine Vision für die Zukunft an?

Meine Motivation kommt aus meiner eigenen Vergangenheit. Ich bin in einer ländlichen Gegend in Ostdeutschland aufgewachsen und weiß daher aus erster Hand, wie begrenzt der Zugang zu medizinischen Gütern und Behandlungen sein kann – und ich sehe, dass sich die Situation verschlechtert. Wenn wir mit Labfly etwas Sinnvolles bewirken können, ist das unglaublich motivierend.

Deep Tech Stars 2025 Labfly im Fokus

Deep Tech Stars 2025 Labfly im Fokus

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