Die Erde um die leuchtende Netze sind

Die Enthierarchisierung der Industrie 4.0 mit IOTA

11.11.2020

Der Bitcoin hat sich als Blockchain-Währung schon länger etabliert, doch ist er lange nicht der einzige in seinem Feld. Die Berliner Stiftung IOTA entwickelt eine neue gleichnamige Kyptowährung.

Der Weg zu Blockchain und Kryptowährungen führte für IOTA-Gründer Dominik Schiener über Videospiele. Seine erste Geschäftsidee, Modifications für Computerspiele zu verkaufen, führte ihn in die Welt der Kryptowährungen. Und wohin sollte dies sonst führen, als eine eigene Währung zu erfinden?

Die gemeinsam von Schiener, David Sønstebø, Sergey Ivancheglo und Serguei Popov gegründete gemeinnützige IOTA-Stiftung hat ihre eigene Kryptowährung entwickelt, die sich inzwischen in der zweiten Version befindet: IOTA 2.0. Wie nun unterscheidet sich aber diese Währung von anderen Kryptowährungen, wie etwa dem Bitcoin?

Weg von der Hierarchie

Die Idee: IOTA soll Kryptowährungen enthierarchisieren. Anstatt digitale Datensätze in verkettete Listen zu packen, nutzt IOTA Tangle, ein offenes, gebührenfreies und skalierbar verteiltes Ledger, das reibungslosen Daten- und Wertetransfer unterstützen soll. Die Tangles machen unendliche Skalierungen der Transaktionen innerhalb eines Blocks möglich. IOTA entfaltet dadurch größere Geschwindigkeitsvorteile und die einzelnen Transaktionen verursachen niedrigere Kosten.

Gerade der Wegfall der Transaktionskosten unterscheidet IOTA vom Bitcoin. Die sonst eingesetzten Miner werden hinfällig und das Netz damit enthierarchisiert. „Miner, wie es sie bei Bitcoin gibt, sind ein systemisches Risiko, denn sie sind Entscheidungsträger. Es handelt sich bei Bitcoin also nicht um ein dezentrales Netzwerk, denn dort dominieren die Miner“, erzählt Schiener auf dem Portal barfuss. „Der größte Nachteil von Bitcoin ist, dass es keinen Leader gibt, der die Vision vorgibt. Bei IOTA sind wir die Leader.“

Maschinen bezahlen sich gegenseitig

Das Internet der Dinge bietet inzwischen zig Möglichkeiten. IOTA möchte das Potential ganz ausschöpfen und ermöglichen, dass Maschinen sich gegenseitig bezahlen. Konkret hieße das, dass autonom fahrende Autos Gebühren im Parkhaus abrechnen oder Strom an Ladestellen tanken. Schiener und seine Kollegen möchten also Maschinen nicht bloß automatisieren, sondern sie mit IOTA schlauer und letztendlich komplett unabhängig machen. Somit ist IOTA auch besonders für die Industrie 4.0 interessant.

Das Potenzial des Internets der Dinge erkannte Schiener schon früh. „Wenn die Maschinen unabhängig sind, können sie autonom Transaktionen durchführen und Werte, also Ressourcen austauschen“, so Schiener. 2015 sind er und seine Kollegen nach dieser Erkenntnis dann mit der Entwicklung von IOTA gestartet. Heute ist das Ziel, IOTA als Standard zu etablieren, dass sich Maschinen untereinander bezahlen.

Mehr als eine Blockchain

Da IOTA ohne Blöcke und ohne Miner auskommt, hat die Kryptowährung im Grunde nichts mehr mit klassischen Blockchains gemein. Beim Versand einer IOTA-Transaktion werden zwei andere Transaktionen validiert. Auf diese Weise kann IOTA die Kosten- und Skalierbarkeitsgrenzen der Blockchain überwinden und auch kleinste Beträge können übermittelt werden. Ein weiterer Vorteil gegenüber Bitcoin: „Bei IOTA sind wir die Leader“, stellt Dominik Schiener nochmals klar. „Wir haben die gemeinnützige IOTA-Stiftung gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Technologie so weiterzuentwickeln und zu standardisieren, dass sie wirklich angenommen wird.“

Vereinfachte Zahlungsprozesse für alle

Viele Konzerne zeigen Interesse an IOTA und wirken an der Entwicklung der Technologie mit. Die Erklärung dafür liegt fast schon auf der Hand: Zahlungsprozesse zu vereinfachen und letztendlich zu automatisieren wird an vielen Stellen gewünscht, besonders durch die Globalisierung und globalen Handel.

Dank ihrer hohen Geschwindigkeit und Transparenz und den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten hat die Kryptowährung das Potential, die Währung in der Industrie 4.0 zu werden.