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Sechs Träger in Berlin bieten Housing First an. (Symbolbild)
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Rund 420 wohnungslose Menschen haben in Berlin bis heute mit Hilfe von Housing First eine Wohnung gefunden.
Am 9. September dieses Jahres sei der 350. Mietvertrag unterschrieben worden, sagte Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe während einer Pressekonferenz. "Das bedeutet 420 Menschen, die jetzt ein eigenes Zuhause gefunden haben, darunter Alleinerziehende, Paare, Familien mit Kindern, vor allem aber auch Menschen, für die der Weg zurück in eine neue eigene Wohnung lange Zeit nahezu versperrt war."
Housing First gibt es in Berlin seit 2018. Gestartet wurde damals mit zwei Trägern, inzwischen gibt es sechs. Das Konzept: Wohnungs- und Obdachlose bekommen ohne große Vorbedingungen eine dauerhafte Unterkunft. Erst im Anschluss werden sie pädagogisch und psychologisch begleitet. Der Verein Phinove etwa vermittelt speziell Wohnungen an obdachlose Familien, auch aus der EU.
Der 50-jährige Ilie aus Rumänien kam vor vier Jahren nach Berlin. "Es ist sehr sehr schwer für Menschen mit Migrationshintergrund, eine Wohnung zu finden", erzählt er. Obwohl er arbeitete, fand er nichts und kam mit seiner Familie für sehr viel Geld bei fremden Menschen unter, ohne Mietvertrag. Mithilfe von Phinove fand er eine eigene Wohnung, in der er seit Mai mit seiner Frau und seiner 11-jährigen Tochter lebt. Der Stress habe endlich nachgelassen, ihm gehe es jetzt viel besser, sagt er.
An freie Wohnungen zu kommen, sei weniger schwierig, als man denken könnte, sagte Anjes Sanogo von Housing First Queer, ein Angebot speziell für queere Wohnungslose. Für Vermietende sei eine Vermietung über Housing First attraktiv, weil es durch die Vereine konkrete und verlässliche Ansprechpersonen gebe. Allerdings könnten die Vereine aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel nur eine limitierte Zahl an Sozialarbeitenden anstellen. Viele Anfragen müssten daher abgelehnt werden.
Dieses Jahr stehen für die bestehenden Projekte im Haushalt knapp 3,7 Millionen Euro zur Verfügung. Die Summe sei in den vergangenen Jahren jährlich gestiegen, sagt Kiziltepe. Wohnungslosigkeit ist in Berlin sichtbarer dann je. An vielen Orten in der Stadt gibt es Obdachlosencamps. "Armut gehört auch zu einer Gesellschaft dazu", sagte Kiziltepe. "Wir können Armut und Obdachlosigkeit nicht einfach wegwischen." Die Bezirksämter seien verpflichtet, wohnungslose Menschen unterzubringen, man könne die Menschen aber nicht zwingen, wenn sie nicht wollten.