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Der seit Herbst grassierende Vogelgrippe-Ausbruch setzt sich fort. In Berlin und Brandenburg sind Wildvögel gestorben. Was man tun sollte, wenn man ein totes Tier entdeckt. mehr
In einem dunklen Saal einer Berliner Schule unterhalten sich die Holocaust-Überlebende Ruth Winkelmann und Moderator Klaas Heufer-Umlauf.
Fast könnte man das Gefühl bekommen, sie sitzen gerade tatsächlich in dem Raum. Doch die beiden sind als sogenannte Hologramme auf zwei große Videowürfel projiziert, die mitten im Raum stehen. In dem Gespräch geht es um die Erfahrungen, die die 97-Jährige als Überlebende des Holocaust gemacht hat.
An fünf Berliner Schulen findet in dieser Woche das Pilotprojekt statt, in dem es um Demokratieförderung und Zivilcourage geht. Initiiert wurde es vom Berliner Unternehmer Nicolai Schwarzer und seinem Verein «Nie wieder ist jetzt e.V.». Rund 400 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 setzen sich unter anderem über die Hologramm-Technik mit Themen wie Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung auseinander.
Neben Winkelmann und Heufer-Umlauf sind auch andere Prominente wie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), der Regierende Bürgermeister Berlins Kai Wegner (CDU), Schauspieler Kida Khodr Ramadan oder Rapper Eko Fresh bei den Gesprächen via Hologramm dabei. Ruth Winkelmann ist seit vielen Jahren als Zeitzeugin vor Schulklassen und bei Lesungen. Das Buch «Plötzlich hieß ich Sara» handelt von ihrem Leben in der NS-Zeit. Sie wuchs in Berlin auf und überstand die Verfolgung in einer Laube versteckt.
Wie gut wird die Erinnerungskultur funktionieren, wenn irgendwann keine Zeitzeugen mehr da sind? Das könne sie nicht sagen, so die 97-Jährige. Doch ans Aufhören scheint sie nicht zu denken. «Solange wie ich lebe, mache ich jedenfalls jede Menge Vorträge in Schulen und auch privat», sagt sie. Die Arbeit mit den jungen Menschen habe sie als sehr interessant empfunden. Das Schulprojekt entstand nach einer Demonstration im Dezember 2023, die der Verein «Nie wieder ist jetzt!» nach dem Überfall der Hamas in Israel am Brandenburger Tor organisiert hatte. Dabei stellte Initiator Nicolai Schwarzer fest, dass nur wenig junge Menschen dabei waren.
Daraufhin habe er seinen Sohn gefragt, bei wem er denn ganz genau in der Schule zuhören würde, erzählt Schwarzer. «Papa, wenn du den Lehrer austauschst und Ronaldo oder Messi da in der Klasse stehen würden, dann würde ich da schon ganz besonders zu hören und auch mitarbeiten», habe er geantwortet, so Schwarzer. Daraufhin setzte sich der Unternehmer und selbst Nachkomme von Holocaust-Überlebenden, mit der Frage auseinander wie man Promis an die Schulen bringen könnte. So kam er auf die Hologramm-Technik.
In einigen Unterrichtseinheiten werden die Schülerinnen und Schüler vorbereitet. Dann sehen sie die Hologramme und können sich in einem interaktiven Teil im Anschluss genauer mit Themen beschäftigen - zum Beispiel mit der Frage, wie das Leben Winkelmanns als jüdisches Kind war. Erarbeitet wurde das Konzept, das sich mit den Herausforderungen der Demokratie auseinandersetzt, von einer Gruppe Berliner Pädagogen rund um Carolin Kleinfeld, Koordinatorin Mittelstufe an der Evangelischen Schule Frohnau, und Lehrer Sebastian Telschow.