Berliner Stipendienprogramm zur Stärkung von Journalist*innen im digitalen Raum

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Angesichts der zunehmenden digitalen Überwachung von Journalistinnen und Journalisten weltweit hat die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen e.V. 2018 ein neues Stipendienprogramm ins Leben gerufen. Es soll Medienschaffende aus Kriegs- und Krisengebieten eine Auszeit in Berlin ermöglichen und die Teilnehmenden in digitaler Sicherheit schulen. Bewerben können sich Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt.

In zahlreichen Ländern werden Journalistinnen und Journalisten und Bloggerinnen und Blogger wegen ihrer Arbeit eingeschüchtert, bedroht und verfolgt. Berlin hat sich in den letzten Jahren als „netzpolitische Hauptstadt Europas“ etabliert, hier ist eine bedeutende Szene mit digitalen Aktivistinnen und Aktivisten gewachsen. Seit 2018 lädt die Reporter ohne Grenzen e.V. digitale Medienschaffende, die in ihren Heimatländern bedroht werden, nach Berlin ein und unterstützen sie mit einem Stipendienprogramm. Um dies zu ermöglichen, erhält der Verein nach der Pilotphase in 2018 und 2019 eine jährliche Projektförderung von der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit.

Das Stipendienprogramm beginnt mit einer Auszeitphase, in der insbesondere Journalistinnen und Journalisten aus Krisenregionen die Möglichkeit bekommen, in Berlin durchzuatmen. In Anschluss werden die Teilnehmenden in einem mehrwöchigen Intensivtraining in digitaler Sicherheit geschult. Dazu zählt zum Beispiel, wie Journalistinnen und Journalisten sicher kommunizieren und sich vor Hackerangriffen schützen können. Ein Ziel des Stipendienprogramms ist es, dass die Journalistinnen und Journalisten ihr Wissen auch an Kolleginnen und Kollegen in ihren Heimatländern weitergeben und vor Ort zu Ansprechpersonen zum Thema digitale Bedrohungen werden. Daher beinhaltet das Programm auch eine Didaktik-Schulung.

In der Pilotphase haben insgesamt 19 Journalist*innen ein Stipendium erhalten. Das Programm übernimmt die Reise- und Visakosten der Stipendiatinnen und Stipendiaten, ihre Miete in Berlin und die Kosten für die Krankenversicherung. Zusätzlich erhalten die Stipendiatinnen und Stipendiaten ein monatliches Taschengeld von rund 1000 Euro. 2020 sollten acht Stipendiat*innen für das Training nach Berlin kommen. Aufgrund der Corona-Pandemie war aber eine Einreise nicht möglich, so dass verschiedene Trainingsmodule digital durchgeführt wurden. In 2021 sollen die acht ausgewählten Stipendiat*innen nun nach Berlin kommen und hier das volle Programm durchlaufen.

Parallel zum Stipendienprogramm hat Reporter ohne Grenzen einen digitalen Helpdesk eingerichtet, an den sich Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt mit Fragen zum Thema digitale Sicherheit wenden können.