Berlin-Bashing: Berliner nehmen es mit Humor

Berlin-Bashing: Berliner nehmen es mit Humor

Berlin-Bashing gehört zurzeit zum guten Ton und treibt immer neue Blüten. Machen Sie ruhig mit, aber bitte mit Witz!

Postkarte mit Berlin-Witz

© dpa

Eine Postkarte mit der Aufschrift "Die vier größten Feinde der S-Bahn: Frühling, Sommer, Herbst, Winter"


Wo gibt es das schon: Man besucht die Hauptstadt eines Landes und kann sich der Sympathie der Bewohner sicher sein, wenn man nur pointiert genug auf den Problemen der Stadt herumreitet. Oder anders gesagt: Berlin-Bashing ist in- und auch Touristen können ruhig mitmachen- so lange es witzig ist. Die Berliner wissen ein gutes Wortspiel, einen intelligenten Scherz oder einfach einen originellen Witz sehr zu schätzen und aktuell darfs auch gern gegen die eigene Stadt gehen.
Seitenhiebe auf die Pannen-Hauptstadt gehören nämlich spätestens seit dem Debakel um den Starttermin des Flughafens Berlin Brandenburg zum guten Ton. Die Welle des Hohns hat sich zwar schon wieder etwas abgeschwächt, doch das Lästern - neudeutsch Berlin-Bashing genannt - geht weiter. Und treibt immer neue Blüten.

Berlin. Wir können Alles. Außer...
Postkarte mit Berlin-Witz
© dpa

Eine Postkarte mit der Aufschrift «Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen» und dem Schwarz-Weiß-Porträt des früheren DDR-Staatschefs Walter Ulbricht.

Die Souvenirhändler haben reagiert, Postkarten verbreiten Hauptstadt-Spott. So wie das Schwarz-Weiß-Porträt des früheren DDR-Staatschefs Walter Ulbricht mit dem leicht abgewandelten Zitat «Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen». Schon länger ein Schmunzel-Garant: «Die vier größten Feinde der S-Bahn: Frühling, Sommer, Herbst, Winter.»
Und eines muss man den Berlinern lassen: Humor ham se. Sie legen gern selbst den Finger in die Wunde. In der Bäckerei «Morgenbrot» im Stadtteil Friedrichshain hat jemand das Hauptstadtgefühl auf ein DIN-A4-Blatt gedruckt. «Berlin. Wir können Alles. Außer...», steht darauf, gefolgt von einem Flugzeug-Symbol, einem S-Bahn-Logo und dem Zeichen der 1. Bundesliga. Verschiebung, Chaos, Abstieg. Die Frage «Hatten Sie schon mal ungeschützten Schienenersatzverkehr?» ist schon länger ein Bonmot, eine S-Bahn-Variante von «Mensch, ärgere dich nicht» gibt es seit einigen Monaten im Netz.

Selbstironie als Berliner Lebensgefühl

Auch die regionale Presse hat Erfahrung darin, den realen Irrsinn in süffisante Schlagzeilen zu packen. Die «Berliner Morgenpost» landete nach dem Flughafen-Desaster und dem Hertha-Abstieg einen Coup mit dem Slogan: «Berlin ist, wenn man nicht mal einen Flughafen braucht, um rauszufliegen.» Die «taz» lästerte nach dem Platzen des Flughafentermins, «Berlin kriegt keinen hoch».

Die Selbstironie gehört zum eben Lebensgefühl an der Spree wie die Berliner Schnauze. Meister des Faches und ein Vorbild an Schlagfertigkeit war der ehemalige Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). «Wir haben jetzt sogar zwei Flughäfen», konterte er im ZDF bei Markus Lanz. «Gucken Sie mal, wir hätten sonst nur noch einen gehabt.»
Berlin Fahne
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Quelle: dpa (bearbeitet von BerlinOnline)

| Aktualisierung: 11. Oktober 2017