Kunst am Bau: Entscheidung im Kunstwettbewerb für das Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin (FUC2)

Pressemitteilung vom 06.11.2026

Am 13. Oktober 2026 wurde der offene zweiphasige Kunst am Bau-Wettbewerb für das Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin (FUC2) mit der Sitzung des Preisgerichts unter Vorsitz des Künstlers Óscar Mauricio Ardila Luna abgeschlossen.
Das Preisgericht diskutierte die zwölf in der 2. Wettbewerbsphase eingereichten Entwürfe und empfahl nach intensiver Beratung einstimmig den Entwurf „Residue“ von stoebo – Cisca Bogman & Oliver Störmer zur Realisierung.

Es wurde einstimmig folgende Rangfolge beschlossen:
  1. Rang: „Residue“ von stoebo – Cisca Bogman & Oliver Störmer, Berlin
  2. Rang: „Netzwerk” von Daniel Widrig, London
  3. Rang: „Diffusion (Kreise)“ von Jens Reinert, Berlin

Das Preisgericht entschied, das Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro brutto wie folgt zu vergeben:
„Residue“ – erhält den 1. Preis mit 5.000 Euro
„Netzwerk“ – erhält den 2. Preis mit 4.000 Euro
„Diffusion (Kreise)“ – erhält den 3. Preis mit 3.000 Euro

Die künstlerische Arbeit „Residue“ überzeugte das Preisgericht durch ihre präzise Auseinandersetzung mit dem architektonischen Kontext, ihre differenzierte Materialität und die subtile Verbindung skulpturaler, haptischer und räumlicher Qualitäten.
Die seitlichen Foyerwandflächen links des neuen Haupteingangs werden vollflächig mit Kacheln aus weißem Porzellan gefliest. Der Großteil ist seriell und entspricht in Größe und Form einer Standard-Tüpfelplatte mit zwölf Mulden. Zusätzlich werden Kacheln individuell mit haptisch hervorstehenden Ausformungen ausgeführt – kleinstplastische Störungen in der Matrix des Verbunds.
Das Preisgericht würdigte die konzeptionelle Qualität des Entwurfs: Die konsequent in Weiß gehaltene Wandgestaltung füge sich zurückhaltend in die Architektur ein, entfalte jedoch im Zusammenspiel von Licht, Oberfläche und Relief eine eigenständige Präsenz. Die Glasur der eigens gefertigten Porzellanfliesen weist eine differenzierte Oberflächenstruktur auf, die durch den seitlichen Lichteinfall und das entstehende Wechselspiel von Licht und Schatten deutlich hervortritt. Die als „Versuchsreste“ bezeichneten plastischen Elemente durchbrechen die Gleichförmigkeit des Fliesenrasters und setzen organisch anmutende Akzente innerhalb der geometrischen Ordnung. Während die Wand aus der Distanz als einheitliche Fläche erscheint, offenbart sie bei der Annäherung eine zunehmend komplexe Oberflächenstruktur, deren plastische und haptische Qualitäten zu einer intensiven Auseinandersetzung einladen.
Inhaltlich stellt die Arbeit einen überzeugenden Bezug zur Nutzung des Gebäudes als Forschungs- und Laborstandort her. Die weiße Glasur und die serielle Anordnung der Fliesen verweisen auf die Ästhetik wissenschaftlicher Räume sowie auf Vorstellungen von Reinheit, Präzision und Sterilität.

Weitere Entwürfe wurden in der 2. Wettbewerbsphase von Anna Chkolnikova (Berlin), Guido Klumpe (Hannover), Peter Ilčík und Zorka Lednárová (Berlin), Vanessa Paschakarnis (East LaHave, Kanada), Kim/Illi – Seulbi Kim und Christian Illi (Berlin), F. Jörg Haberland (München), Jiri Grabmueller (Rodgau), Riku Ikegaya (Berlin), Sebastian Gräfe (Berlin) eingereicht.

Der offene zweiphasige Kunstwettbewerb wurde im Januar 2026 von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege sowie der Freien Universität Berlin ausgelobt.
Aufgabe des Wettbewerbs war es, für den Standort Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Kunst am Bau zu entwickeln, welche einen identitätsstiftenden Bezug zur Bildungs- und Forschungseinrichtung, deren Architektur und räumlichen Kontext herstellt. Sie sollte zur reflektierenden Auseinandersetzung mit Wissenschaft, Experiment und Transformation anregen und konnte dabei auch Aspekte der Welt der Chemie künstlerisch aufgreifen.
Es wurde ein eigenständiger Beitrag erwartet, der in künstlerischer Qualität und Aussagekraft überzeugt und eigens für diese Wettbewerbsaufgabe auf Grundlage des individuellen künstlerischen Schaffens erarbeitet wurde.
In der 1. Wettbewerbsphase waren die Teilnehmenden aufgefordert, grundsätzliche künstlerische Lösungsansätze in Form einer Ideenskizze zu entwickeln. Es wurden 140 Konzepte eingereicht, aus denen in einer zweitägigen Sitzung des Preisgerichts am 28./29. April 2026 zwölf Entwürfe zur detaillierten Ausarbeitung in der 2. Wettbewerbsphase ausgewählt wurden.
Für die Realisierung von Kunst am Bau stehen bis zu 336.000 Euro brutto zur Verfügung. Dieser Betrag umfasst alle Kosten zur Umsetzung einschließlich aller Honorare, Regie-, Material-, Herstellungs- und Montagekosten sowie sämtliche Nebenkosten.

Die Wettbewerbsentwürfe werden vom 06. November 2026 bis zum 30. April 2026 online ausgestellt und können hier aufgerufen werden.