Berliner Gedenktafel für Rudolf Bahro
Pressemitteilung vom 27.10.2026
Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt erinnert seit gestern in der Streustraße 53, 13086 Berlin-Weißensee mit einer Berliner Gedenktafel an den Philosophen und Dissidenten Rudolf Bahro (1935–1997).
Rudolf Bahro war überzeugter Sozialist und deshalb ein für die DDR unbequemer Kritiker des real existierenden Sozialismus. Schon als Student forderte er 1956 eine konsequente Entstalinisierung im Sinne des XX. Parteitags der KPdSU, zehn Jahre später beendete die eigenmächtige Veröffentlichung eines Textes von Volker Braun seine Karriere als Chefredakteur des „Forum“. Endgültig mit dem System, nicht aber mit der sozialistischen Idee, brach er nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Fortan schrieb er an seiner „Alternative“, die 1977 in der Bundesrepublik erschien, die Strukturen in der DDR theoretisch erklärte und Ansätze zu ihrer Demokratisierung entwickelte. Interviews mit ARD und ZDF sowie ein vorab im SPIEGEL abgedruckter Auszug führten am 23. August 1977 zu Bahros Verhaftung, die international Proteste auslöste. Zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, wurde er anlässlich des 30. Jahrestages der DDR amnestiert und reiste im Oktober 1979 in die Bundesrepublik aus.
Dort wurde er rasch zu einer prägenden Figur der entstehenden Partei DIE GRÜNEN, in der er sich für eine grundlegende Abkehr vom Wachstums- und Kapitalismusdenken sowie für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzte. Nach seinem Parteiaustritt diskutierte und erprobte er in Worms und der Eifel kommunitäre und ökospirituelle Ansätze. Im Dezember 1989 sprach er auf Einladung seines früheren Anwalts Gregor Gysi auf dem Sonderparteitag der SED/PDS über eine grundlegend andere Wirtschaftspolitik, konnte dort jedoch nicht mit seinen Standpunkten überzeugen.
Nach der Wende setzte Bahro sein Engagement in Berlin als außerplanmäßiger Professor am neu gegründeten Institut für Sozialökologie an der Humboldt-Universität fort und rief das LebensGut Pommritz in Bautzen ins Leben. Bis zu seinem Tod plädierte Bahro für eine grundlegende Umgestaltung der Lebens- und Wirtschaftsweise, um die drohende ökologische Katastrophe abzuwenden. Bahro liebte klassische Musik und verfasste zeit seines Lebens Gedichte. Am 5. Dezember 1997 starb er in Berlin.
Die Berliner Gedenktafeln sind ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin hergestellt. Die Recherche für die Tafel und die Organisation der Enthüllung lagen bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert.
Besonderer Dank gilt der GASAG AG, die als langjährige Hauptsponsorin des Berliner Gedenktafelprogramms die Tafel für Rudolf Bahro finanziert hat.
Pressestelle
Britta Elm
Pressesprecherin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Daniel Bartsch
Stellvertretender Pressesprecher