Berliner Gedenktafel für Ludmilla Herzenstein
Pressemitteilung vom 09.10.2026
Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt erinnert seit gestern in der Karl-Marx-Allee 104, 10243 Berlin-Friedrichshain mit einer Berliner Gedenktafel an die Architektin Ludmilla Herzenstein (1906–1994).
Die Gedenktafel macht die Arbeit der Architektin und Stadtplanerin Ludmilla Herzenstein sichtbar. In der Nachkriegszeit ab 1945 gehörte sie zu dem Planungskollektiv, das die Neugestaltung von Berlins Mitte entwickelte. Ludmilla Herzenstein wurde am 6. April 1906 in St. Petersburg geboren. Bereits im Alter von 14 Jahren flüchtete sie mit ihrer Mutter und den beiden Geschwistern vor der russischen Revolution nach Berlin. Nach dem Abitur begann sie 1926 an der Technischen Hochschule in Charlottenburg mit dem Architekturstudium. Während des Studiums arbeitete sie als Werkstudentin in der Bauleitung für die Waldsiedlung Zehlendorf, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, und für den Architekten Alexander Klein. Das Studium schloss sie bei Heinrich Tessenow ab. Danach arbeitete sie für Architekten in verschiedenen Städten. 1935 wurde sie, die ein Leben lang staatenlos blieb, Mitglied der Reichskulturkammer. 1938 unterstützte Herzenstein ihre Mutter bei der Flucht aus NS-Deutschland,
sie selbst blieb und verdiente ihren Lebensunterhalt als technische Angestellte in kleinen Architekturbüros.
Nachdem sie 1945 nach Berlin zurückgekehrt war, arbeitete Ludmilla Herzenstein zunächst als Übersetzerin. 1946 berief der Berliner Magistrat sie in ein Kollektiv, dass den Wiederaufbau Berlins planen sollte. Ihre Aufgabe war die spezifische Bevölkerungsentwicklung der Nachkriegszeit zu untersuchen. Diese Statistiken bildeten die Planungsgrundlage für Wohnungsbedarf und Wohnungsentwürfe. Ludmilla Herzenstein entwickelte die Laubenganghäuser in der Karl-Marx-Allee 102-104. Die Grundsteinlegung fand am 21. Dezember 1949 statt, die Fertigstellung erfolgte 1950. Damals fanden die modernen Bauten keine positive Resonanz. Die Parteiführung der DDR lehnte sie ab und favorisierte stattdessen eine repräsentative, historisierende Architektur. So wurden Ludmilla Herzenstein und ihre Bauten nahezu vergessen.
1958 übernahm sie die Stadtplanung im Bezirk Weißensee und erarbeitete Konzepte zur Altbausanierung in (Ost-)Berlin. 1966 entwarf sie die Parkgaststätte „Milchhäuschen“ am Weißen See, bis heute ein Kleinod. Ludmilla Herzenstein wurde mehrfach ausgezeichnet. Am 4. August 1994 starb sie in Berlin.
Die Berliner Gedenktafeln sind ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin hergestellt. Die Recherche für die Tafel und die Organisation der Enthüllung lagen bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert. Den Tafeltext verfasste Heike Stange.
Pressestelle
Britta Elm
Pressesprecherin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Daniel Bartsch
Stellvertretender Pressesprecher