Berliner Gedenktafel für Anna Schepeler-Lette

Pressemitteilung vom 08.07.2026

Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt erinnert seit heute in der Stresemannstraße 32, 10963 Berlin-Kreuzberg, mit einer Berliner Gedenktafel an Anna Schepeler-Lette (1827–1897), Schulgründerin und Vorkämpferin für die Lehrerinnenausbildung.

Anna Schepeler-Lette war von 1872 an 25 Jahre lang die Vorsitzende des Lette-Vereins. In dieser Zeit führte sie den Verein – wie es in der zeitgenössischen Presse hieß – mit klarem und praktischem Blick sowie ruhiger konsequenter Ausdauer zu der Berliner Institution für die fundierte und qualifizierte Ausbildung von Frauen, die auch internationale Ausstrahlung gewann und bis heute hat. Seit 1902 befindet sich der Lette-Verein am Viktoria-Luise-Platz 6 in Berlin-Schöneberg und ist heute eine berufliche Bildungsstätte für jungen Menschen.
Anna Lette wurde am 10. Dezember 1827 in Soldin geboren. 1844 zog der Vater Wilhelm Adolf Lette mit seiner Familie nach Berlin. Anna war die älteste Tochter des preußischen, nationalliberal eingestellten Beamten, der 1848 an der ersten Nationalversammlung in Frankfurt teilnahm. Die Töchter begleiteten ihren Vater, und Anna Lette heiratete dort den Kaufmann Johann Carl Schepeler.
1866 kehrte die verwitwete Anna Schepeler nach Berlin zurück und engagierte sich im Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit für das weibliche Geschlecht, der nach dem Tod seines Gründers Wilhelm Adolf Lette nach ihm benannt wurde. 1872 wählten der Vorstand und der Ausschuss des Vereins Anna Schepeler-Lette zu ihrer Vorsitzenden. Die folgenden Lebensjahre widmete sie den Aufgaben des Vereins. Sie gründete mehrere Schulen: unter anderen die Handels- und Gewerbeschule, die Zeichenschule, die Setzerinnenschule, die Haushaltungsschule und die Photographische Lehranstalt. Um die Berufsausbildung durch Frauen zu fördern, richtete sie ein Seminar für Handarbeits-, Zeichen-, Industrie- und Wirtschaftslehrerinnen ein.
Der Lette-Verein finanzierte sich über Mitgliedsbeiträge, Schulgelder und staatliche Zuwendungen. Hierzu kooperierte Anna Schepeler-Lette eng mit Frauen und Männern der Berliner Gesellschaft und der Wirtschaft. Zudem baute der Lette-Verein seine Stellenvermittlung aus, bot Verkaufsmöglichkeiten für Handarbeiten und gewährte Darlehen zur Existenzgründung. Ein erstes eigenes Gebäude eröffnete der Lette-Verein in der Königgrätzer Straße 90, zwei weitere Gebäude folgten in näherer Umgebung. Er unterhielt ein Wohnheim für alleinstehende berufstätige Frauen. 1892 richtete die Vorsitzende einen nach ihr benannten Pensionsfond zur Altersversorgung von Lehrkräften des Lette-Vereins ein.
Darüber hinaus engagierte sich Anna Schepeler-Lette frauenpolitisch: Der Lette-Verein arbeitete mit dem Allgemeinen Deutschen Frauenverein zusammen. Mit anderen Frauenrechtlerinnen setzte sie sich für Gymnasialkurse für Frauen ein. 1894 beteiligte sie sich an der Gründung des Bundes Deutscher Frauenvereine und wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Sie war aktiv im Vorstand der Frauenabteilung der Gewerbeausstellung 1896. Vor ihrem Tod wohnte Anna Schepeler-Lette in der damaligen Königgrätzer Straße 89. Wie im Berliner Adressbuch angekündigt, hielt die Vorsitzende im benachbarten Lettehaus regelmäßig Sprechstunden in Vereinsangelegenheiten ab. Sie starb am 17. September 1897.

Die Berliner Gedenktafeln sind ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin hergestellt. Die Recherche für den Tafeltext und die Organisation der Enthüllung lagen bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert.
Besonderer Dank gilt der GASAG AG, die als langjährige Hauptsponsorin des Berliner Gedenktafelprogramms die Tafel für Anna Schepeler-Lette finanziert hat.