Berliner Gedenktafel für Lou Scheper-Berkenkamp
Pressemitteilung vom 29.05.2026
Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt erinnert seit gestern in der Bogotastraße 18, 14163 Berlin-Zehlendorf, mit einer Berliner Gedenktafel an die Bauhaus-Künstlerin Lou Scheper-Berkenkamp (1901–1976).
„Phantastiken“ – unter diesem Titel ehrte das Bauhaus-Archiv die Bauhäuslerin Lou Scheper-Berkenkamp 2012 erstmals mit einer monografischen Ausstellung. Präsentiert wurde ein vielseitiges Werk mit Malerei, Bilderbögen, Illustrationen, Kinderbüchern und privaten Bildbriefen, in denen sie Verspielt-Fantastisches mit handwerklichem Können, geprägt durch das Bauhaus, verband. Darüber hinaus veröffentlichte sie journalistische Fachbeiträge mit Abbildungen und realisierte als Wandgestalterin verschiedene Projekte mit namhaften Architekten.
Am 15. Mai 1901 in Wesel geboren, kam sie als eine der ersten Schülerinnen an das Bauhaus nach Weimar und lernte hier zwei Jahre lang. In der Werkstatt für Wandmalerei traf sie Hinnerk Scheper, den sie später heiratete und mit ihm drei Kinder bekam. Ihre eigenen künstlerischen Arbeiten stellte sie zugunsten der Familie zurück. Als ihr Mann 1925 als Bauhausmeister berufen wurde, beteiligte sie sich mit Entwürfen zum Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer an der Gestaltung von Gemeinschaftsräumen des Bauhauses in Dessau. Auf einer beruflichen Reise nach Moskau, wo Hinnerk Scheper mit einer Beratungsstelle für Farbe in der Architektur und im Stadtbild beauftragt war, begleitete und unterstützte sie ihn, veröffentlichte Beiträge zum Thema. 1931 kehrte das Ehepaar ans Bauhaus zurück, die berufliche Situation wurde wegen des erstarkenden Nationalsozialismus schwierig. Nach der erzwungenen Schließung des Bauhauses 1933 arbeiteten die Schepers freiberuflich und zogen sich aus dem
öffentlichen Leben zurück. Nach Kriegsende zog die Familie nach Berlin. Während Hinnerk Scheper zum Landeskonservator ernannt wurde, veröffentlichte Lou Scheper-Berkenkamp illustrierte Kinderbücher, zeigte ihre Werke in Ausstellungen, engagierte sich im Ausstellungswesen West-Berlins und organisierte sich in Berufsverbänden.
Nach dem Tod ihres Mannes 1957 arbeitete sie als architektonische Farbgestalterin. Für Hans Scharoun entwarf sie Foyer und Treppenräume der Philharmonie, für die Walter-Gropius-Schule mit Kindergarten Räume und Mosaikwände. Zu weiteren Aufträgen zählten das Ägyptische Museum, die Dorfkirche in Zehlendorf, der Flughafen Tegel, aber auch überregionale Projekte wie das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg und das Theater Wolfsburg. Während der Arbeiten an der Staatsbibliothek in West-Berlin starb sie am 11. April 1976.
Das Bauhaus prägte Lou Scheper-Berkenkamps Leben und Werk entscheidend. In einer Rückschau von 1971 formulierte sie: „Ein Fragment, ohne Zweifel, dieses unser nun schon legendäres Bauhaus, verklärt durch den Reiz des Unvollendeten. Aber noch heute bewegender als manches, was zu Ende geführt wurde und erstarrt ist.“
Die Berliner Gedenktafeln sind ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin hergestellt. Die Recherche für den Tafeltext und die Organisation der Enthüllung lagen bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert.
Besonderer Dank gilt der GASAG AG, die als langjährige Hauptsponsorin des Berliner Gedenktafelprogramms die Tafel für Lou Scheper-Berkenkamp finanziert hat.
Pressestelle
Britta Elm
Pressesprecherin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Daniel Bartsch
Stellvertretender Pressesprecher