Gedenk- und Informationstafel für Otto Weidt

Pressemitteilung vom 09.03.2026

Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt erinnern seit heute in Berlin-Mitte mit einer Gedenk- und Informationsstafel an Otto Weidt (1883−1947).
2018 wurde auf Initiative der Holocaustüberlebenden Inge Deutschkron ein zentraler Stadtplatz im Entwicklungsgebiet Europacity nördlich des Hauptbahnhofs nach Otto Weidt benannt. Inge Deutschkron konnte am 17. April 2018 den symbolischen ersten Spatenstich feiern. Der Platz wurde am 24. Juni 2025 fertiggestellt. Nun erinnert eine Gedenk- und Informationstafel an den Namensgeber.

Otto Weidt wurde 1883 in Rostock geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf. In Berlin erlernte er den Beruf des Malers und Vergolders. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts knüpfte er Kontakte zur anarchistischen Bewegung und engagierte sich einige Jahre lang politisch sehr aktiv. Er bezeichnete sich zeitlebens selbst als „individualistischen Anarchisten“. Otto Weidt heiratete 1913 in erster Ehe und wurde Vater von zwei Söhnen. Seine Bemühungen, sich als Tapezierer und Dekorateur in Berlin zu etablieren, scheiterten. 1936 heiratete er in dritter Ehe die 1902 geborene Else Nast. Nach seiner fast vollständigen Erblindung wurde er Bürstenmacher und machte sich selbständig. 1939 eröffnete er mit seinem Geschäftspartner Gustav Kremmert eine erste Werkstatt in Berlin-Kreuzberg. Da der Platz dort kaum ausreichte, bezog die Blindenwerkstatt 1940 die deutlich größeren Räume in der Rosenthaler Straße 39.
Otto Weidt war entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. In seiner Werkstatt beschäftigte er hauptsächlich Juden und Jüdinnen. Die „Einsatzstelle für Juden“ hatte sie als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter dorthin vermittelt. Viele von ihnen waren seh- oder hörbehindert. Er versuchte, seinen Arbeiterinnen und Arbeitern das Leben unter dem nationalsozialistischen Regime zu erleichtern. Da die Blindenwerkstatt auch im Auftrag der Wehrmacht produzierte, wurde der Betrieb als „wehrwichtig“ eingestuft. Otto Weidt konnte durch Bestechung von Gestapo-Beamten seine Arbeiterinnen und Arbeiter eine Zeit lang vor der Deportation bewahren.
Als er sie nicht länger schützen konnte, organisierte er für einige von ihnen Verstecke. Er baute einen Kreis von Helferinnen und Helfern auf, mit dessen Unterstützung mehrere Menschen überleben konnten.
Nach dem Krieg unterstützten Else und Otto Weidt den Aufbau eines jüdischen Kinder- und Altenheims in Berlin-Niederschönhausen. Otto Weidt starb im Dezember 1947 im Alter von 64 Jahren. Else Weidt starb im Juni 1974 im Alter von 71 Jahren.
1946 wurden Else und Otto Weidt als „Opfer des Faschismus“ anerkannt. 1958 wurde Else Weidt im Rahmen der Initiative „Unbesungene Helden“ des West-Berliner Senats geehrt und erhielt als sozial Bedürftige eine kleine monatliche Rente. Die Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“ wurde Otto Weidt 1971 posthum durch die israelische Gedenkstätte Yad Vashem verliehen.
In den ehemaligen Werkstatträumen in der Rosenthaler Straße befindet sich heute das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, das die Gedenk- und Informationstafel auch inhaltlich erarbeitet hat. Dank der Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Blinden und Sehbehindertenverein Berlin ist die Tafel auch in Braille-Schrift lesbar.

Die Enthüllung am heutigen 9. März ist von besonderer Bedeutung: Heute jährt sich zum vierten Mal der Todestag von Inge Deutschkron, die am 9. März 2022 in Berlin verstarb. Die Überlebende des Holocaust war eine unermüdliche Kämpferin für Erinnerung und Aufklärung. Maßgeblich war sie an der Entwicklung und Gründung des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt sowie der Gedenkstätte Stille Helden beteiligt. Ihr Engagement hat dazu beigetragen, dass die Geschichte von Otto Weidt nicht in Vergessenheit geraten ist.