Berliner Gedenktafel für ringl + pit
Pressemitteilung vom 22.09.2025
Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt erinnert seit heute in der Schönhauser Straße 18a, 12157 Berlin-Steglitz, mit einer Berliner Gedenktafel an das Fotoatelier ringl + pit (1929–1933).
„Wir arbeiteten zusammen. Wir nannten uns ringl + pit, das waren Kindernamen, die uns geblieben waren und dieser Name hat sich bis heute bewahrt. So ein Bild hieß dann Studio ringl + pit, fotografiert von Grete Stern oder von Ellen Rosenberg, oder von beiden zusammen, es gab dann drei Möglichkeiten…“, so äußerte sich Grete Stern 1992 über die gemeinsame Arbeit mit Ellen Rosenberg (später verheiratete Auerbach). Die Gedenktafel erinnert an dieses Fotoatelier in der Schönhauser Straße 18a in Steglitz. Hier entstanden erste professionelle Arbeiten. Beeinflusst von ihrem Lehrer Walter Peterhans experimentierten sie mit dem „Neuen Sehen“, der zeitgenössischen Stilrichtung der Fotografie. Beide kamen aus jüdischen Familien und verließen bereits 1933 das nationalsozialistische Deutschland in unterschiedliche Länder. Jede ging ihren eigenen, individuellen Weg als Fotografin.
Grete Stern (1904–1999) studierte zunächst Grafik und arbeitete auch in der Branche. 1927 ging sie nach Berlin und begann eine Fotoausbildung bei Walter Peterhans. Dort lernte sie 1929 Ellen Rosenberg (1906–2004) kennen, die sich nach einem abgebrochenen Bildhauereistudium ebenfalls von Peterhans unterrichten ließ. Als ihr Lehrer ans Bauhaus berufen wurde, kaufte Grete Stern die Studioeinrichtung. Gemeinsam gründeten die beiden Frauen das Studio ringl + pit. Jenseits des Neuen Westens, wo Fotografinnen wie Frieda Riess, Lotte und Ruth Jacobi, Yva und andere arbeiten, experimentierten sie künstlerisch-ästhetisch mit dem Medium Fotografie. Sie erzielten erste Erfolge auf dem Gebiet der Werbe- und Portraitfotografie, arbeiteten mit der Agentur Mauritius und einige Fotografien erschienen in der Zeitschrift Gebrauchsgrafik. 1933 gewannen sie den ersten Preis der Exposition Internationale de la Photographie et du Cinéma in Brüssel. Zeitweise studierte Grete Stern bei Walter Peterhans in der Fotoklasse am Bauhaus.
1933 trennten sich die künstlerisch-fotografischen Wege von Grete Stern und Ellen Rosenberg. Grete Stern emigrierte nach London und 1936 mit ihrer Familie nach Argentinien, wo sie als Fotografin und Lehrbeauftragte für Fotografie arbeitete. Ellen Rosenberg lebte zunächst in Palästina, ging 1935 mit ihrem Mann nach London und New York. In den folgenden Jahren war Ellen Auerbach als Fotografin und Lehrerin für Fotografie aktiv. Trotz der räumlichen Trennung blieben die beiden Fotografinnen lebenslang befreundet.
Gerade die enge Zusammenarbeit von Grete Stern und Ellen Rosenberg, die Vermischung von Leben und Arbeit, fasziniert bis heute die öffentliche und wissenschaftliche Wahrnehmung, sowohl in der feministischen Forschung als auch in den Queer Studies.
Die Berliner Gedenktafeln sind ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin hergestellt. Die Recherche für den Tafeltext und die Organisation der Enthüllung lagen bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert.
Besonderer Dank gilt der GASAG AG, die als langjährige Hauptsponsorin des Berliner Gedenktafelprogramms die Tafel für ringl + pit finanziert hat.
Pressestelle
Britta Elm
Pressesprecherin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Daniel Bartsch
Stellvertretender Pressesprecher