Berliner Gedenktafel für Elsa Blochwitz
Pressemitteilung vom 15.07.2025
Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt erinnert seit heute am Kurfürstendamm 177, 10707 Berlin-Wilmersdorf, mit einer Berliner Gedenktafel an die Stille Heldin und Gerechte unter den Völkern, Elsa Blochwitz (1899–1992).
Die Gedenktafel erinnert an Elsa Blochwitz, die während der Zeit des Nationalsozialismus über 70 verfolgte Jüdinnen und Juden in Berlin versteckte und ihnen so half, die Zeit der Verfolgung und auch die Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges zu überleben. „Sie wurde nur von ihrer Menschlichkeit getrieben, von sonst nichts.“
Elsa Blochwitz wurde am 9. September 1899 in Oberebersbach in Sachsen geboren. Ab 1935 wohnte sie am Kurfürstendamm 177, im Gartenhaus. Die ledige Frau reparierte Seidenstrümpfe und unterhielt eine Strumpf-Klinik. Ihre Unterstützung für verfolgte Jüdinnen und Juden war vielseitig. Zunächst vermietete sie an ihre jüdischen Bekannten Herta, Käthe und Rosalie Arndt. Käthe Arndt verhalf sie zur Emigration. Hertha Arndt und ihre Mutter Rosalie unterstützte sie bis zu deren nicht abwendbaren Deportation 1941 ins Ghetto Minsk. Danach gelang es ihr noch bis 1943 Briefe und Pakete mit Kleidung, Lebensmitteln und Spielzeug schmuggeln zu lassen. Beide Frauen wurden von den Nationalsozialisten ermordet.
Seit 1937 bewohnte sie mit Margarete Dietrich die Wohnung am Kurfürstendamm, sie halfen Verfolgten gemeinsam mit Lebensmitteln und Kleidung. Diese konnten sich dort zudem waschen oder für ein oder mehrere Tage Unterschlupf finden. Es war ein Kommen und Gehen. Das Tarnwort zum Einlass war „Black“ – der spätere Namenszusatz von Blochwitz.
Als die Verfolgungsmaßnahmen und Kriegsereignisse in Berlin zunahmen, ließ sich Elsa Blochwitz zur Luftschutzwartin für das von ihr bewohnte Mietshaus ausbilden. So verfügte sie über sämtliche Schlüssel für Keller, Wohnungen und Bodenräume und konnte so Jüdinnen und Juden verstecken. Blochwitz half auch politisch Verfolgten, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, verfasste und verteilte Flugblätter. Zeitgleich stand sie unter Beobachtung der Gestapo, die ihre Wohnung mehrfach durchsuchte. Nicht alle, denen sie versuchte zu helfen, konnten die Befreiung vom Nationalsozialismus erleben.
Die Zwangsarbeiterin Rita Grabowski, die von den Nationalsozialisten als „Mischling“ während der „Fabrikaktion“ festgenommen und kurz danach frei gelassen wurde, versteckte Elsa Blochwitz seit Herbst 1944. Die beiden wohnten in späteren Jahren zusammen, und Grabowski unterstützte sie materiell. In der Nachkriegszeit schrieb Blochwitz Gedichte mit Titeln, die von Verfolgung und Versöhnung erzählten. Mehrfach wurde sie geehrt, als „Unbesungene Heldin“, als „Gerechte unter den Völkern“, mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Heinrich-Stahl-Preis.
Elsa Blochwitz starb hochbetagt am 14. April 1992 in Berlin.
Die Berliner Gedenktafeln sind ein Programm des Landes Berlin, eingebunden in das Förderprogramm Historische Stadtmarkierungen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die weißen Porzellantafeln werden von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin hergestellt. Die Recherche für den Tafeltext und die Organisation der Enthüllung lagen bei dem Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin, der sich seit 2013 bei der Umsetzung des Berliner Gedenktafelprogramms engagiert.
Pressestelle
Britta Elm
Pressesprecherin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Daniel Bartsch
Stellvertretender Pressesprecher