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Kulturelle Teilhabe in Berlin 2019 - Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung

Pressemitteilung vom 12.03.2021

Wie beurteilen die Berlinerinnen und Berliner das Kulturangebot der Hauptstadt? Wer besucht die Kultur- und Freizeitangebote und warum beziehungsweise warum nicht? Wie steht es um die Kulturelle Teilhabe in der Berliner Kulturlandschaft? Diesen und anderen Fragen ging eine repräsentative Umfrage zur Kulturnutzung der Berliner Bevölkerung zwischen Juni und Oktober 2019 nach. Sie erfolgte im Rahmen des Forschungsprojekts „(Nicht-)Besucher*innen-Studie“ und wurde von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert. In der Studie „Kulturelle Teilhabe in Berlin 2019 – Soziodemografie und Lebensstile“ legt das Berliner Institut für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf | www.iktf.berlin) nun umfangreiche Analysen vor.

Der Senator für Kultur und Europa, Dr. Klaus Lederer: „Die chancengleiche Teilhabe aller Berliner*innen – unabhängig etwa von Geschlecht, Herkunft, Wohnort oder sozialem Status – am öffentlich geförderten Kulturangebot gehört zu den kulturpolitischen Schwerpunktthemen die wir uns vorgenommen haben. Ansprüche zu postulieren, reicht nicht, es geht darum, sie zu realisieren. Dafür ist die Studie von unschätzbarem Wert, denn sie erlaubt uns zu sehen, was gut läuft, wie Angebote an- und wahrgenommen werden und darüber hinaus sehen wir auch, wo wir nacharbeiten müssen, wenn unser Ziel der Teilhabe aller an allem Wirklichkeit werden soll.“

Aus kulturpolitischer Perspektive erscheinen folgende Ergebnisse von besonderer Relevanz:

Zufriedenheit der Berlinerinnen und Berliner mit dem Kulturangebot
Insgesamt stellt die Berliner Bevölkerung dem Kultur- und Freizeitangebot der Stadt ein sehr gutes Zeugnis aus. 94 Prozent der Befragten sind mindestens zufrieden mit ihm, 38 Prozent davon sogar sehr.

Defizite bei wohnortnahen Kulturangeboten
Allerdings sind 40 Prozent der Befragten mit dem kulturellen Angebot in ihrem direkten Wohnumfeld nicht zufrieden. Die Studie macht dabei problematische Unterschiede in den jeweiligen Bezirken deutlich. Diese auffällige Diskrepanz weist darauf hin, dass der kulturpolitische Schwerpunkt der 18. Legislaturperiode auf die bezirkliche Kulturarbeit hochgradig relevant ist.

Bildung als maßgeblicher Faktor kultureller Teilhabe
Die Studie zeigt, dass der Faktor Bildung neben dem Alter zu den stärksten Einflussfaktoren für Kulturelle Teilhabe gehört. Personen mit höheren formalen Bildungsabschlüssen zählen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit zum Kreis der Besucherinnen und Besucher von klassischen Kulturangeboten. Die große Bedeutung des Faktors Bildung für Kulturelle Teilhabe bestätigt die hohe Relevanz von Programmen und Initiativen der Förderung Kultureller Bildung sowohl in den Einrichtungen selbst als auch in allen Schulformen und außerschulischen Lernorten.

Diversitätsentwicklung des Kulturbereichs
Etwas mehr als ein Drittel der Berlinerinnen und Berliner stimmt der Aussage zu, dass die meisten klassischen Kulturangebote sich nicht an Menschen wie sie richten. Dem überaus positiven Image des Kulturangebots in Berlin steht damit ein nicht zu vernachlässigender Teil der Berlinerinnen und Berliner gegenüber, der sich nur bedingt durch diese Angebote angesprochen fühlt. Zugleich zeigen Befragungsergebnisse aus Besucherinnen- und Besucherforschung in Kultureinrichtungen, dass sich die Diversität der Berliner Stadtgesellschaft in ihrem Kulturbereich noch nicht abbildet. In diesem Zusammenhang zielte die Senatsverwaltung für Kultur und Europa in den letzten Jahren mit vielfältigen Initiativen darauf ab, systematisch Barrieren abzubauen, die die Teilhabe im Kulturbetrieb erschweren. Dies betrifft sowohl Maßnahmen der baulichen Barrierefreiheit wie auch die Stärkung der Diversität in Personal, Programm und Publikum.

Mangelnde finanzielle Mittel als Hinderungsgrund
64 Prozent der Nichtbesucherinnen und Nichtbesucher klassischer Kulturangebote nennen als Besuchsanreiz „Müsste ich mehr Geld für diese Angebote zur Verfügung haben“. Modellprojekte der SenKultEuropa, wie der „Eintrittsfreie Museumssonntag“, können dabei vielversprechende Ansätze sein, um finanzielle Barrieren abzubauen.

Kulturelle Teilhabe in Berlin nach Lebensstilen
Zum ersten Mal in der deutschsprachigen Forschung zu Kultureller Teilhabe wird in der Studie das Kulturbesuchsverhalten in der Berliner Bevölkerung nach Lebensstilen analysiert. Lebensstile beschreiben die Berlinerinnen und Berliner in einer plakativen und greifbaren Art. Sie basieren auf Informationen zu Einstellungen, Werten, Lebenszielen und Alltagspraktiken der Menschen und erlauben es, über soziodemografische Merkmale hinaus wertvolle Erkenntnisse in Hinblick auf die Kulturelle Teilhabe zu erlangen. Es zeigt sich in der Studie bereits auf den ersten Blick: Personen gleichen Alters, gleicher Bildung und gleichen Geschlechts unterscheiden sich in Bezug auf ihren Lebensstil teils beträchtlich. Die Verteilung der Lebensstile spiegelt eine heterogene und breit differenzierte Berliner Stadtgesellschaft wider. In der Studie befinden sich in Bezug auf die Lebensstile u. a. Analysen zur Besuchswahrscheinlichkeit von und Zufriedenheit mit Kultur- und Freizeitangeboten, Einstellungen zum klassischen Kulturangebot sowie Hinderungsgründe und Anreize für ihren Besuch. Ergänzend zu soziodemografischen Informationen liefern die im Bericht dargelegten Lebensstilanalysen daher äußerst wertvolle Hinweise zur gezielten Gestaltung von Maßnahmen, die zur Erhöhung und Verbreiterung der Kulturellen Teilhabe dienen, sowohl für Kultur- und Freizeiteinrichtungen als auch für Kulturpolitik und ‑verwaltung.

Ausblick und Relevanz im Kontext der Corona-Pandemie
Nicht zuletzt im Kontext von Corona gewinnen die erhobenen Daten an zusätzlicher Relevanz: Welchen Einfluss die Pandemie auf den Kulturbereich und die Kulturelle Teilhabe haben wird, kann anhand von Vergleichen des Kulturbesuchsverhaltens vor, während und perspektivisch nach der Corona-Krise erhoben werden. Die nächste repräsentative Bevölkerungsbefragung „Kulturelle Teilhabe 2021“ wird bereits vorbereitet. Die Befragungen sollen alle zwei Jahre durchgeführt werden, um über Vergleichsdaten langfristig Hinweise auf Entwicklungen zu erlangen.