Nicole Bendsen hat eine Mission: Sie will wirtschaftlich-nachhaltige Ideen aus der Nische holen. Die selbständige Beraterin ist Partnership Managerin bei Circular Berlin. Als Expertin für Kreislaufwirtschaft bringt sie ihre internationalen Kontakte ein und hilft der NGO dabei, das Leben aller Berliner:innen langfristig besser zu machen.
Wie genau das realisiert werden könnte, erklärte Nicole in ihrem Vortrag auf der diesjährigen re:publica. Das zentrale Thema ihres Talks: Wie lässt sich das derzeit vorherrschende „Take-Make-Waste“-System zu einem nachhaltigen Modell verändern.
In unserem Zukunftskopf-Video spricht sie über Chancen, Hürden und darüber, wieso Berlin beim Thema Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen könnte:
Was ist die Mission von Circular Berlin?
Circular Berlin versucht, Akteure:innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenzubringen, um zirkuläre Ansätze in den Alltag der Berliner:innen besser integrierbar zu machen und somit auch eine zukunftsorientiertere, resiliente, ressourcenschonende Gesellschaft zu kreieren.
Welches konkrete Problem wollt ihr lösen?
Spannend wäre auch, ein bisschen von diesem Wachstumsgedanken wegzukommen und mehr zu so einem Wohlstandsgedanken. Aber natürlich glaube ich total an nachhaltiges Wachstum. Das kann mit einer linearen Wirtschaft nicht gelingen, weil wir da in sehr kurzen oder gar nicht in Zyklen denken, sondern Ressourcen entnehmen, Produkte herstellen, die ganz kurz nutzen und dann wegschmeißen. Wenn wir immer so weitermachen, dann stoßen wir irgendwann an ganz natürliche Grenzen. Und ich glaube, dass dieser Wandel einfach viel, viel schneller passieren wird, wenn wir zirkulär arbeiten.
Wie kann Kreislaufwirtschaft heute gelingen?
Wenn wir mehr Informationen über die Produkte haben, dann können wir auch viel besser damit umgehen. Also beispielsweise über diese digitalen Produktpässe, die ja jetzt auch oft diskutiert werden. Dann wissen wir ganz genau: Wer ist der Hersteller, welche Materialien wurden verwendet, wie können wir dieses Produkt auch reparieren, welche Ersatzteile gibt es dafür etc. Ein weiteres Beispiel dafür sind Sharing-Modelle. Wir kennen sie alle, die Fahrräder oder auch Autos etc. Das wird auch über digitale Lösungen vereinfacht, sodass wir wegkommen von diesem „jeder besitzt alles“ hin zu einer eher ressourcennutzenden Gesellschaft.
Welche Chancen siehst du in Berlin?
Ich glaube, Berlin hat da tatsächlich total viel Potenzial, weil wir auf der einen Seite in Berlin eine relativ junge akademische Bevölkerung haben, die sehr divers ist, die sehr viel Innovationspotenzial und Kraft mitbringt. Es gibt total viele Startups und gleichzeitig sehe ich auch, dass die Politik sich langsam auf den Weg macht. Also wir haben nicht mehr nur ein Abfallwirtschaftskonzept, sondern schon ein Zero-Waste-Konzept und die Senatsverwaltungen arbeiten gerade auch daran, eine Kreislaufwirtschaftsstrategie für Berlin zu erstellen. Und deswegen glaube ich, dass die Kombination das ganz gut ausmacht. Und die Zivilgesellschaft, auch Organisationen wie Circular Berlin, spielen alle Hand in Hand und machen ein ganz gutes Ökosystem für Kreislaufwirtschaft.