Ki in Health

KI in Health

22.04.2026

Die neue Medizin made in Berlin

Medizin und Gesundheitsversorgung stehen vor einer Revolution. In naher Zukunft diagnostizieren Ärzt:innen schneller, gewinnen Wissenschaftler:innen tiefere Einblicke in den menschlichen Körper und gestalten Gesundheitsmanager:innen die Patientenversorgung deutlich effizienter.

Kurz: Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen wird die Medizin, wie wir sie kennen, grundlegend verändern. Und Berlin nimmt in dieser Entwicklung eine der wichtigsten Rollen in Deutschland ein. Nirgendwo sonst ist das Netzwerk zwischen Forschung, Kliniken, Startups und internationalen Unternehmen so dicht geflochten wie in der Hauptstadt. Veranstaltungen wie die DMEA oder der Berlin Quantum Hackathon, an dem auch die Charité beteiligt ist, fördern zusätzlich Synergien und den Wissensaustausch.

Doch bevor es um Standortfaktoren geht, ist es wichtig, zu verstehen, welche Bedeutung Künstliche Intelligenz für den Gesundheitssektor hat und welche Potenziale sie bietet.

Diagnose & Früherkennung

Eines vorweg: KI-Agenten und -Technologien sind nicht die neuen Ärzt:innen. Sie unterstützen medizinische Fachkräfte als analytische Werkzeuge und Assistenzsysteme. Besondere Bedeutung kommt dieser Technologie im Bereich der Diagnostik zu. KI-Agenten können Röntgenbilder, MRTs, CTs oder Ähnliches effizienter und schneller analysieren. Dabei erkennen sie Tumore, Mikrorisse im Gewebe, Viren oder andere Auffälligkeiten oft sehr früh.

So kann ein KI-Programm Krankheiten wie eine Sepsis viel schneller sehen, als es bisher der Fall war. Auch im Brustkrebs-Screening, bei der Analyse von Netzhautbildern oder bei der Erkennung von Herz-Kreislauf-Krankheiten unterstützt KI die diagnostische Arbeit und beschleunigt sie.

Für diese Tasks wertet die KI Patient:innendaten, Studien und Befunde gleichzeitig aus. Dank dieser Datenlage schlägt sie Diagnosen und Therapien vor. Zudem erkennt sie Risikopatient:innen in großen Datenmengen. Ärzt:innen bekommen quasi eine „zweite Meinung in Sekunden“.

Forschung und Entwicklung

Es ist gefühlt eine Ewigkeit her, aber jede:r erinnert sich noch an den Wettlauf um einen Corona-Impfstoff. Auf der ganzen Welt suchten Forschende nach einem Heilmittel oder einer Behandlung, die das Virus eindämmen konnte. Knapp ein Jahr dauerte es, bis die ersten Impfstoffe entwickelt und getestet waren.

Das soll in Zukunft noch schneller gehen: Dank KI. Denn bei der Medikamentenentwicklung lässt sich durch diese Technologie extrem viel Zeit sparen. KI erkennt nicht nur Muster und Zusammenhänge in Laborwerten deutlich schneller, analysiert parallel Moleküle und gleicht die Ergebnisse fortlaufend mit anderen Studien ab. Das beschleunigt die Forschung. Entwicklungen, die bisher Jahre brauchten, lassen sich in Monaten umsetzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Menschen sind sehr unterschiedlich. Alleine zwischen den Geschlechtern gibt es anatomisch zahlreiche Unterschiede, die in der Medikamentenentwicklung regelmäßig zu Schwierigkeiten führen. So wirken zum Beispiel viele Schmerzmittel bei Männern anders als bei Frauen. Zudem werden aufgrund hormoneller Unterschiede und Fragen der Reproduktionsgesundheit bestimmte Behandlungen bei Frauen oft nicht ausreichend untersucht. Auch das Alter, die Körpergröße oder das Gewicht spielen dabei eine große Rolle. Dank KI lassen sich Behandlungen und Medikamente in Zukunft präziser und einfacher individualisieren. Das führt zum nächsten Punkt:

Personalisierte Medizin

Seltene Krankheiten, spezielle Krebsformen und dergleichen stellten die Medizin in der Vergangenheit immer vor große Herausforderungen. Denn Seltenheit bedeutet einerseits dünne Datenlagen, andererseits eine geringe Anzahl an Patient:innen bzw. Proband:innen. KI-Agenten können Patient:innen virtuell „nachbauen“ und begrenzte Datensätze so erweitern, dass sich ein detailreiches Gesamtbild der Krankheit modellieren lässt. Das vereinfacht die Forschung in diesem Bereich erheblich.

Zudem können diese Systeme dabei helfen, Patient:innen bei individuellen Einschränkungen nach einer Krankheit gezielter zu unterstützen. Robotische Exoskelette mit KI-Sensorik können zum Beispiel bei Problemen mit der Koordination Extremitäten, etwa nach einem Schlaganfall, Betroffenen dabei helfen, mobil zu bleiben.

Doch nicht nur in den Bereichen der Forschung und der Nachversorgung ist personalisierte Medizin mittels KI ein Gamechanger. Durch eine genaue Analyse von sehr individuellen Daten wie Lebensstil oder Genetik der Patient:innen kann KI vorhersagen, wer wann und aus welchen Gründen krank werden könnte. Sie erkennt Risiken für Diabetes, Herzkrankheiten etc. und schlägt präventive Maßnahmen vor. Damit unterstützt KI im oft stark belasteten klinischen Alltag arbeitenden Ärzt:innen und auf lange Sicht den Umbau des Gesundheitssystems weg von „reagieren“, hin zu „vorbeugen“.

Bessere Service im Krankheitsfall

KI in Health ist nicht nur wichtig für die direkte Arbeit an Patient:innen. Sie hilft auch bei der Automatisierung von Abläufen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Praxen. Die KI entlastet das medizinische Personal bei der Terminplanung, der Dokumentation und der Abrechnung. Sie analysiert Notfälle schneller und hilft bei der Einstufung der Dringlichkeit. Das alles sorgt für effizientere Abläufe, kürzere Wartezeiten und ein besseres Service-Angebot für die Patient:innen.

Dank Apps und Chatbots, die auf KI-Technologie beruhen, beginnt die medizinische Versorgung direkt bei den Patient:innen. Sie können diese Tools als Symptom-Checker nutzen, ihre mentale Gesundheit durch gezielte Chats stärken und intelligente Chatbots für erste Fragen verwenden. Zum Beispiel um herauszufinden, welche Fachperson am besten und schnellsten helfen kann.

Das Stichwort ist hier Conversational KI. Sie umfasst Technologien, die natürliche Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP) und maschinelles Lernen nutzen, um ein natürliches, menschenähnliches Gesprächserlebnis zu schaffen. Im Gegensatz zu einfachen Chatbots kann Conversational KI aus Interaktionen lernen, sich anpassen und komplexere Anfragen verstehen.

Berlin ist KI-Health-Hotspot

Die Digital-Health-Branche ist in der Hauptstadtregion Berlin-
Brandenburg besonders dynamisch. Hier gibt es mehr als 40 akademische Einrichtungen, 151 Kliniken, rund 30 stationären Rehabilitationseinrichtungen sowie mehr als 700 Startups im Health Bereich. Diese Fülle zieht Investor:innen, Gründer:innen von Start-ups sowie Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt nach Berlin. Das sind beste Voraussetzungen für die Entwicklung und Anwendung digitaler Gesundheitslösungen. Zudem vernetzt das Cluster HealthCapital die unterschiedlichsten Akteur:innen und hilft beim Aufbau neuer Partnerschaften.

Die neue Studie „Künstliche Intelligenz (KI) in der Berliner Gesundheitswirtschaft“ liefert zudem eine umfassende Bestandsaufnahme, Analyse und Bewertung von KI-Anwendungen in der Berliner Gesundheitswirtschaft.

Die Ergebnisse sollen als Grundlage für politische und wirtschaftliche Entscheidungen dienen und die strategische Weiterentwicklung Berlins als führenden Standort für KI und Digital Health unterstützen.

Die Studie wurde im Zeitraum vom August 2025 bis März 2026 von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe beauftragt und von den Expert:innen der Bansbach Econum Unternehmensberatung durchgeführt. Begleitet wurde die Erstellung der Studie vom Cluster Capital Health bei Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie.

Von September bis Oktober 2025 wurden 25 Akteur:innen des Berliner KI-Health-Bereichs interviewt. Anhand der Ergebnisse wurden in einem Workshop mit 22 Teilnehmenden Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft erarbeitet.

Vorgestellt werden die Ergebnisse am 22. April um 15.00 Uhr am Ländergemeinschaftsstand Berlin-Brandenburg der diesjährigen DMEA. Dort können sich Akteur:innen im Digital-Health-Bereich nicht nur vernetzen und neue Partner:innen finden, sondern hier gibt es auch Zukunft zum Erleben. Das Event findet vom 21. bis 23. April 2026 in der Messe statt.