Mafalda: Was die Story angeht, gefällt mir am transmedialen Ansatz, dass er die Tür zum Experimentieren öffnet, nicht nur mit den möglichen Handlungssträngen, sondern auch mit Ästhetik, alternativen Universen und Erfahrungen. Es ist eine sehr aufregende Struktur, in der man kreativ sein kann, und das wirkt sich auch auf die geschäftlichen Vorteile aus. Wir können mit verschiedenen Zielgruppen experimentieren oder unsere Fans in einer Welt, die immer stärker vernetzt ist, von einer Plattform zur anderen mitnehmen. Jeder ist überall. Das Publikum sitzt nicht mehr nur vor dem Fernseher, im Kino oder am Computer. Sie sitzen in ihrem Zimmer, schauen sich einen Film an, während sie auf Steam spielen und auf ihr Telefon schauen. Die Einzigartigkeit unseres Geschäftsmodells besteht darin, dass wir nicht versuchen, Transmedia in unsere Geschichten zu zwingen, sondern Stories und Story Universen zu schaffen, die Transmedia in ihrem Kern haben.
Reza: Aus geschäftlicher Sicht wird es immer schwieriger, auf dem stark fragmentierten Games- und Filmmarkt hervorzustechen – vor allem, wenn man originelle Ideation Phasen entwickelt, wie wir es tun! Man muss mit einem Paukenschlag herauskommen und hochwertige Unterhaltung liefern, sonst wird man nicht wahrgenommen! Wir haben eine viel größere Chance, dass die Verbraucher:innen “The Last Whale Singer” erkennen, wenn der Titel als Spiel in den App-Stores auftaucht, während der Film im Kino, im Streaming und im Fernsehen gezeigt wird, wo auch die Serie verfügbar sein wird. Wir unterstützen diesen transmedialen Rollout zusätzlich mit Büchern und Merchandising. Aus der Perspektive des Storytellings ist es natürlich bereichernder und unterhaltsamer, wenn man viel tiefer in die Figuren und Welten eintauchen kann, die man erschafft. Indem wir ein zusammenhängendes Netz von Geschichten spinnen, ermöglichen wir es Zuschauer:innen und Spieler:innen verschiedener
Altersgruppen, das Universum der Geschichte aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten und theoretisch endlose Abenteuer zu erleben. Wir lernen aber auch, dass sich zwar praktisch jede Geschichte in ein transmediales Projekt verwandeln lässt, dies aber nicht immer eine gute Idee ist. Die Welten, die wir erschaffen, müssen sich organisch für Transmedia eignen, sonst wirkt es erzwungen. Die Verbraucher:innen erkennen schnelles Cash-Grabbing, also sollten wir sehr bewusst entscheiden, welche Stories wir in ein transmediales Story Universum verwandeln und welche Geschichten wir gerade wegen ihrer Intimität und Einzigartigkeit genießen.