Zur Geschichte des Amtsgerichts Tiergarten

Amtsgericht Tiergarten, Eingangsportal Altbau
Bild: Amtsgericht Tiergarten

Eine kurze Abhandlung zur
Geschichte des Amtsgerichts

  • Der Komplex des denkmalgeschützten Kriminalgerichts wird im Osten ergänzt durch das sternförmige Untersuchungsgefängnis, das im Jahre 1875 errichtet wurde und damit der älteste Teil der Gesamtanlage ist.
  • „Der dominierende, im neobarocken Stil errichtete Teil des Kriminalgerichts in der Turmstraße wurde 1902-06 errichtet, weil das Alte Kriminalgericht aus dem Jahre 1881 an der Rathenower Straße zu klein war, um die in Moabit konzentrierten Gerichte aufzunehmen. Bei der Justizreform vom 16.09.1899 war beschlossen worden, die drei Berliner Landgerichte zu vereinen und zusammen mit den Strafabteilungen des Amtsgerichts Mitte in Moabit anzusiedeln.
  • (Der Geheime Oberbaurat) Paul Thoemer und (der Landesbauinspektor) Jean Fasquel legten einen Vorentwurf vor, der die Grundlage für die Ausführungsplanung von (dem Regierungsbaurat) Rudolf Mönnich und Carl Vohl bildete. Das Kriminalgericht Moabit gehört zu den architekturgeschichtlich bedeutendsten Bauten der wilhelminischen Ära. Mit seinen schlossähnlichen Ausmaßen, der imposanten Gestaltung und der prachtvollen Treppenhalle erregte das Gerichtsgebäude großes Aufsehen. Um die Justiz, die dritte Staatsgewalt, angemessen zu repräsentieren, wurde der neobarocke Baustil und anstelle von Backstein der dunkle Sandstein gewählt. Vorbild war die friderizianische Architektur des 18. Jahrhunderts.
  • Der langrechteckige Bau, der sich um vier Innenhöfe legt, besitzt eine monumentale, kraftvolle Fassade. Die Ecke an der Rathenower Straße wurde mit einer 48 m hohen Kuppel hervorgehoben, hinter der sich ein Wasserbehälter für die Wasserversorgung des Gerichtsgebäudes verbirgt. Ein breiter Mittelbau, flankiert von aufstrebenden Türmen beherrscht die Hauptfassade an der Turmstraße.“ (aus: Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Kriminalgericht Moabit, OBJ-Dok-Nr..: 09050355, Stand 15.05.2006 m.w.N.)
  • In dem Bau wurden die 21 Gerichtssäle konzentriert, davon 2 Schwurgerichtssäle, 13 Strafkammer- und 6 Schöffensäle, ferner die zugehörigen Richter- und Beratungszimmer. Die halbkreisförmige Anordnung der Podien erfolgte, um die erforderlichen Richter-, Geschworenen- und Verteidigerplätze unterbringen zu können.
  • „Im Mittelrisalit, betont durch einen Dreiecksgiebel, öffnet sich der Haupteingang. Die beiden Hauptsäle des Schwurgerichts zeichnen sich außen durch einen vorgewölbten Erker ab. Betritt man das Kriminalgericht, dann gelangt man in eine überwältigend große Treppenhalle. Im wilhelminischen Berlin war es üblich, Gerichtsgebäude mit gewaltigen Eingangshallen zu versehen. Die imposante Architektur sollte die Erhabenheit des Rechts deutlich machen. Die riesige Treppenhalle des Kriminalgerichts Moabit erstreckt sich über drei Schiffe, die von einem Klostergewölbe überspannt werden. Mit zwölf gotisch anmutenden Bündelpfeilern, reich gegliederten Wandpfeilern, Sandsteingeländern in Bandelwerk und allegorischen Figuren entfaltet sich ein prächtiger neobarocker Raum, der einen sakralen Eindruck erweckt. Um den zentralen Eingangsraum legt sich eine weiträumige doppelläufige Treppenanlage, die labyrinthisch erscheint und mit ihrer Raumdurchdringung die barocken Vorbilder weit übertrifft. Möglich wurde das durch den Einsatz moderner Werkstoffe und Konstruktionsmethoden. Bei den weitgespannten Gewölben der großen Mittelhalle handelt es sich um neuartige Bulbeisendecken aus Eisenbeton, die eine Überwölbung des Raumes bei geringer Stichhöhe zuließen.“ (aus: Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Kriminalgericht Moabit, OBJ-Dok-Nr.: 09050355, Stand 15.05.2006 m.w.N.)
  • Die in der Mittelhalle auf der Bodenfliese erkennbaren Insignien „KCG“ sind eine Abkürzung für „Königliches Criminal Gericht“. Die dargestellten Figurengruppen verkörpern jeweils die: 1) Religion, 2) Gerechtigkeit, 3) Streitsucht, 4) Friedfertigkeit, 5)Lüge und 6) Wahrheit.
  • Die große Statue in der Eingangshalle verkörpert die römische Göttin Justitia. Die Augen der Dame sind verbunden, als Zeichen dafür, dass sie ihre Entscheidungen unabhängig von Äußerlichkeiten, insbesondere ohne Ansehen der Person, trifft. In der einen Hand hält sie eine Waagschale, das Symbol der Differenzierung, was bedeutet, dass erst nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage zu entscheiden ist. In der anderen Hand hält Justitia ein Schwert, das Symbol für die Durchsetzung der Entscheidung und damit des Rechts mit der notwendigen Härte.
  • Bei seiner Fertigstellung im Jahre 1906 und Einweihung am 17.04.1906 war das Kriminalgericht ein technisches Meisterwerk, mit eigenem Kraftwerk, Lasten- und Personenaufzügen, Zentralheizung und Ventilatoren für Lüftungsschächte. Ebenfalls eingebaut wurden eine eigene Wasserversorgung mit Wasserturm und eine eigene Telefonanlage. Hervorzuheben ist auch das umfassende Gänge- und Lüftungssystem, das es ermöglichte, die Angeklagten von dem anliegenden Untersuchungsgefängnis ohne mögliche Kontaktaufnahme zu den Zeugen nichtöffentlich zu den Gerichtssälen zu führen.
  • Anbauten: Der 1. Erweiterungsbau, das heutige C-Gebäude, wurde in der Zeit von 1957 – 1959 in einem sehr nüchternen und zweckorientierten Stil errichtet. Er beherbergt Sitzungssäle, Zimmer und eine Kantine.Der 2. Erweiterungsbau, das heutige D-Gebäude, wurde im Jahre 1962 eingeweiht und ist in der Bauweise an dem 1. Erweiterungsbau orientiert.Weitere Anbauten erfolgten an der südlichen Rückfront des Gebäudes Turmstr. 1973 und 1976, die hauptsächlich neue Sitzungssäle schafften. Die andauernde Raumnot zwang zu weiteren Neubauten,, mit denen am 23.10.1980 begonnen wurde und den heutigen Komplex in der Wilsnacker Str. betrafen, das E-Gebäude. Die Fertigstellung erfolgte am 7.10.1982.
  • Das Löwendenkmal in der Nähe des Einganges Wilsnacker Str. zum Gebäudeteil „B“ stellt den Kampf der Gerechtigkeit gegen die Falschheit dar.
  • Das ursprüngliche Kriminalgericht von 1882 mit dem Standort in der Rathenower Str. wurde im 2. Weltkrieg zerstört und im Jahre 1953 endgültig abgerissen.