Aktuelle Sprache: Deutsch

Lagebild zur Energieversorgungssicherheit im Land Berlin

Gasspeicher

Stand: 04.10.2022

Mit dem regelmäßigen Lagebild informiert die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe über den Sachstand und die Einschätzung zur Energieversorgungssicherheit im Land Berlin.

  • Die Versorgungssicherheit in Deutschland und Berlin ist derzeit in allen Sektoren gesichert.

Die Lage ist jedoch angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden. Die öffentliche Verwaltung, Unternehmen und private Verbraucher:innen müssen sich weiterhin auf sehr hohe Energiepreise einstellen. Das Sparen von Energie bleibt in allen Bereichen geboten.

Gesamtsituation in Zahlen

  • Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 92,08 %, Tendenz: steigend
  • Gasflüsse der Nord Stream 1: 0

Zur Erstellung des Lagebilds ist der Senat fortlaufend mit Netzbetreibern, Versorgungsunternehmen sowie Landes- und Bundesbehörden, mit Ministerien und allen Branchen im engen Austausch. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat eine Energie-Taskforce eingesetzt und koordiniert eine senatsübergreifende Arbeitsgruppe, die sich kontinuierlich mit allen aktuellen Fragestellungen zur Energieversorgung beschäftigt.

Situation beim Gas

Die Gasversorgung in Deutschland und in Berlin ist derzeit gesichert. Die Stabilität des bundesweiten Gasnetzes wird laufend überwacht. Es besteht aktuell keine Gasmangellage. Durch die wiederholten Reduktionen und Ausfälle der Gaslieferungen aus Russland ist die Situation allerdings angespannt. Aktuell gilt die Alarmstufe (Stufe 2) des bundesweiten Notfallplans Gas.

Um die Speicherbefüllung zu unterstützen, ist und bleibt das Sparen von Energie das Gebot der Stunde. Verbräuche müssen jetzt und dauerhaft reduziert werden, damit im Herbst und Winter ausreichend Gas-Reserven zur Verfügung stehen und diese auch ins Jahr 2023 reichen.

Der Anteil russischer Lieferungen an den deutschen Gasimporten wurde in den vergangenen Monaten von vormals 55 % auf zuletzt unter 30 % reduziert. Die Situation in Berlin entspricht ebenfalls diesem sogenannten „Deutschland-Mix“. Um die angestrebte schrittweise Unabhängigkeit von russischem Gas bis Sommer 2024 zu erreichen, hat die Bundesregierung den Erdgasbezug aus Norwegen und den Niederlanden erhöht sowie die LNG-Importe gesteigert und Maßnahmen zur Sicherung und Ausbau der Energielogistik auf den Weg gebracht.

Situation bei Kohle und Öl

Die Versorgung mit den Energieträgern Steinkohle und Öl ist aktuell sichergestellt. Die gesetzlichen Reserven sind aufgefüllt. Hinsichtlich Kohle ist das Kohleembargo gegenüber Russland seit dem 11.08.2022 in Kraft. Das Ölembargo soll zum Ende des Jahres in Kraft treten.

Ein großer Teil der ostdeutschen Bundesländer und auch die Hauptstadtregion werden durch mit Produkten (Benzin, Kerosin, Öle) von Raffinerien in Schwedt und Leuna beliefert. Die Raffinerie in Leuna hat bereits vertraglich alternative Lieferquellen sichergestellt. Die Raffinerie in Schwedt gehört zu Rosneft Deutschland und wird aktuell noch durch die Druschba-Pipeline aus Russland mit Öl versorgt. Die Bundesregierung hat die Raffinerie am 16. September unter Treuhandverwaltung gestellt und arbeitet mit Hochdruck daran, eine alternative Belieferung u.a. über Pipelines ab den Häfen in Rostock und Gdansk (Polen) sicherzustellen.

Situation beim Strom

Die Stromversorgung ist zum jetzigen Stand sichergestellt. Derzeit ist nicht mit einem Ausfall der Stromversorgung oder Störungen der Netze zu rechnen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat einen Stresstest für die Versorgungssicherheit auf dem Strommarkt veranlasst. Die Ergebnisse wurden am 5.09.2022 vorgelegt: Stundenweise krisenhafte Situationen im Stromsystem im Winter 22/23 sind zwar sehr unwahrscheinlich, können aktuell aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. Daher verfolgt die Bundesregierung eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen, damit es auch in diesen sehr unwahrscheinlichen Szenarien nicht zu einer kurzzeitigen Lastunterdeckung oder Stromausfällen kommt.

Ebenfalls werden vorbeugende Maßnahmen von lokalen Netzbetreibern für den unwahrscheinlichen Fall vorgenommen, dass eine Überlastung der Stromnetze droht. So könnte etwa ein massenhafter Einsatz von elektrisch betriebenen Heizungen wie Heizlüfter oder Infrarotheizungen die Netzstabilität gefährden. In diesen Fällen könnten zeitlich und räumlich begrenzte Stromabschaltungen zum Schutz der Netze notwendig werden.

Weiterführende Informationen