Seit der Auszeichnung mit dem Deep Tech Award hat die in Berlin gegründete AssistMe GmbH, spezialisiert auf digitale Assistenzsysteme für Pflege und Gesundheit, einen entscheidenden Schritt gemacht: Aus einer ausgezeichneten Deep-Tech-Innovation ist mit alea ein marktreifes digitales Assistenzsystem für die Pflege geworden. Heute wird die Plattform in realen Pflegeumgebungen eingesetzt und unterstützt Pflegekräfte im täglichen Arbeitsablauf.
Julio Brandl, CEO von AssistMe, beschreibt den Nutzen so: „alea macht sichtbar, was sonst verborgen bliebe, und gibt Pflegekräften die Sicherheit, im richtigen Moment das Richtige zu tun.“
Damit steht AssistMe exemplarisch für eine Entwicklung, die in der Pflege zunehmend an Bedeutung gewinnt: Digitale Assistenzlösungen werden nicht mehr nur als technische Zusatzangebote verstanden, sondern als konkrete Werkzeuge, die Pflegekräfte entlasten, Abläufe planbarer machen und Pflegequalität im Alltag unterstützen können.
Von Pilotprojekten zu Rollouts in Pflegeeinrichtungen
Seit dem Deep Tech Award hat AssistMe zentrale Meilensteine erreicht – sowohl in der Produktentwicklung als auch auf Unternehmensebene. alea wird heute nicht mehr nur erprobt, sondern aktiv in Pflegeeinrichtungen genutzt. Aus einzelnen Pilotprojekten sind dauerhafte Kundenbeziehungen und konkrete Rollouts in Pflegeeinrichtungen entstanden. Grundlage dafür ist die patentierte Sensor-, IoT- und Datenplattform, die AssistMe seit 2018 entwickelt und zunächst in Pilotprojekten erprobt hat. Nach dem öffentlichen Launch auf dem Deutschen Pflegetag im November 2023 ist alea im vierten Quartal 2023 in die stationäre Pflege gestartet. Wissenschaftlich untermauert wird der Einsatz durch die EASY-Studie, die AssistMe von 2021 bis 2024 mit Förderung des GKV-Spitzenverbands durchgeführt und deren Ergebnisse das Unternehmen 2024 veröffentlicht hat.
Auch der Funktionsumfang der Plattform ist deutlich gewachsen. alea unterstützt inzwischen unter anderem beim Inkontinenzmonitoring, Bewegungsmonitoring, bei Hinweisen auf Sturzverdacht, Dekubitusprophylaxe, der Bereichserkennung und der digitalen Dokumentation. Damit hat sich die Lösung von einem einzelnen technologischen Ansatz zu einer breiter einsetzbaren Pflegeplattform entwickelt.
Parallel dazu ist AssistMe auch als Unternehmen gewachsen. Das Team vereint heute Kompetenzen aus Pflege, Software, Datenanalyse, Hardwareentwicklung, Research, Produktdesign und Sales. Ergänzt wird diese Aufstellung durch die strategische Partnerschaft mit TZMO/SENI, einem der weltweit führenden Hersteller von Inkontinenzprodukten, die Anfang 2024 geschlossen wurde und AssistMe zusätzliche Expertise in der Inkontinenzversorgung sowie Zugang zu internationalen Pflegemärkten eröffnet hat. Diese interdisziplinäre Aufstellung ist für die Weiterentwicklung der Plattform zentral, denn digitale Pflegeassistenz muss technologisch leistungsfähig sein und zugleich in bestehende Pflegeprozesse passen.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die internationale Perspektive. Mit einer Wachstumsfinanzierung über 5,2 Mio. Euro (Juli 2025) hat AssistMe die Skalierung von alea vorangetrieben und ist nach Österreich, Frankreich und Polen expandiert. Genutzt wird die Lösung unter anderem von Pflegegruppen wie Mavida und den Johannitern. Im August 2026 folgte eine weitere Runde über 6,5 Mio. Euro unter Führung von CRB Health Tech SGEIC und Vorwerk Ventures, gemeinsam mit SUM Ventures und den Bestandsinvestoren.
Pflegebedarfe früher erkennen
alea hat sich in den vergangenen Jahren zu einer vernetzten Pflegeplattform entwickelt, die Pflegebedarfe frühzeitig sichtbar macht. Besonders deutlich wird das beim Inkontinenzmonitoring: Das System erkennt den Füllstand von Inkontinenzprodukten und unterstützt Pflegekräfte dabei einzuschätzen, wann ein Wechsel wirklich notwendig ist.
Dadurch können Pflegekräfte schneller, gezielter und bedarfsorientierter handeln. Informationen werden direkt in der App bereitgestellt und können im Arbeitsalltag unmittelbar genutzt werden. Neben dem Inkontinenzmonitoring unterstützt alea auch bei Lagerungsroutinen, zeigt Hinweise bei auffälligen Bewegungsereignissen und kann bei Bedarf definierte Bereiche überwachen.
Für Pflegeleitungen bietet das Cockpit zusätzlich eine Übersicht über Bewohner, Funktionen, Hardware, Ereignisse und pflegerelevante Auswertungen. So entsteht nicht nur Unterstützung im direkten Pflegealltag, sondern auch mehr Übersicht für Organisation, Steuerung und Dokumentation.
Ein zentraler Fortschritt liegt dabei in der Verbindung von Sensordaten, Echtzeitinformation und Dokumentation. Pflege wird dadurch planbarer, nachvollziehbarer und weniger von pauschalen Kontrollroutinen abhängig. Informationen, die bisher manuell erfasst oder durch wiederholte Kontrollen gewonnen werden mussten, können digital unterstützt und im richtigen Moment verfügbar gemacht werden.
Digitale Pflegeassistenz dort einsetzen, wo der Bedarf am größten ist
Heute ist AssistMe vor allem in der stationären Pflege aktiv, insbesondere in Pflegeheimen und Einrichtungen der Langzeitpflege. Dort ist der Bedarf an Entlastung, Prozesssicherheit und digitaler Unterstützung besonders hoch.
Gleichzeitig ist alea grundsätzlich auch für weitere Pflegeumgebungen ausgelegt – darunter häusliche Pflege, betreutes Wohnen, ambulante Versorgungsformen und kliniknahe Kontexte. Strategisch entwickelt sich AssistMe damit von einer Lösung für einzelne Pflegeprozesse hin zu einer breiter einsetzbaren Plattform für digitale Pflegeassistenz.
Auch über Deutschland hinaus stehen weitere europäische Märkte im Fokus. Besonders relevant sind Länder, in denen Pflegeeinrichtungen vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Fachkräftemangel, steigender Pflegebedarf und hoher Dokumentationsaufwand. AssistMe adressiert damit nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches Thema – mit einer Lösung, die aus konkreten Pflegeprozessen heraus entwickelt wurde.
Wenn Technologie im Alltag wirklich helfen muss
Der Bereich der digitalen Pflegeassistenz hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Pflege steht heute stärker unter Druck als noch vor wenigen Jahren. Fachkräfte fehlen, Pflegebedarfe steigen und Dokumentation bindet viel Zeit. Gleichzeitig ist die Offenheit für digitale Unterstützung gewachsen – allerdings nur dann, wenn sie im Alltag tatsächlich entlastet.
Digitale Pflegeassistenz wird deshalb zunehmend als praktisches Werkzeug verstanden. Entscheidend ist, dass Technologie einfach nutzbar ist, in bestehende Abläufe passt und Pflegekräfte bei Entscheidungen unterstützt, ohne ihre fachliche Verantwortung zu ersetzen. Digitale Assistenz soll keine zusätzliche Komplexität schaffen, sondern Informationen so bereitstellen, dass sie im richtigen Moment helfen.
In den kommenden Jahren werden vernetzte Systeme, KI-gestützte Auswertungen und automatische Dokumentation weiter an Bedeutung gewinnen. Der größte Nutzen entsteht laut AssistMe jedoch dort, wo digitale Assistenz konkrete Alltagssituationen verbessert: weniger unnötige Kontrollen, schnellere Reaktion, bessere Übersicht und mehr Zeit für den Menschen.
alea soll zur umfassenden Plattform werden
Für die kommenden Jahre setzt AssistMe klare Schwerpunkte: alea soll zu einer umfassenden Plattform für digitale Pflegeassistenz weiterentwickelt werden. Dazu gehören zusätzliche Sensorfunktionen, bessere Auswertungen und eine intelligentere Dokumentation.
Gleichzeitig soll die Plattform noch einfacher in bestehende Pflegeprozesse und Dokumentationssysteme integriert werden. Denn gerade in der Pflege entscheidet die Anschlussfähigkeit darüber, ob digitale Lösungen dauerhaft genutzt werden und echte Entlastung schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Skalierung in weiteren Pflegeeinrichtungen und europäischen Märkten. Perspektivisch sieht AssistMe zudem großes Potenzial in der häuslichen Pflege. Dort werden sehr viele Menschen durch Angehörige versorgt – und digitale Unterstützung kann besonders wirksam sein, wenn sie Sicherheit schafft und Pflegeprozesse besser begleitet.
Der Anspruch dahinter bleibt klar: Technologie soll Pflegekräfte entlasten, Pflegeempfänger besser versorgen, Angehörigen mehr Sicherheit geben und Einrichtungen helfen, Pflegequalität wirtschaftlich tragfähig zu sichern.
Deep Tech mit gesellschaftlicher Wirkung
Der Deep Tech Award Berlin in der Kategorie IoT/Industrie 4.0 war für AssistMe nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine wichtige Bestätigung. Er hat gezeigt, dass die Technologie des Unternehmens nicht nur innovativ ist, sondern ein reales gesellschaftliches Problem adressiert.
Die Auszeichnung hat die Sichtbarkeit erhöht und AssistMe dabei geholfen, sich als Deep-Tech-Unternehmen im Pflege- und Gesundheitsbereich stärker zu positionieren. Besonders wertvoll ist dabei die Verbindung aus Technologie, Praxisnähe und gesellschaftlicher Wirkung.
Berlin bietet für diese Verbindung ein starkes Umfeld. Technische Expertise, Forschung, Gründergeist, Gesundheitswirtschaft und Zugang zu Partnern treffen hier aufeinander. Gerade an der Schnittstelle von Health Tech, Social Tech und Deep Tech entstehen Lösungen, die nicht nur wirtschaftlich relevant sind, sondern direkt im Alltag von Menschen ankommen.
Was seit dem Deep Tech Award entstanden ist, zeigt: Deep Tech entfaltet seine größte Wirkung dort, wo technologische Innovation konkrete Herausforderungen adressiert. Bei AssistMe bedeutet das: digitale Pflegeassistenz, die Pflegekräfte entlastet, Einrichtungen unterstützt und mehr Zeit für den Menschen schaffen soll.