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Vom Schreiben und Spielen // Wie lange leben, wie lange lieben?

Theatertreffen 2026 | Dramatik und Diskurs

In einer Zeichnung in den Farben orange und grün gehen zwei Personen die Treppe hoch ins Obere Foyer des Haus der Berliner Festspiele

– In einer Zeichnung in den Farben orange und grün gehen zwei Personen die Treppe hoch ins Obere Foyer des Haus der Berliner Festspiele

Auftakt Mehr Drama!

Vom Schreiben und Spielen. 

Ein Gespräch über den Status quo der Gegenwartsdramatik

mit Sivan Ben Yishai, Ferdinand Schmalz, Gerhild Steinbuch und Paula Thielecke

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Wie lange leben, wie lange lieben?

Mehr Drama!: Leonie Ziem + Jara Nassar

 

Zum Start des neuen Formats Mehr Drama! nehmen vier renommierte Theaterautor*innen in einer Podiumsdiskussion eine Bestandsaufnahme des zeitgenössischen dramatischen Schreibens vor. Gleich im Anschluss findet die erste von drei Mehr Drama!-Veranstaltungen statt: Leonie Ziem und Jara Nassar stellen sich mit ihren Texten dem Theatertreffen-Publikum vor und sprechen im Anschluss mit den Autor*innen, die sie für das Format nominiert haben: Gerhild Steinbuch und Sivan Ben Yishai.

Shirin Sojitrawalla – Moderation

 

Podiumsdiskussion

Vom Schreiben und Spielen

Ein Gespräch über den Status quo der Gegenwartsdramatik

Beim Eröffnungsgespräch des neuen Formats Mehr Drama! teilen vier der wichtigsten Autor*innen der deutschsprachigen Dramatik ihren persönlichen Eindruck vom Status quo des zeitgenössischen dramatischen Schreibens. Welche Stimmen fehlen den Spielplänen der Theater, was wird gespielt und wie sichtbar ist die Gegenwartsdramatik überhaupt noch? Klaffen die Bedürfnisse der Theater und die der Autor*innen mittlerweile zu weit auseinander? Und: Was will eigentlich das Publikum sehen? 

Im Gespräch treffen ästhetische und kulturpolitische Fragestellungen aufeinander, die aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Die Autor*innen schöpfen aus ganz unterschiedlichen Erfahrungen, sind in ihrem eigenen Schreiben sehr divers – und doch einen sie ihre scharfsinnigen Gegenwartsbeobachtungen, die unbedingt gehört und gesehen werden müssen. 

Das neue Theatertreffen-Format Mehr Drama! ermöglicht einen ganz persönlich kuratierten Blick auf die Gegenwartsdramatik. Sechs Autor*innen haben jeweils eine*n aufstrebende*n Dramatiker*in ausgewählt, dessen*deren Text im Theatertreffen in einer Lesung mit hochkarätigen Schauspieler*innen präsentiert wird. 2026 trafen die Auswahl: Sivan Ben Yishai, Necati Öziri, Sasha Marianna Salzmann, Ferdinand Schmalz, Gerhild Steinbuch und Paula Thielecke.

Podiumsdiskussion mit

Sivan Ben Yishai, Ferdinand Schmalz, Gerhild Steinbuch und Paula Thielecke

Shirin Sojitrawalla – Moderation

 

Lesungen und Gespräche

Wie lange leben, wie lange lieben?

Mehr Drama!: Leonie Ziem + Jara Nassar

Leonie Ziem: Das große Gleichgültige

Leonie Ziem erzählt von Mares und Libro, sie lieben sich, und sie stehen in der Schlange. Sie zieht sich durch die ganze Stadt, doch wofür Mares und Libro anstehen, das wissen sie eigentlich gar nicht so genau, und die Schlange, die wird immer länger. 300 Jahre Lebenszeit – darum geht es, das gäbe es zu holen, aber ist das erstrebenswert? Wird es diese Welt künftig überhaupt noch geben? Sprachlich virtuos, rhythmisiert und vielschichtig geht es in Das große Gleichgültige um Endlichkeit, Tod und Verlust – und darum, wie wir leben wollen.

Lesung mit

Lilith Stangenberg u. a.

Gespräch zwischen

Leonie Ziem und Gerhild Steinbuch

Auswahlbegründung

„Eine Schlange mit unklarem Kopf. Was sich vorne verbirgt? Egal. Hauptsache, mensch wartet. Durch soziale Undurchlässigkeiten und nicht vorhandene Aufstiegschancen, durch kaputte Gesundheitssysteme und diverse Hoffnungsversprechungen. Durch eine Welt, die unverhältnismäßig viele Verlierer*innen produziert, damit der Hauptgewinn der obersten sehr wenig Prozent so richtig wummst. Mittendrin in Welt und Schlange: Libro die*r Mares liebt und Mares, die Libro liebt. Als sich der Kopf der Schlange als Lotterie für 300-jähriges Leben entpuppt, gestiftet von der amtierenden Bundesregierung, kommt Bewegung in die Schlange und auch zwischen Libro und Mares: Ist das lange lange Leben die Eintrittskarte in eine ziemlich bunte Zukunft, oder eher Falltür in den Wahnsinnzustand der Welt in Endlosschleife?

Leonie Ziems Das große Gleichgültige ist ein toller Text, dem es gelingt, ein komplexes Thema – nämlich die Frage nach Chancengerechtigkeit in einem erodierten System – ziemlich eigen zu erzählen, humorvoll, schlau, rasant. Der Text hat bei allem Bezug zu gegenwärtigen Diskursen eine vielschichtige, mal verspielte, mal analytische, mal zarte, mal rough-komische Sprache, in der ich mit jedem Mal Lesen Neues entdecke. Durch ihre sprachlich eigenständige Stimme gelingt es Leonie Ziem in ihren Texten, theoretische Diskurse in ganz eigene, schräge Welten zu übersetzen, die mich überraschen, auf Um- und Irrwege mitnehmen, mit mir denken, mich berühren.“

– Gerhild Steinbuch

 

Jara Nassar: Hoch und immer höher

Hoch und immer höher stellt ebenfalls ein Paar, Anse und Soufiane, in den Vordergrund, deren Begegnung jedoch realistisch-situativer entworfen ist. In einem Haus in den Bergen, über der Stadt Beirut hängt die schwelende Bedrohung des Krieges wie eine dunkle Wolke über ihnen fest. Filmisch dicht und achronologisch klug erzählt, lässt Jara Nassar zwei Figuren aufeinandertreffen, die zusammen sein wollen und herausfinden, dass sie es doch nicht können – wie sollen sie lieben, eine Zukunft finden, wenn diese völlig ungewiss und voller Gewalt auf sie wartet?

Lesung mit

Lilith Stangenberg u. a.

Gespräch zwischen

Sivan Ben Yishai und Jara Nassar

Auswahlbegründung

„In Hoch und immer höher von Jara Nassar nimmt sich ein Paar eine Auszeit vom Trubel Beiruts, um Nähe und Ruhe zu finden. Das deutsche Publikum wird eingeladen, Zeug*innen zu werden, wie sich eine Beziehung an einem Ort entblättert, wo jeden Moment Krieg ausbrechen kann – oder wo dieser vielleicht nie geendet hat. Im Verlauf des Stücks werden wir dazu aufgefordert, uns mit Perspektiven auseinanderzusetzen, die in den deutschen Mainstream-Medien weitestgehend fehlen; mit Leben, die von Gewalt und Unsicherheit geprägt sind.

Um der schwer fassbaren, grausamen Realität einer Liebe, die sich unter vom Himmel fallenden Flugblättern entwickelt, und welche die drohende israelische Bombardierung verkünden, eine Form zu geben, wählt Jara Nassar das Well-Made-Play. Der kohärente Dialog und das realistische Abbild zweier Figuren, die als arabische Männer zu einer der am meisten dämonisierten Gruppen westlicher Gesellschaften gehören, zeigen, dass bestimmte historische Momente (sagen wir mal … jetzt?) und bestimmte Orte der Welt (sagen wir mal … hier?) – dass Klarheit und Verständlichkeit an sich schon Haltungen und Handlungsakte sind. Politische.“ 

– Sivan Ben Yishai

Aufführungsrechte Leonie Ziem, Das große Gleichgültige: Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

Übersetzung von Hoch und immer jöher aus dem Englischen von Jara Nassar

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