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Maurizio Cattelan: Preis der Nationalgalerie 2026

Der italienische Künstler Maurizio Cattelan zählt zu den einflussreichsten Positionen der Gegenwartskunst und wird mit dem Preis der Nationalgalerie 2026 ausgezeichnet.

  • Maurizio Cattelan, Neue Nationalgalerie, 2025

    Maurizio Cattelan, Neue Nationalgalerie, 2025

  • Maurizio Cattelan, Porträt, 2025

    Maurizio Cattelan, Porträt, 2025

Von September 2026 bis Februar 2027 ist er erstmals mit einer umfassenden Einzelausstellung in Deutschland vertreten.

Seit den frühen 1990er-Jahren prägt Maurizio Cattelan (*1960, Padua) den internationalen Kunstdiskurs mit Werken, die sich zwischen Skulptur, Installation und konzeptueller Praxis bewegen und sich konsequent eindeutigen Lesarten entziehen. Seine Arbeiten sind geprägt von scharfem Humor, bitterem Ernst und verbinden Provokation mit einer tiefgehenden Reflexion gesellschaftlicher, politischer und historischer Strukturen.

Ikonische Werke wie La Nona Ora (1999), die Darstellung von Papst Johannes Paul II., getroffen von einem Meteoriten, Him (2001) oder eine animatronische Skulptur in Anlehnung an die Hauptfigur aus Günter Grass’ Die Blechtrommel, zeigen exemplarisch Cattelans künstlerische Strategie. Er nutzt Schock, Irritation und moralische Ambivalenz, um zentrale Fragen unserer Zeit aufzuwerfen: Fragen nach Schuld und Verantwortung, Macht und Ohnmacht, Erinnerung und kollektivem Trauma. Seine Praxis ist durchzogen von einer Ästhetik des „comic existentialism“ – einer Verbindung aus Humor und Tragik, Ironie und Tiefsinn, die seine Werke zugleich zugänglich und verstörend erscheinen lässt. Seine Werke laden dazu ein, Geschichte nicht als abgeschlossenes Narrativ zu verstehen, sondern als etwas, das immer wieder neu verhandelt werden muss: kritisch, provokant und zugleich poetisch. Seine ironische Infragestellung von Autorität und „Wahrheit“ ist von gegenwärtiger Dringlichkeit. In Momenten, in denen Institutionen – Museen, Politik, Medien – ihre Rolle und Glaubwürdigkeit neu definieren, richtet er den Blick auf Machtverhältnisse innerhalb und außerhalb des Kunstsystems, ohne moralisch zu urteilen. Seine Kunst eröffnet Räume für Ambivalenz und widersetzt sich einfachen Positionierungen.

Gerade im deutschen Kontext, in dem Formen des Erinnerns aktuell neu ausgehandelt werden, gewinnen Cattelans Arbeiten besondere Aktualität. Seine ikonischen Gesten, die zwischen Überzeichnung, Ironie und Schmerz changieren, hinterfragen Rituale des Gedenkens und eröffnen neue Sichtweisen auf gesellschaftliche Debatten. In einer Zeit zunehmender politischer Polarisierung entfaltet sein subversiver Humor eine befreiende Kraft: Provokation erscheint hier nicht als Zynismus, sondern als Form des Widerstands und der konstruktiven Reflexion.
Mit der Ausstellung kehrt Maurizio Cattelan nach Berlin zurück, wo er 2006 als Co-Kurator der 4. Berlin Biennale maßgeblich zur internationalen Positionierung der Stadt als Zentrum zeitgenössischer Kunst beitrug.
Die Neue Nationalgalerie, mit ihrem ikonischen Bau von Mies van der Rohe, bietet einen idealen Rahmen für diese Ausstellung. Als Ort zwischen Moderne und Gegenwart wird sie zur Bühne für Cattelans vielschichtiges Werk – als Spiegel, Kommentar und Störmoment unserer Zeit.

Kuratorisches Team

Die Ausstellung wird von Lisa Botti, Kuratorin an der Neuen Nationalgalerie, gemeinsam mit Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, kuratiert.

Laufzeit: Do, 10.09.2026 bis So, 21.02.2027

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