Ausschreibung eines Preises des Landes Berlin zur Förderung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche in der Lehre und der Ausbildung

Pressemitteilung vom 18.05.2015

Gegenwärtig kann auf eine Reihe von Tierversuchen noch nicht verzichtet werden. So sind Experimente an Tieren z.B. im Rahmen von Substanzprüfungen durch verschiedene Rechtsvorschriften vorgeschrieben. Auch in der angewandten und Grundlagenforschung können Auswirkungen auf physiologische Zusammenhänge oft nur im Tiermodell erforscht werden. Eingriffe und Behandlungen an Tieren werden aber auch im Rahmen der Ausbildung von Studierenden der Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie oder der Biologie sowie von Medizinisch-Technischen und Pharmazeutisch-Technischen Assistentinnen / Assistenten durchgeführt.
Ziel muss es sein, Tierversuche in allen Bereichen entsprechend dem 3R- Prinzip von Russel und Burch (1959) einzuschränken, zu ersetzen und soweit wie möglich zu vermeiden sowie Belastungen der Tiere auf das absolut Notwendige zu beschränken.
Dabei ist es aus Sicht des Landes Berlin besonders zielführend und nachhaltig, bereits Studierende bzw. Auszubildende für das wichtige Thema zu sensibilisieren sowie die Suche nach Methoden zu intensivieren, die Tierversuche in der Lehre und Ausbildung ersetzen können.
Daher schreibt die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz in Zusam-menarbeit mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales einen Preis zur Förderung tierversuchsfreier universitärer oder beruflicher Ausbildung aus. Das Preisgeld beträgt 10.000 EURO

Bewerbungen in Berlin ansässiger universitärer und beruflicher Ausbildungsstätten, Institute, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Förderpreis sind zu folgenden Themenbereichen möglich:

I. Geplante oder laufende Forschungsvorhaben zur Entwicklung / Validierung von Methoden, durch die in der Lehre oder Ausbildung
• Tierversuche ersetzt (“Replacement”),
• die Zahl der Versuchstiere reduziert (“Reduction”) und / oder
• Leiden und die Schmerzen von Versuchstieren vermindert (“Refinement”) werden können.

Die Bewerbungen sollen eine ausführliche Beschreibung der neu zu entwickelnden / entwi-ckelten Methode und ihrer Eignung bzw. konkrete Ausführungen zur methodischen Fortentwicklung und Anwendung bestehender Ansätze enthalten. Bereits abgeschlossene Arbeiten sollen neueren Datums und veröffentlicht (nicht länger als 12 Monate zurückliegend) oder zur Veröffentlichung geeignet sein.

II. Projekte, in denen Tierversuche in Lehre und Ausbildung in den kommenden 2 Jahren nachweislich durch Alternativmethoden ersetzt werden sollen. Hierzu zählen auch Projekte, die bereits bestehende Ansätze an anderen Einrichtungen aufgreifen. Es ist detailliert darzulegen, welche konkreten Tierversuche mit welchen Methoden ersetzt bzw. im Sinne der 3 R bzgl. möglicher Belastungen für die Tiere eingeschränkt werden sollen. Die Alternativmethoden sind genau zu beschreiben. Dabei sind die konkreten Auswirkungen auf den Ersatz oder die Reduzierung der Anzahl verwendeter Tiere sowie die mit der Ein-führung der Methoden verbundenen Kosten zu beschreiben.

III. Projekt zur Konzipierung und Einführung einer Ringvorlesung zum Thema „Alternativen zu Tiersuchen in Forschung, Ausbildung und Lehre“ im Sommersemester 2016. Der Schwerpunkt der Vorlesungen sollte insbesondere auf die Vorstellung der weltweit bereits etablierten erfolgreichsten Alternativmethoden gerichtet sein. Dazu sollten die auf diesem Gebiet international führenden Dozenten gewonnen werden.

Alle Bewerbungen sind mit einer kurzen Zusammenfassung und eine Begründung zur Bewerbung abzugeben, aus der die Bedeutung für den Tierschutz in Sinne der 3 R hervorgeht. Darüber hinaus ist eine kurze Vita des oder der Hauptautoren und falls vorhanden eine Publikationsliste beizufügen. Bereits mit einem Forschungs- oder Tierschutzpreis ausgezeichnete Arbeiten sind kenntlich zu machen.

Die Bewerbungen sind bis zum 31. August 2015 in achtfacher Ausfertigung (einschließlich der Anlagen) einzureichen an das
Landesamt für Gesundheit und Soziales
Fachgruppe I C 1
Turmstr. 21
10559 Berlin per email an: foerderpreis@lageso.berlin.de

Später eingehende Bewerbungen werden nicht berücksichtigt. Poster und Zusammenfas-sungen werden nicht akzeptiert Bewerbungen aus anderen Bundesländern sind ausgeschlossen.
Der Preis kann ganz oder geteilt vergeben werden. Gehen keine geeigneten Beiträge ein, wird die Vergabe ausgesetzt.

Die Preisvergabe durch den Senator für Justiz und Verbraucherschutz erfolgt auf Vorschlag einer unabhängigen Fachjury.
Ausgeschlossen von der Teilnahme sind Angehörige der Jury und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Anspruch auf Preisverleihung besteht nicht.