Risiken von Cannabis werden häufig unterschätzt

Pressemitteilung vom 03.11.2016

Eltern, Lehrer und Erzieher unterschätzen die Risiken des Cannabiskonsums. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales.

Nur 37 Prozent der befragten Eltern geben an, dass sie sich Sorgen machen würden, wenn ihre Kinder kiffen. Auch bei den Menschen mit beruflicher Erziehungsverantwortung liegt dieser Wert bei lediglich 34 Prozent. Aber 62 Prozent der Eltern und 52 Prozent der Lehrer und Erzieher wissen nicht, dass Cannabiskonsum die emotionale Entwicklung Jugendlicher und junger Erwachsener negativ beeinflussen kann, obwohl dies unter Fachleuten heute als erwiesen gilt. Auch der Einfluss von Cannabis auf das Lernverhalten von Heranwachsenden wird häufig unterschätzt. Rund die Hälfte der befragten Eltern (51 Prozent), Lehrer und Erzieher (50 Prozent) weiß nicht, dass der Konsum von Cannabis negativen Einfluss auf die kognitive Entwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben kann. Ganz ähnlich sieht es bei der Suchtgefahr von Cannabis aus. So glauben 46 Prozent der Eltern nicht, dass der regelmäßige Konsum von Cannabis abhängig machen kann. Auch bei Menschen mit beruflicher Erziehungsverantwortung hält mehr als jeder Dritte (37 Prozent) das Suchtpotenzial von Cannabis für Jugendliche für eher gering. „Es ist wichtig, die gesundheitlichen und sozialen Risiken des Cannabiskonsums zu kennen, um die Risiken für Jugendliche richtig einschätzen zu können. Nur dann kann ich beurteilen, ob mein Kind gefährdet ist oder nicht“, sagt die Berliner Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara.

Speziell vor dem Hintergrund der aktuell in Deutschland und auch international geführten Legalisierungsdebatte zum Thema Cannabis sowie der Nutzung der Substanz zu medizinischen Zwecken entsteht in der Öffentlichkeit häufig der Eindruck, dass es sich bei Cannabis um eine harmlose Droge handelt. Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern umfassend informiert werden, um eine angemessene Haltung zum Cannabiskonsum entwickeln zu können.

Aufklärung tut also Not. Das wiederum sieht auch die Mehrheit der Eltern so. 74 Prozent der Berliner Eltern finden, dass Lehrer zum Umgang von Jugendlichen mit Cannabis mehr sensibilisiert werden sollten. 76 Prozent denken außerdem, dass Prävention wesentlich früher greifen sollte. Allerdings sind auch die Eltern selbst gefordert, die Diskussion und möglicherweise auch die Auseinandersetzung mit ihren pubertierenden Kindern nicht zu scheuen.

„Zu breit“-Lounges bieten Hilfe und klären auf
Genau hier setzt die Aufklärungskampagne der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit ihren „Zu breit?“-Info-Lounges an. Die Info-Lounges sind ideale Plattformen für Eltern, Lehrer, Erzieher und alle anderen Erwachsenen, die sich umfassend über die Risiken des Cannabiskonsums bei Jugendlichen informieren möchten. Diese Veranstaltungen führt der Suchthilfe-Träger Tannenhof Berlin-Brandenburg e.V. durch. Er bietet neben Vorträgen auch interaktive Workshops an, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Fragen stellen können. Bei Bedarf können vor Ort auch individuelle Beratungstermine mit den Expertinnen und Experten des Tannenhofs vereinbart werden.

Die nächste Info-Lounge findet am 3. November ab 18 Uhr in der Kiezspinne e.V. in Lichtenberg statt.

Hier noch einmal alle Termine der „Zu breit?-Lounges auf einen Blick:

03.11. Kiezspinne e.V. | Saal Seerose, Schulze-Boysen-Str. 38, 10365 Lichtenberg
10.11. Albert Schweitzer Gymnasium | Karl-Marx-Str. 14, 12043 Neukölln
17.11. John Lennon Gymnasium | Zehdenicker Str. 17, 10119 Mitte
01.12. Werner von Siemens Gymnasium | Beskidenstr. 1, 14129 Zehlendorf
15.12. Paul Löbe Schule | Lindauer Allee 23-25, 13407 Reinickendorf

Die Info-Lounges finden jeweils zwischen 18 und 21 Uhr statt. Es sind offene Veranstaltungen, d. h. Interessierte können jederzeit vorbei schauen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Über die Umfrage:
Die repräsentative Befragung wurde im September 2016 vom Marktforschungsinstitut promio.net durchgeführt. 1.069 Berliner und Berlinerinnen haben sich beteiligt, davon sind 53 Prozent Eltern und weitere 12 Prozent haben beruflich mit Kindern zu tun.