Gesundheitssenator Czaja: Bereits 158 Arztpraxen in schlechter versorgte Bezirke verlegt - ambulante Ärzteversorgung deutlich verbessert

Pressemitteilung vom 13.07.2016

Die Trendwende ist geschafft. Die regionalen Unterschiede in der Verteilung niedergelassener Ärzte wurden erfolgreich angegangen. Die flächendeckende wohnortnahe ambulante ärztliche Versorgung für alle Berliner Bürgerinnen und Bürger ist gerechter geworden. 158 Arztpraxen sind im Zeitraum von Juli 2013 bis Juli 2015 in Bezirke verlegt worden, die im Berlinvergleich unterdurchschnittlich versorgt sind. In den Jahren 2003-2013 gab es eine negative Entwicklung, die damit umgedreht werden konnte. Berlin hat unter der Federführung von Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja als erstes Bundesland überhaupt die auf Landesebene erweiterten Mitwirkungsmöglichkeiten bei der Steuerung der Ärzteversorgung voll ausgeschöpft. Das 2012 in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz eröffnete diese neuen Möglichkeiten. Daraufhin wurde in Berlin das gemeinsame Landesgremium nach § 90a SGB V ins Leben gerufen.

Gesundheitssenator Mario Czaja erläutert: „Nach nunmehr fast drei Jahren Laufzeit zeigt die Steuerung der Ärzteversorgung im gemeinsamen Landesgremium deutliche Wirkung: Seit 2013 sind 85,9 % aller überbezirklichen Verlegungen von Arztpraxen „bergab“ erfolgt, also von einem besser versorgten in einen weniger gut versorgten Bezirk. Wir haben Tempo gemacht und das zeigt Wirkung. Dank der Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin sowie den Krankenkassen und Ersatzkassen konnte die wohnortnahe Ärzteversorgung innerhalb Berlins gerechter werden. Viele Berlinerinnen und Berliner profitieren von kürzeren Wegen in eine Praxis. Darüber hinaus haben wir eine so genannte Dreier-Regel verabredet. Falls ein Bezirk in einer entsprechenden Arztgruppe eine zu geringe Ärztedichte aufweist, ist im Sinne der kleinräumigeren Versorgungssteuerung ein Nachbesetzungsverfahren unter Maßgabe einer Verlegung in einen der drei zu diesem Zeitpunkt rechnerisch am geringsten versorgten Bezirke anzustreben. Ich freue mich, dass wir durch intensive gemeinsame Arbeit im Landesgremium diese Ergebnisse erreichen konnten.“

So wurden beispielsweise aus Charlottenburg-Wilmersdorf, einem der am besten versorgten Bezirke, 19,5 Psychotherapeuten in andere, schlechter versorgte Bezirke verlagert. Dies entspricht einem Rückgang um rund 4 %. Neukölln konnte hingegen im selben Zeitraum sechs Psychotherapeuten hinzu gewinnen. Dieser Zuzug nach Neukölln bringt dem Bezirk eine prozentuale Änderung der Zahl von Psychotherapeuten-Praxen um 7 %.

Zudem konnte erreicht werden, dass in Zukunft alle Regelungen des Letter of Intent nicht nur bei Anträgen zu Praxisverlagerungen greifen, sondern auch bei Nach- und Neubesetzungsverfahren direkt zum Einsatz kommen. Regelmäßige Bestandsaufnahmen und Evaluation stellen dabei auch in Zukunft sicher, dass alle verfügbaren Maßnahmen für eine gleichmäßigere, möglichst flächendeckend wohnortnahe ambulante Versorgung in Berlin berücksichtigt werden.

Aber auch in der sektorenübergreifenden Versorgung ist es dem gemeinsamen Landesgremium unter Vorsitz Senator Czaja gelungen, Verbesserungen einzuleiten.

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen und die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter dar. Ca. 13.000 Menschen erleiden jährlich in Berlin einen Schlaganfall. Der demographische Wandel lässt eine weitere Zunahme der Schlaganfälle insbesondere in den höheren Altersgruppen erwarten. Im Bereich der Akutversorgung ist es nun gelungen abgestimmte Dokumentation und Übergabeprotokolle zu etablieren sowie eine strukturierte Ersteinschätzung in allen Notaufnahmen einzuführen. Auch hat man sich auf verbindlich standardisierte Vorgehensweisen und Qualitätskriterien sowie die Eintragung der Fälle ins Schlaganfallregister verständigt. Der Übergänge zwischen Akutversorgung und Rehabilitation wird nun durch eine praxisnahe und alltagstaugliche sozialmedizinische Empfehlung für die Überleitung von Patienten mit Schlaganfallerkrankung erleichtert, welche als Handreichung in Akutkliniken, stationären, ambulanten und mobilen Rehabilitationseinrichtungen sowie bei den Kostenträgern und deren medizinischen Diensten eingesetzt werden wird und einer halbjährlichen Evaluation und Ergebnissicherung unterliegen soll.

Senator Mario Czaja: „Auch die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Patientenpfade und Modelle für ein Schnittstellenmanagement am Beispiel Schlaganfallversorgung“ bedeuten eine Verbesserung der Versorgung. Je kürzer die Zeitspanne von Alarmierung bis zum Therapiebeginn bei einem Schlaganfall desto größer die Chancen auf Genesung. Auch sollen Rehabilitationsmaßnahmen zeitiger begonnen und konsequenter fortgeführt werden. Hier liegt noch viel Potenzial, das am Ende für jeden einzelnen Betroffenen einen riesigen Schritt zurück ins Leben bedeuten kann.“