Maßnahmenkatalog

Der Runde Tisch gegen Lebensmittelverschwendung hat folgende Erklärung beschlossen:
Berlin rettet Lebensmittel

Präambel

Der Runde Tisch gegen Lebensmittelverschwendung in Berlin hat in konstruktiven Gesprächen ein erstes Maßnahmenpaket beschlossen, um die
Verschwendung von genießbaren Lebensmitteln noch weiter einzudämmen. Übereinstimmend verfolgen wir in Berlin gemeinsam das Ziel, bis 2030 die Lebensmittelabfälle zu halbieren. Dazu wollen wir die Lebensmittelüberschüsse auf Einzelhandelsebene sowie auf Verbraucherebene pro Kopf und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Lebensmittelverluste einschließlich Nachernteverluste verringern. Mit unseren Berliner Maßnahmen ergänzen wir auf der Landesebene die Nationale Strategie gegen Lebensmittelverschwendung in Deutschland und damit zusammenhängende Aktivitäten beispielsweise aus dem Pakt gegen Lebensmittelverschwendung oder der Kompetenzstelle Außer-Haus-Verpflegung.

Die Teilnehmenden des Runden Tisches erklären sich mit der Unterzeichnung dieser Erklärung bereit, die folgenden Maßnahmen mit denen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in vertretbarem Umfang zu unterstützen und umzusetzen. Sie verpflichten sich darüber hinaus dazu, in ihrem Wirkungsbereich die Ziele des Runden Tisches gegen Lebensmittelverschwendung zu repräsentieren und aktiv für eine Teilnahme an dem Zusammenschluss zu werben. Unser Ziel ist es, die Kooperation zwischen Handel und lebensmittelrettenden Organisationen wie der Berliner Tafel und der Foodsharing-Bewegung auf eine neue Basis der Zusammenarbeit zu heben. Dazu wollen alle Beteiligten zusätzliche Potenziale zur Lebensmittelrettung identifizieren. Außerdem setzen sich die Teilnehmenden des Runden Tisches und insbesondere die zuständige Senatsverwaltung dafür ein, anderen Sektoren und Branchen der Wirtschaft zu mehr Engagement bei der Eindämmung von Lebensmittelüberschüssen zu bewegen.

Folgende konkrete Maßnahmen sollen in Berlin zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen umgesetzt werden:

  • Kampagne für mehr Lebensmittelwertschätzung: Zur bundesweiten Aktionswoche im Herbst 2025 findet erstmals auch in Berlin eine konzertierte Aktion zur Lebensmittelwertschätzung und –rettung statt. An einem gemeinsamen Aktionstag verpflichten sich die Partner des Runden Tisches sowie verschiedene Initiativen der Berliner Ernährungsstrategie dazu, mit konkreten Projekten und Aktionen gebündelt auf das Thema Lebensmittelwertschätzung aufmerksam zu machen.
  • Der Berliner Lebensmittelhandel erklärt sich in Anlehnung an die bundesweite Vereinbarung zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen bereit, die Weitergabe von noch verzehrfähigen Lebensmitteln durch auf Dauer angelegte Kooperationen vorrangig mit sozialen bzw. zu gemeinnützigen Zwecken tätigen Einrichtungen oder Organisationen wie z.B. den Tafeln weiter auszubauen, um nicht mehr marktgängige bzw. überschüssige Lebensmittel für den menschlichen Verzehr nutzbar zu machen oder einer möglichst hochwertigen Verwendung bzw. Verwertung zuzuführen.
  • Die Auszubildenden und verantwortlichen Mitarbeitenden des Lebensmittelhandels in Berlin sollen für das Thema Lebensmittelüberschüsse weiter sensibilisiert werden, um die größtmögliche Menge an verzehrfähigen Lebensmitteln durch rechtzeitigen Verkauf oder die Weitergabe dem menschlichen Verzehr zuzuführen.
  • Als sichtbares Symbol der Kampagne für mehr Lebensmittelwertschätzung werden an verschiedenen Orten in der Stadt Berliner Kiez-Kühlschränke aufgestellt, in denen gemeinsam mit Foodsharing gerettete Lebensmittel weitergegeben werden können. Die „Kiez-Boxen“ transportieren gleichzeitig die Botschaften der Kampagne.
  • Durch den Runden Tisch wird eine Fach-Arbeitsgruppe zwischen der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht der Bezirke und lebensmittelrettenden Organisationen wie Foodsharing ins Leben gerufen, die die geltenden Mindestanforderungen für Foodsharing und Fairteiler-Betreiber in Berlin überprüft und ggf. auf einen aktuellen Stand anpasst.
  • Mit zusätzlichen Event-Tagen wird an verschiedenen Oberstufenzentren auf das Thema Eindämmung der Verschwendung aufmerksam gemacht. Die Partner des Runden Tisches organisieren und ermöglichen die Erstellung von entsprechenden Filmen für soziale Medien durch die Teilnehmenden. Inhaltlich klären die Partner die Umsetzung der Event-Tage gegenseitig ab.
    • Die Berliner Tafel bietet Volontier-Tage in ihrem Logistikzentrum an.
  • Die Partner des Runden Tisches verpflichten sich zu einer Unterstützung von Bildungsmaßnahmen zur Lebensmittelwertschätzung für Kinder und Jugendliche.
    • Der Fruchthof Berlin wird in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern im Rahmen seines privaten Schulobst-Programms solche Bildungsprojekte in Schulen fördern und unterstützen.
    • diemarktplaner führen gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz Bildungsmaßnahmen auf Wochenmärkten idealerweise im Rahmen von Kochaktionen durch, um auch in den direkten Austausch mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu diesem Thema zu gelangen.
    • Die Berliner Tafel regt an, dass sich das Land Berlin für einen speziellen
      Mitmachtag beim Thema Lebensmittelwertschätzung für Kinder und Jugendliche unter Beteiligung möglichst vieler bereits Aktiven einsetzt. Der Handel unterstützt die Bildungsmaßnahmen wie Kochaktionen und Workshops zur Lebensmittelrettung in Familien- und Stadtteilzentren.
  • Das Land Berlin wird sich auf der Bundesebene für eine rechtlich sichere Vereinfachung von Lebensmittelabgaben einsetzen. Dazu gehören insbesondere die Erleichterung von Dokumentationspflichten für den abgebenden Lebensmittelunternehmer, die vereinfachte Abgabe an karitative Lebensmittelunternehmer im Sinne von Haftungsfragen, Meldepflichten und steuerlichen Auswirkungen in Anlehnung an der im Rechtsgutachten „Identifikation, Bewertung sowie Handlungsempfehlungen zu rechtlichen Hemmnissen bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen und Weitergabe von Lebensmittelspenden“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft dargestellten Lösungsvorschläge. Dazu wird ein entsprechender Antrag etwa bei der Verbraucherschutzministerkonferenz eingebracht, wo Berlin im Jahr 2025 den Vorsitz hat.
  • Die Senatsverwaltung prüft die Erweiterung des Leitfadens für abfallarme Großveranstaltungen in Hinblick auf eine Empfehlung, nicht verkaufte und noch genießbare Lebensmittel zu spenden.
  • Die Arbeit des Runden Tisches gegen Lebensmittelverschwendung wird in Zukunft verstetigt und fortgeführt, dazu werden neue Teilnehmende aus weiteren relevanten Sektoren wie der Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung eingeladen.