Demnach lief der Verdächtige in der Nähe des Tatortes am Linden Center in Hohenschönhausen entlang, war etwa 1,75 Meter groß und schlank. Auf dem Kopf soll er eine schwarze Wollmütze getragen haben. Wohin er lief, ist aber unklar. Der Zeuge habe ihn aus den Augen verloren, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf.
Am Sonntagmorgen war der 47 Jahre alte Chef der Berliner Hells Angels Nomads in der Zingster Straße mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden. Seitdem liegt der lebensgefährlich Verletzte im Virchow-Klinikum im Stadtteil Wedding. Das Opfer soll ein enger Vertrauter von Hells-Angels-Frontmann Frank Hanebuth aus Hannover sein.
Neuendorf zufolge unterstützt eine Hundertschaft der Bundespolizei die Berliner Ermittler bis auf weiteres. Es gebe verstärkte Kontrollen bei den verfeindeten Rockergruppen Hells Angels und Bandidos in der gesamten Stadt, auch Vereinsheime seien im besonderen Blick. Ende Mai waren die mächtigen Hells Angels Berlin City verboten worden. Sie hatten sich aber aufgelöst, weil sie zuvor von der Verfügung erfuhren. Der Verräter wird bei Sicherheitskräften vermutet. Nach dem Maulwurf wird zwar gesucht, doch er ist bislang unentdeckt.
«Aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Rockermilieu befürchten wir, dass es zu einer ganzen Serie erheblicher Straftaten kommt. Das gab es in dieser Form vorher noch nicht», sagte der Leiter der neu gegründeten Task Force Rocker bei der Staatsanwaltschaft, Jörg Raupach, der «Berliner Morgenpost».
Der verletzte 47-Jährige war auch am Donnerstag noch nicht vernehmungsfähig. Dass sich der als einflussreich geltende Hells Angel überhaupt gegenüber Ermittlern äußert, gilt als unwahrscheinlich. Die Polizei schätzt den angeschossenen Rocker nach wie vor als gefährdet ein. Befürchtet wird, dass der flüchtige Täter erneut auf den Rocker schießen könnte. Das Krankenzimmer des 47-Jährigen werde weiter bewacht.
Vor dem Virchow-Klinikum hatten sich auch am Donnerstag etwa zehn Rocker postiert, um ihren Chef zu bewachen. Auch Einsatzkräfte der Polizei beobachteten die Umgebung.
Nach mehreren Schlägen der Polizei gegen die Rockerszene hatte ein Unbekannter in der Nacht zum Sonntag mehrfach auf den Boss der Hells Angels Nomads geschossen. Das Opfer war schon 2009 bei einer Attacke der verfeindeten Bandidos schwer verletzt worden. Auch damals hatte der Mann geschwiegen.
Nach Verboten und Übertritten von Bandidos zu den Hells Angels und Clubauflösungen ist die Rockerszene in Aufruhr. Die Rivalitäten hätten zugenommen, so die Polizei. Sie geht in der Hauptstadt von etwa 300 Hells Angels sowie etwa 500 Bandidos aus. An diesem Freitag wird sich damit der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses in einer Sondersitzung beschäftigen.

