Was bleibt von einem Ort, wenn seine Vergangenheit zur einzigen Zukunft wird? Aus Stimmen, Erinnerungen und Geschichten entsteht eine kollektive “weiche Schicht” über ein historisches Gebäude – eine poetische Performance über Wahrnehmung, Gemeinschaft und das Zusammenspiel von Raum und Zeit.Diese Performance ist eine Fortsetzung von “The Soft Layer” (Tunis), einer ortsspezifischen Arbeit, die von 2017 bis 2019 im historischen Gebäude Dar Bairam Turki in Tunis im Rahmen von “Dream City” stattfand. Über mehrere Jahre hinweg sammelte der Künstler und Bühnenbildner Jozef Wouters Erinnerungen, Geschichten und Ideen von Menschen vor Ort, die um das Gebäude und seine Umgebung leben und arbeiten. Im Innenhof bildete sich eine Gruppe aus jungen Architekt*innen, Nachbar*innen, Schauspieler*innen und einem Science-Fiction-Autor. Gemeinsam nahmen sie sich die Renovierung des wunderschönen osmanischen Palasts aus dem 17. Jahrhundert vor. Eine Renovierung der anderen Art, bei der nichts entfernt, sondern eine Schicht hinzugefügt wird – eine weiche und temporäre Schicht aus kollektiven Erinnerungen, Geschichten und Meinungen über das Gebäude. Teil des Werks war ein Text, der das Gebäude in eine Partitur verwandelte, die bei Sonnenuntergang als Akt der Fürsorge und als kollektive Meditation über ein Gebäude gelesen wurde. Wenn die Vergangenheit die einzig vorstellbare Zukunft ist, wo befinden wir uns dann jetzt?Zwei Jahre später, nach Einladungen nach Palermo, Brüssel, Gent und Ostende, inszeniert Jozef Wouters den Text von “The Soft Layer” weiterhin in verschiedenen Innenhöfen in unterschiedlichen Städten Europas neu. Diesmal in Berlin, im Hof des HAU3: vier lokale Schauspieler*innen kommen zusammen und erzählen anhand der in Tunis entstandenen Partitur die Geschichte des Gebäudes und deren Renovierung nach. Dabei gehen sie der Frage nach an wieviel sich Räume, Mauern und Gebäude erinnern – und welche Geschichten sie erzählen können.Jozef Wouters über die Entstehungsgeschichte des Projekts:“Auf Einladung von Dream City – der Biennale für zeitgenössische Kunst in Tunis – bezog ich das historische Gebäude Dar Bairam Turki und befragte die Bewohner*innen der Medina, welche Visionen sie für diesen Ort hätten. In einem Punkt schienen sich fast alle einig zu sein: Die Zukunft der Medina und von Dar Bairam Turki ist eine restaurierte Version ihrer selbst. Doch welche Version der Vergangenheit sollten wir als neue Zukunft wählen und wie treffen wir diese Wahl? Wenn die einzige vorstellbare Zukunft die Vergangenheit ist, wo befinden wir uns dann jetzt?Gemeinsam mit Vladimir Miller sammelte ich diese widersprüchlichen Ideen rund um die Restaurierung in einem Prozess, der diesem Gebäude Schichten hinzufügte, anstatt sie abzutragen. Gemeinsam mit den tunesischen Künstler*innen Amira Chebli, Hichem Chebli und Fatma Ben Saïdane führten wir diese vergängliche „Soft Layer“-Performance durch, um vorübergehend die kollektiven Geschichten, Vorstellungen und Visionen wiederherzustellen, die das nostalgische Terrain der Architektur ausmachen. Indem wir dem Innenhof von Dar Bairam Turki Schichten, Geschichten, Kopien und Visionen hinzufügten, fragten wir uns, wie viele Versionen seiner selbst ein Gebäude fassen kann, bevor es einstürzt.“
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