Aktuelle Sprache: Deutsch

Whatever Shape Your Heart Is In

Begleitveranstaltungen

Eine Kooperation vom Verein der Freunde des Rohkunstbau e.V.
mit dem ZAK - Zentrum für Aktuelle Kunst.

 

FÜHRUNGEN mit dem Kurator Christoph Tannert:

Sa. 14.03. um 14:30 Uhr

Sa. 21.03. um 14:30 Uhr

Sa. 18.04. um 14:30 Uhr

 

Do. 19.03. um 18 Uhr

- Vortrag und Gespräch mit Sebastian Voigt - Woher kommt der Antisemitismus?
Judenhass hat Konjunktur und trifft auf rechte und rechtsextremistische Einstellungen, die auch in Deutschland an Einfluss gewinnen und in ihren Argumentationen und Verschwörungsideologien antisemitische Klischees teils verdeckt, teils offen verwenden. Sebastian Voigt geht der langen Geschichte des Judenhasses auf dem Grund. Er zeigt, in welcher Tradition sich Rechtspopulisten bewegen, wenn sie etwa das Engagement des amerikanisch-ungarischen Multimilliardärs George Soros, dessen Stiftung weltweit demokratische Initiativen fördert, als Teil einer jüdischen Weltverschwörung denunzieren. Doch er macht auch in linken sogenannten postkolonialen Kreisen Spuren von Antisemitismus kenntlich. Voigt spürt den Ursprüngen des Judenhasses nach, wie er vor 2500 Jahren entstand, wie es dazu kam, dass Juden im Mittelalter vom gesellschaftlichen Leben weitgehend ausgeschlossen waren, wie sich der Antisemitismus des Bürgertums bis in die Mitte der Gesellschaft ausbreitete und wie dieser Hass schließlich nach Auschwitz führte.

Sebastian Voigt ist Historiker und arbeitet am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und unterrichtet an der Universität der Bundeswehr in München und an der Ruhr-Universität Bochum. Als Antisemitismusexperte schreibt er für taz, Tagesspiegel und die Jerusalem Post.

 

Mi. 15.04. um 18 Uhr

- Lesung mit Ines Geipel - Landschaft ohne Zeugen.
Buchenwald und der Riss der Erinnerung.
Vom Staatsmythos Buchenwald zum Angriff auf die Demokratie: Auch 80 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald ist die Erinnerung an den Holocaust nicht in der demokratischen Mitte ange-kommen. Die Angriffe auf das, was im Land Gedächtniskultur heißt, kommen nicht mehr nur von rechts. Warum? Was ist da los? Ines Geipel taucht in ihrem neuen Buch „Landschaft ohne Zeugen“ noch einmal in die Vergangenheit ein, sucht nach den Quellen der Lagerwelt und befragt die Legenden nach 1945: von der vorbildlichen Aufarbeitung im Westen bis zum antifaschistischen Staatsmythos der DDR. Ein hochaktuelles Buch über die alte und neue Unfähigkeit zu trauern und die Erinnerungskälte nach zwei Diktaturen.

Ines Geipel ist Schriftstellerin, Publizistin und war bis 2025 Professorin für Deutsche Verskunst an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Sie forscht und publiziert seit Jahren über die Gewaltgeschichte zweier deutscher Diktaturen. Ihr Buch ist für den Deutschen Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert.

 

Sa. 25.04. um 16 Uhr

- Vortrag und Gespräch mit Meron Mendel - Nie wieder ist jetzt! 
Wie viel Geschichte und wie viel Gegenwart steckt in den Erinnerungskämpfen?
Die deutsche Erinnerungskultur in Deutschland gilt weltweit als vorbildlich. Doch was genau bedeutet das Erinnern an den Holocaust in einer postmigrantischen Gesellschaft vor dem Hintergrund anwachsender rechtsradikaler Milieus? Meron Mendel ist Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Migrationsgesellschaft, Erinnerungskultur und Identitätspolitik sind Themen, die im Zentrum seiner Arbeit stehen. Mendel, geboren in der Nähe von Tel Aviv, hat sich immer wieder kritisch mit der Politik des Staates Israel auseinandergesetzt.

Er gilt als streitbarer Intellektueller, der sich in aktuellen politischen Auseinandersetzungen klar positioniert. Zugleich setzt er sich konstant für einen konstruktiven Dialog zwischen den Kulturen ein. Mit Saba-Nur Cheema veröffentlichte er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seit 2021 die Kolumne „Muslimisch-jüdisches Abendbrot“. Die Kolumnen sind 2024 mit dem Untertitel „Das Miteinander in Zeiten der Polarisierung“ im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.

 

Di. 28.04. um 18 Uhr

- Lesung mit Ece Temelkuran  - Unsere Heimat sind wir. 
Ece Temelkuran liest aus ihrem neuesten Buch "Nation of Strangers"
Was bedeutet es für einen Menschen, seine Heimat zu verlieren? Was heißt es, im Exil leben zu müssen? Zehn Jahre ist es her, dass Ece Temulkuran ihre Heimat, die Türkei, zurückgelassen hat. 1973 in Izmir geboren, Juristin, Schriftstellerin, Journalistin und Regimekritikerin - ihre Stimme international gehört, ihre Texte preisgekrönt. Doch die Türkei ist für sie verloren. Während des Putsches 2016 flüchtet sie ins Exil. Erst Zagreb, dann Hamburg, heute lebt sie in Berlin

Ece Temelkuran wehrt sich dagegen, wie sie als Exilantin gesehen wird. Sie möchte nicht länger die verfolgte, intellektuelle Unschuld sein, die vor dem Faschismus in ihrer Heimat geflohen ist. Denn unsere Welt ist so sehr im Wandel, voller Verwerfungen und Krisen, dass wir alle fremdeln und uns entfremden. Temelkuran glaubt, dass es gerade dieses Gefühl ist, das uns zukünftig verbinden kann. Für sie sind wir eine "Nation of Strangers" - eine "Nation der Fremden".

Die Lesung findet auf Deutsch statt, die Diskussion mit Ece Temelkuran auf Englisch.

 

Do. 30.04. um 18 Uhr

- Vortrag und Gespräch Luca Di Blasi
- Die Politik der Schuld. Über deutsche Identitätspolitik
Der Terrorangriff der Hamas und der darauffolgende Vergeltungskrieg der israelischen Armee hat die moralischen Koordinaten der deutschen Erinnerungspolitik durcheinandergewirbelt. Der deutsch-italienischen Philosoph Luca Di Blasi unterzieht die lange Zeit als vorbildlich erachtete deutsche Erinnerungskultur einer fundamentalen Kritik. Ihm zufolge konnte eine nach 1945 diskreditierte und unhaltbar gewordene Volksgemeinschaft im Namen der Schuld als „Tätervolksgemeinschaft“ überwintern. Denn in der Rede von der „deutschen Schuld“ waren nicht nur die Weichen für eine progressive, für kollektive Opfer von Diskriminierung und Verfolgung attraktive Identitätspolitik gestellt. Auch eine Alternative für ehemalige Komplizen und Mitwisser auf Täterseite schien auf: die Bewahrung einer kollektiven Identität im Namen der anerkannten Schuld. Diese „negative Identitätspolitik“ wurde im Nachkriegsdeutschland wirksam.

Anknüpfend an unterschiedliche Formen des Umgangs mit kollektiver Schuld in Judentum und Christentum zeigt Di Blasi, wie Schuldanerkennung nach 1945 zu einer neuartigen Form nationaler Identitätspolitik avancierte, – und wie wir ihre Krise überwinden können.

Luca Di Blasi ist Professor für Philosophie an der Theologischen Fakultät der Universität Bern.

 

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei.
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