Tränen des Himmels, Tränen des Abwassers

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Tränen des Himmels, Tränen des Abwassers

Gästezimmer

Xadalu Tupã Jekupé

Xadalu Tupã Jekupé

Wie entstehen neue Perspektiven auf die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst? Welche Fragen, Herausforderungen und Erkenntnisse begleiten die vielschichtige Forschung im Zusammenhang mit den cultural belongings und künstlerischen Arbeiten? Welche persönlichen Geschichten verbergen sich hinter den wissenschaftlichen Ansätzen und welche neuen Horizonte und gesellschaftlichen Fragestellungen eröffnen zeitgenössische, künstlerische Blickwinkel auf Museumsforschung?

Das Veranstaltungsformat Gästezimmer macht Stimmen internationaler Fellows und Partner*innen aus dem Projekt CoMuse – Das Kollaborative Museum hörbar und bietet einen offenen Raum für den Austausch zwischen Museumsteams, Forschungspartner*innen und Publikum. In regelmäßigen Gesprächen gewähren Wissenschaftler*innen, Kurator*innen, Vermittler*innen, Künstler*innen und Kooperationspartner*innen Einblicke in aktuelle Projekte und die vielschichtige Arbeit hinter den Kulissen. Im Dialog präsentieren sie Zwischen- und Forschungsergebnisse und diskutieren gemeinsam mit den Besuchenden, welche Wege kollaborative Forschung einschlagen kann.

Dabei rückt Gästezimmer die Bedeutung von Zusammenarbeit, Wissensteilung und Vermittlung in den Fokus: In Teams werden neue Kontexte erschlossen, Kolonialgeschichte und Unrechtskontexte kritisch hinterfragt, Sammlungspraktiken und Zugänge reflektiert und Museumspraktiken partizipativ weiterentwickelt. Besonders relevant ist dabei, den Perspektiven und Forderungen der Gemeinschaften Gehör zu verschaffen, die mit den cultural belongings verbunden sind.

Ob archivalische Entdeckungen, Provenienzforschung, künstlerische Interventionen oder digitale Methoden – jedes Gästezimmer bietet neue Einblicke und Perspektiven auf das, was Forschung heute ausmacht.

Die Veranstaltungsreihe ist offen für alle Interessierten und lädt zur aktiven Teilnahme ein. Gästezimmer ist ein Forum, in dem Fragen willkommen sind und sich Perspektiven ändern dürfen. Seien Sie unser Gast!

Das Gästezimmer ist eine Zusammenarbeit mit CoMuse – Das Kollaborative Museum, einer Initiative des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst.

Im Gästezimmer unterhalten sich Xadalu Tupã Jekupé und Andrea Scholz über den Fluss Ybiracy. Sie reflektieren dabei über das Spannungsfeld zwischen Indigenen Kosmotechnologien (Praktiken der Welterfahrung, der Aneignung und Bewahrung) und westlichen Perspektiven auf Eigentum und Erbe.

Einstmals durchquerte der Ybiracy die südbrasilianische Stadt Porto Alegre; die Menschen nutzten auf vielfältige Weise sein Wasser und die Wege, die an seinem Ufer entlangführten. Mit dem Wachstum der Stadt wurde der Fluss immer mehr von der Stadt verdrängt und im Zuge der Errichtung eines Shoppingcenters schließlich unter die Erde verlegt. Während das Gewässer so zur Unsichtbarkeit verdammt wurde, errichtete die Stadtverwaltung eine Statue, die einen Frauenkörper abbildet und den Namen Ybiracy trägt. Die Verwandlung einer lebendigen Entität in Kulturerbe ist Teil kapitalistischer Aneignungspraxis in der westlichen Gesellschaft.

Doch Ybiracy lässt sich nicht auslöschen. Wenn der Himmel weint und es regnet, wächst der unterirdische Fluss über seinen Kanal aus Beton hinaus, und die Gewalt der Aneignung tritt als Abwasser ans Tageslicht.

Beteiligte

Xadalu Tupã Jekupé 

Xadalu Tupã Jekupé ist ein Indigener (Guarani) Künstler, geboren in Alegrete (RS) im Süden Brasiliens, einem Gebiet, das historisch von den Guarani Mbyá, Charrua, Minuano, Jaro und Mbone bewohnt wurde. Sein Werdegang ist eng mit dem Erbe und den Spannungen verbunden, die das Missionssystem in Südamerika hinterlassen hat, insbesondere im Kontext der Estancia Yapeyú während der Zeit der jesuitischen Missionen. Er beschäftigt sich mit dem sogenannten missionarischen Barock der Guarani, den er in einem zeitgenössischen Kontext als lebendige Form Indigener Kunst neu interpretiert. Gleichzeitig setzt sich sein Werk mit den Prozessen der Auslöschung auseinander, die aus Katechisierung, Kriegen und kolonialen Aufständen resultieren, und verwandelt sie in visuelle Erzählungen, die Erinnerung, Spiritualität und Widerstand artikulieren. Dabei entwickelt sich seine Praxis als symbolisches Feld der Auseinandersetzung, in dem Mythos und Ritual mit der Gegenwart in Dialog treten, um die Grenzen der Kolonialität in Frage zu stellen.

Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen: „O Jardim Guarani“ (Centro Cultural São Paulo, 2022); „Antes que se apague: territórios flutuantes“ (Fundação Iberê Camargo, Porto Alegre, 2022); „Invasão Colonial Yvy Opata: A terra vai acabar“ (Museu das Culturas Indígenas, São Paulo, 2022); Tekoa Xy: A Terra de Tupã (Instituto Inclusartiz, Rio de Janeiro, 2022); und Portal Sul: Tucum (Centre Intermondes, La Rochelle, Frankreich, 2021).

Er erhielt Auszeichnungen wie den Humanities Award (2014) in Anerkennung seines Engagements für indigene und soziokulturelle Anliegen; den Açorianos Visual Arts Award (2019) in der Kategorie „Nachwuchskünstler“; sowie Nominierungen für den PIPA-Preis (2022 und 2024).

Während seiner Residenz im Kollaborativen Museum/ Humboldt Forum im Juni 2026 bereitet Xadalu Tupã Jekupé eine Bilderserie für die Ausstellung „Zuflüsse. Kosmotechnologien des Wassers“ vor. Sie wird im November 2026 eröffnet, zum Auftakt des zweijährigen Programmschwerpunkts „Mein.Dein.Unser?!“ zu Eigentum und Erbe im Humboldt Forum.

Andrea Scholz

Andrea Scholz ist Kuratorin für transkulturelle Zusammenarbeit im Ethnologischen Museum und Museum für Asiatische Kunst in Berlin. Sie ist ausgebildete Anthropologin mit dem Schwerpunkt Amazonien und arbeitet seit 10 Jahren in verschiedenen Kooperationsprojekten mit Indigenen Gemeinschaften und Bildungsprojekten, hauptsächlich in Lateinamerika.

Xadalu Tupã Jekupé ist im Juni 2026 CoMuse-Fellow am Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst.

CoMuse – Das Kollaborative Museum ist eine Initiative des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, die darauf abzielt, multiperspektivische Ansätze zur sammlungsbasierten Forschung zu entwickeln und neue Formate für kollaborative Prozesse zu erproben, um die Dekolonisierung und Diversifizierung der Museumspraxis nachhaltig zu intensivieren.

Das CoMuse-Fellowship-Programm wird unterstützt vom Künstlerhaus Bethanien, das ein Atelier zur künstlerischen und wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stellt.

- Preis: kostenfrei

- Sprache: Deutsch, Brasilianisches Portugiesisch

- Dauer: 60 Minuten

- Alter: ab 12 Jahren

- Ort: Mechanische Arena im Foyer

- Teil von: Gästezimmer

Alternative Veranstaltungen

Food Tour: Kreuzberg kulinarisch

Bei dieser Tour entdeckst du die wichtigsten Orte und die größten Skandale Kreuzbergs. Sei Teil einer 3-stündigen Führung mit spannenden Insider-Geschichten und mache fünf kulinarische Stopps mit je einer internationalen oder lokalen Köstlichkeit. mehrzu: Food Tour: Kreuzberg kulinarisch

Nächster Termin:
XFood Tour - Kreuzberg kulinarisch
Termin:
Mittwoch, 01. Juli 2026, 15:30 Uhr (184 weitere Termine)
Ort:
vor dem Casino 36, am U-Bahnhof Kottbusser Tor
Adresse:
Reichenberger Straße 174, 10999 Berlin-Kreuzberg
Preis:
ab 59,61 €

Kreuzberg Tour: Kriminell und kuschelig

Auf dieser Stadtführung der besonderen Art werfen Interessierte einen Blick hinter die Fassaden von Kreuzberg, dem internationalen Hotspot für den Berliner Lifestyle. mehrzu: Kreuzberg Tour: Kriminell und kuschelig

Nächster Termin:
Kreuzberg Tour - kriminell & kuschelig
Termin:
Mittwoch, 01. Juli 2026, 19:00 Uhr (183 weitere Termine)
Ort:
U-Bahn-Station Kottbusser Tor. Casino 36
Adresse:
Reichenberger Straße 174, 10999 Berlin-Kreuzberg
Preis:
ab 27,10 €

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