Ausgangspunkt
der Ausstellung ist ein zentrales Paradox: Der
Karneval der Kulturen war seit
seinen Anfängen 1996 ein Ort der Befreiung, in dem die Straße sich in die
größte Bühne der Stadt verwandelt. Körper nehmen Raum ein und dürfen laut sein,
und die Community wird zum Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Gleichzeitig
hat sich der Karneval als Spiegel eines exotisierenden Begehrens etabliert: ein
Fest, in dem sich „Kulturen“ oder schlimmer noch: Nationen präsentieren, und
das eine Idee von Authentizität inszeniert, die nicht mehr ist als das
Spiegelbild dessen, was als fremd und begehrenswert gilt.
Karneval
soll laut und absurd sein: Menschen erobern in Kostüm und Community die
Straßen, um die Ordnung umzukehren, über Macht zu lachen und Übertreibung zum
Prinzip zu machen. Und dennoch wird dieser Umzug in Berlin oft missverstanden
als Selbstdarstellung einer Identität, die eindimensional imaginiert wird, mit
wenig Raum für Humor und Irreverenz. Der Karneval der Kulturen ist eine
ambivalente Veranstaltung, die zwei Projektionslogiken gleichzeitig bedient: Er
ist Raum der Selbstexpression und Raum der Projektion des Anderen. Diese
Ambivalenz, mit all ihren Polen und Widersprüchen, ist das, womit sich die
Ausstellung auseinandersetzt.
13
Künstler*innen unterschiedlicher Generationen und mit unterschiedlichen
Erfahrungen des Karnevals der Kulturen wurden eingeladen ihre künstlerische
Arbeit im und außerhalb des Kontexts des KdK zu präsentieren. Sie wurden als
Einzelpositionen eingeladen, nicht weil sie größere Gruppen repräsentieren. Es
wäre unmöglich, die Tausenden von Künstler*innen abzubilden, die durch den
Karneval gegangen sind. Diese 13 Positionen sprechen in völlig
unterschiedlichen künstlerischen Sprachen und Formaten: Wir erleben eine
Konjunktur von Hochkultur und Populärkultur, des Konzeptuellen und des
Extravaganten, des Intimen und des Spektakulären. Gemeinsam befragen diese
Stimmen Blickregime sowie die langsame, kontinuierliche Arbeit, als
mehrdimensionale Diaspora zu existieren und zu handeln.
Künstlerische
Positionen: Bimal Fabbri, Guillermo Gómez-Peña & Coco Fusco, Mohamad Halbouni, Ikuku
Berlin, Daniela Incoronato, Melissa Kurt, Joaquin La Habana, Fred Plassmann
& Erika Martínez, Bassirou Sarr, Su-Ran Sichling, Murah Soares, Edmundo
Torres, Nancy Torres, Luisa Ungar. Ausstellungsvorraum: Van Bo Le-Mentzel &
Werkstatt für Alles. Kuratorin: Juana Awad.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 14 bis 20 Uhr (Ruhetag 18.05.), Samstag und Sonntag von 12 bis 20 Uhr
Laufzeit: Mi, 13.05.2026 bis Di, 26.05.2026