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Ulay, Ulay & Abramović

Die Ausstellung "Ulay, Ulay & Abramović" in der Neuen Nationalgalerie vereint Videos, Fotografien, Skulpturen und Zeichnungen sowie Skizzen und Briefe sowie „Imponderabilia“, eine wegweisende Live-Performance von Ulay und Marina Abramović.

  • Ulay / Marina Abramović, Breathing In / Breathing Out, 1978

    Ulay / Marina Abramović, Breathing In / Breathing Out, 1978

  • Ulay, S’HE, Auto-Polaroid, 1973–74

    Ulay, S’HE, Auto-Polaroid, 1973–74

  • Ulay, FOTOTOT, Detail, 1976

    Ulay, FOTOTOT, Detail, 1976

  • Ulay, IRRITATION – THERE IS A CRIMINAL TOUCH TO ART, Detail, 1976, film stills

    Ulay, IRRITATION – THERE IS A CRIMINAL TOUCH TO ART, Detail, 1976, film stills

  • Ulay / Marina Abramović, AAA-AAA, 1978

    Ulay / Marina Abramović, AAA-AAA, 1978

  • Ulay / Marina Abramović, Rest Energy, 1980

    Ulay / Marina Abramović, Rest Energy, 1980

  • Marina Abramović / Ulay, The Lovers, 1988

    Marina Abramović / Ulay, The Lovers, 1988

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Vor fünfzig Jahren, am 12. Dezember 1976, „stahl“ Ulay Carl Spitzwegs Der arme Poet (1839) aus der Neuen Nationalgalerie und brachte das Gemälde in die Wohnung einer türkischen Arbeiterfamilie nach Berlin-Kreuzberg. Ein halbes Jahrhundert später greift die Neue Nationalgalerie diese wegweisende Intervention mit der Ausstellung „Ulay, Ulay & Abramović“ auf und bringt Ulays Werk an den Ort zurück, an dem eine seiner bedeutendsten Aktionen stattfand.

Ulay (Frank Uwe Laysiepen, 1943–2020) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Konzeptkünstler, ist einem breiteren Publikum in Deutschland jedoch bis heute weitgehend unbekannt. Die Ausstellung gibt Einblick in Ulays frühes künstlerisches Schaffen, darunter „S’he“ (1973–1974), eine Serie intimer Selbstporträts, die sich mit Identität und Transformation auseinandersetzt, sowie „FOTOTOT“ (1976), bei der unbelichtete bzw. nicht fixierte Fotografien unter Lichteinwirkung allmählich verschwinden. Die Arbeit ist Teil einer umfassenderen Reihe von Experimenten, in denen Ulay die vermeintliche Objektivität, Dauerhaftigkeit und den Beweischarakter des fotografischen Bildes hinterfragt und die Grenzen der Fotografie hin zur Performance und zu anderen Formen künstlerischer Aktionen erweitert. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung die einzigartige Zusammenarbeit zwischen Ulay und Marina Abramović (1946, Belgrad) über einen Zeitraum von zwölf Jahren, von 1976 bis 1988.

„Der arme Poet“ kehrt zurück

Im Zentrum der Ausstellung steht Ulays Aktion von 1976 und deren filmische Dokumentation „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“. Die Arbeit stellte das Museum als Ort kultureller Autorität infrage und richtete den Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten jenseits des Museums. Indem Ulay Spitzwegs ikonisches Werk „Der arme Poet“ in die Wohnung einer türkischen Arbeiterfamilie brachte, stellte er im West-Berlin der 1970er-Jahre Vorstellungen von kultureller Repräsentation, Zugehörigkeit und Ausschluss infrage. Fünf Jahrzehnte später bringt die Neue Nationalgalerie die Arbeit in einen Dialog mit einer Version von „Der arme Poet“, die aus dem Grohmann Museum in Milwaukee als Leihgabe gezeigt wird. Gemeinsam eröffnen die Werke neue Perspektiven auf künstlerische Interventionen, institutionelle Rahmenbedingungen sowie unterschiedlich erfahrene Lebensumstände und Umgebungen.

Ulay und Marina Abramović

1975 lernten sich Ulay und Marina Abramović in Amsterdam kennen und entwickelten bald eine enge persönliche und künstlerische Partnerschaft. Zwischen 1976 und 1988 realisierten die beiden Künstler*innen wegweisende Performances, in denen sie ihre Körper als Medium einsetzten, um Fragen von Identität und institutionellen Grenzen zu untersuchen. Ihre Zusammenarbeit begann mit „Relation in Space“ (1976), das im Rahmen der 38. Biennale di Venezia aufgeführt wurde und in dem sie körperliche Begegnung, Wiederholung und gegenseitige Präsenz erforschten. Ihren Höhepunkt fand sie in „The Lovers“ (1988), ihrer 90-tägigen Reise entlang der Chinesischen Mauer.

Die Ausstellung vereint Videos, Fotografien, Skulpturen und Zeichnungen sowie Skizzen und Briefe sowie eine Live-Performance von „Imponderabilia“ (1977), einer wegweisenden Performance von Ulay und Marina Abramović. Darin stehen die beiden Künstler*innen nackt einander zugewandt in einem schmalen Eingang und laden die Besuchenden ein, zwischen ihren Körpern hindurchzugehen. Die Performance wird täglich von 15 bis 16:30 Uhr in der Ausstellung aufgeführt. Gemeinsam geben die Arbeiten nicht nur Einblick in die Performances selbst, sondern auch in die dahinterliegenden Prozesse, Diskussionen und Überlegungen. Sie zeigen, wie Ulay und Marina Abramović ihre künstlerische Praxis in den Alltag integrierten und dabei Zusammenarbeit und Selbstrepräsentation neu definierten. Zugleich stellten sie etablierte Vorstellungen von Autor*innenschaft und Individualität sowie die Grenzen zwischen Kunst und Leben infrage. Ihre Arbeiten untersuchten Verletzlichkeit, Ausdauer, Vertrauen und gegenseitige Abhängigkeit und gelten als Meilensteine der Performancekunst.

Die Ausstellung wird von der Neuen Nationalgalerie anlässlich des 50. Jahrestags von Ulays Performance „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“ organisiert. Sie zeigt eine Auswahl von Ulays Einzelwerken im Kontext dieser wichtigen Phase seiner künstlerischen Praxis. Darüber hinaus präsentiert sie ausgewählte Materialien und Kunstwerke aus „ART VITAL – 12 Years of Ulay / Marina Abramović“, ursprünglich konzipiert von Alenka Gregorič und Felicitas Thun-Hohenstein und erstmals in der Cukrarna Gallery / MGML (30. November 2025–10. Mai 2026) gezeigt, in Zusammenarbeit mit Lena Pislak – ULAY Foundation und Sydney Fishman – Marina Abramović Archives.

Kuratorisches Team

„Ulay, Ulay & Abramović“ wird von Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, gemeinsam mit Ricarda Bergmann, Neue Nationalgalerie, sowie Alenka Gregorič, künstlerische Leiterin der Cukrarna Gallery, kuratiert. Kuratorische Assistenz: Nikola Richolt.

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Laufzeit: Sa, 28.11.2026 bis So, 02.05.2027

Findet hier statt:

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