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Ergonomische Arbeitsplätze für Feuerwehrleute und Polizisten

Blick von oben auf einen Leitstellentisch. Mitarbeiter an einem Leitstellentisch unterhalten sich.
Bild: Projektgruppe Kooperative Leitstelle Berlin (Ho)

Wie bei der Flugsicherung

Computer sind heute allgegenwärtig. Der “Büroarbeiter” kann nicht mehr ohne. Während die meisten Bürojobs in “Normalgeschwindigkeit” zu bewältigen sind, ist der Job an einem der großen Leitstellentische mit dem Tempo und der Konzentration in einem Tower der Flugsicherung vergleichbar. Kein Anruf kann warten, es gibt keine Akten und Vorgänge, die sich stapeln dürfen, und die Geschwindigkeit ist rasant. Nicht selten muss die Konzentration schlagartig voll da sein, wenn Menschen in Not geraten. Jede Entscheidung kann Leben und Gesundheit retten.

Immer volle Konzentration

Jeder Anrufer verdient die volle Aufmerksamkeit und den vollen Einsatz. Am Notruf melden sich oft Menschen, die sich in einer Ausnahmesituation befinden. Sie werden bedrängt, sind in Lebensgefahr, machen eine Krise durch oder haben gerade alles verloren. Mit viel Feingefühl und Menschlichkeit lassen sich Notrufannehmer auf Gespräche ein, um Beistand zu leisten, Menschen von Taten abzuhalten oder sogar eine Geburt anzuleiten. In der nächsten Minute müssen sie einem aufgebrachten Anrufer verständlich machen, warum kein Einsatzfahrzeug kommen wird. Zum Beispiel, weil die Sachbeschädigung auch am nächsten Morgen von der Dienstgruppe aufgenommen werden kann oder der betrunkene Mann im Bahnhof schon zweimal einen Rettungswagen weggeschickt hat. Sie müssen dann zu jeder Uhrzeit wach, handlungssicher und schnell die erforderlichen Entscheidungen treffen. Manche Anrufe hinterlassen auch bei den Helfern Spuren, die verarbeitet werden müssen.

Optimale Voraussetzungen

Durch das Alter beider Einrichtungen ist die Ergonomie noch auf dem Stand von vor gut 20 Jahren. Zukünftig soll es in den Leitstellen vor allem so leise und das Klima unabhängig von der Jahreszeit so angenehm sein, dass jeder Notruf die volle Aufmerksamkeit erhalten kann. Das Projekt Kooperative Leitstelle lässt sich hier von Ergonomie-Experten beraten. Es geht um blendfreie Oberflächen, ermüdungsfreie Beleuchtung, schallschluckende Materialien, die Fließgeschwindigkeit von Luft und wie man die sogenannten Klimainseln (große Temperaturunterschiede in einem Raum) vermeidet. Doch damit noch nicht genug.

Hardware und Software

Auch das Mobiliar, die “Hardware” der Ergonomie, spielt eine wichtige Rolle. In einer modernen Leitstelle sind in der Höhe verstellbare Tische und sogenannte 24-Stunden-Stühle der Standard. Stabiler, haltbarer und mit Funktionen ausgestattet, die auch ein mehrstündiges Telefonat mit einem Geiselnehmer oder einer eingeschlossenen Person nicht zur Tortur werden lassen. Die Software, das sogenannte “ELS – Einsatzleitsystem”, muss flüssig und stabil laufen, die Karten und Eingabemasken auf dem Monitoren müssen gut lesbar sein.

Der Mensch

Die Arbeit in einer Leitstelle kann sehr belastende Momente mit sich bringen, wie sie weiter oben beschrieben wurden. Wenn man das weiß, versteht man auch, dass Rückzugsmöglichkeiten und Raum für den kollegialen Austausch kein Luxus, sondern notwendige Ausstattung einer Leitstelle sind. Deshalb werden in der Kooperativen Leitstelle angenehm gestaltete Ruhe- und Pausenräume, Sportangebote zum Stressabbau und eine Umgebung, die auch das entlastende Gespräch unter Kollegen fördert, als eine wichtige Investition in die Gesundheit der Menschen und die Qualität einer Leitstelle verstanden.