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In Kooperation vernetzt

Netzwerk-Switch
Bild: Sebastien Coell - Fotolia.com

Wenn alles zusammen kommt

Im Alltag von Feuerwehr und Polizei gibt es Situationen, da kommt einfach alles zusammen, was sonst nichts miteinander zu tun hat.
Dienstag Morgen, Berufsverkehr. Zwei PKW verschwinden mit samt Insassen in einem Loch in der Fahrbahn. Sie sind zum Glück nur leicht verletzt. “Fahrbahnabsenkung” nennt sich das in der Fachsprache. Wasser sprudelt über die abschüssige Fahrbahn und rinnt in den Keller eines Wohnhauses und den davor liegenden U-Bahn-Eingang. Eine fiktive Szene, die es bereits ähnlich gegeben hat. Hier sind von der einen auf die andere Sekunde neben Feuerwehr und Polizei viele Organisationen und Firmen in Berlin gefragt.

Das Zusammenspiel ist entscheidend

In Berlin gibt es zahlreiche Behörden und Organisationen, wie z. B. Krankenhäuser, die Bundespolizei, die Deutsche Bahn, die BVG, die Versorger (Gas, Wasser, Energie), das Technisches Hilfswerk (THW) und die Bundeswehr, die wie die Polizei und die Feuerwehr über Informationen verfügen, die in bestimmten Not- und Gefahrensituationen benötigt werden. In solchen Ausnahmesituationen kommt es ganz besonders darauf an, dass die Beteiligten gut miteinander zusammenarbeiten, schnell reagieren und die richtigen Informationen haben. In den Leitstellen beginnen in solchen Momenten heute noch zeitraubende Telefonate. Es gibt – und das obwohl alle Beteiligten ihr Bestes geben – Missverständnisse über die richtigen Informationen und Zuständigkeiten. Zu unterschiedlich sind die Arbeitsweisen und die Aufgaben.

Lasst uns vernetzten, was zusammen gehört

Kaum eine Einrichtung hält seine Daten heute nicht in digitaler Form vor. So lässt sich durch die Vernetzung der Systeme dieser Einrichtungen ein Informationsvorsprung erreichen, der genau dann zum Tragen kommt, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten und Gefahren abzuwehren. Die Leitstellen sollen zukünftig direkt aus dem System heraus alle Beteiligten gleichzeitig mit den erforderlichen Informationen, wie z. B. Anschrift, Schadenslage und benötigte Unterstützung, versorgen können. Umgekehrt sollen die richtigen Informationen den am Einsatzort eintreffenden Helfern von Anfang an Klarheit verschaffen und schnelle Entscheidungen ermöglichen: In welchem Krankenhaus sind genügend Ärzte und Betten vorhanden? Wer schaltet wann die Stromschiene an den S-Bahn-Gleisen ab? Wo verlaufen Leitungen? Welche Firma ist auf dem Gelände zuständig? Es gibt viele Fragen, die es gilt, schnell beantworten zu können.

Nicht einfach, aber auch nicht unmöglich

Die technische Umsetzung ist sehr anspruchsvoll und braucht Lösungen, die einen Datenaustausch zwischen den unterschiedlichsten Systemen zuverlässig ermöglichen. Die beiden Leitstellen von Feuerwehr und Polizei sind durch das gemeinsame Kooperative System in einem sogenannten “gemeinsamen Einsatzfall”, an dem sowohl Kräfte der Feuerwehr als auch der Polizei beteiligt sind, im direkten Austausch. Allen anderen relevanten Institutionen wird in einem ersten Schritt eine offene Schnittstelle angeboten, die einen einfachen Austausch von textlichen Informationen bietet und zeitaufwändige und für Übermittlungsfehler anfällige Telefonate in komplexen Situationen überflüssig macht. Der zweite Schritt wird ein gesamtgesellschaftlicher sein, den Berlin bereits auf verschiedenen Ebenen vorantreibt. Laut der Webseite Berlin-Partner ist Berlin auf dem Weg zur Smart City und “….ein Labor für effiziente Infrastruktur und informationelle Vernetzung”. Ein Trend, der den Bürgern auch in Sachen Hilfeleistung durch Feuerwehr und Polizei zu Gute kommen wird.

Kein Bürger wird gläsern in Berlin

Das System der Kooperativen Leitstelle wird personenbezogene Daten, z. B. von Anrufern, Verletzten, Verantwortlichen, Verdächtigen oder Geschädigten, in einem geschützten Bereich ablegen, der nach den Regeln des Datenschutzes nur von Berechtigten und protokolliert abgerufen werden darf, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gibt. Ein Beispiel: die Daten, die die Feuerwehr bei einem Einsatz eines Rettungswagens von einem Patient erfährt (vom Geburtsdatum bis hin zu medizinischen Werten), sind den Polizisten in der Polizei-Leitstelle nicht zugänglich. Die medizinischen Daten fallen unter die Schweigepflicht und werden nicht herausgegeben. Nach einem Einsatz werden die Einsatzdaten für einen gesetzlich festgelegten Zeitraum gerichtsverwertbar aufbewahrt. So können Einsätze bei Beschwerden überprüft und in Stichproben die Qualität der Einsatzbearbeitung nachbereitet werden. Anonymisiert werden aus den Daten Einsatzstatistiken erstellt, die helfen z. B. Einsatzschwerpunkte in der Stadt zu erkennen.