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Ein Projekt direkt in die Zukunft

Finger bedient einen Touchscreen
Bild: itestro - Fotolia.com

Eine Reise zum Mond

Ökologische Landwirtschaft an Hausfassaden, Kurztrip am Wochenende vom Bahnhof Ostkreuz zum Mond und der Stadtverkehr schwebt stau- und unfallfrei im Untergrund. Die Luft riecht blumig in Berlin. Der einzige Lärm kommt von einem holografischen Spielfeld, auf dem Kinder einem Puck hinterher jagen. Brände werden übrigens nicht mehr gelöscht. Sie werden dank algorithmischer Vorhersage verhindert. Gefängnisse sind nicht mehr notwendig, Verbrechen lohnt sich längst nicht mehr. Sie finden einfach nicht mehr statt, seit dem Polizisten vor einer Tat Gespräche führen.
So oder ganz anders könnte die Zukunft aussehen. In ferner Zeit.
Kann man so ein Szenario schon heute vorhersehen? Wie plant man für die Zukunft?

Visionen zeichnen, Zukunft planen

Sicherlich ist das oben beschriebene Zukunftsbild ein noch sehr fernes. Vielleicht im Jahr 2117? Die Kooperative Leitstelle soll in wenigen Jahren in Betrieb gehen und doch die Zukunft schon im Gepäck haben. Das braucht Visionäre, die sich in der rasanten Welt der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung des 21. Jahrhunderts auskennen. Menschen, die sich tagtäglich mit eben dieser Zukunft beschäftigen. Das Projekt Kooperative Leitstelle hat Wissenschaftler der Fraunhofer Gesellschaft mit ins Boot geholt. Fraunhofer, das steht nicht nur für die Erfindung von mp3. Unter den mehr als 80 Forschungseinrichtungen der Fraunhofer Gesellschaft findet sich auch das Institut Frauhofer FOKUS, Institut für offene Kummunikationssysteme. Die Experten unterstützen das Projekt dabei, das zu planende System sehr flexibel zu gestalten. Zukünftige Techniken, die man heute noch nicht kennt, sollen das System nicht überholen, sondern daran Anschluss finden.

Module und Schnittstellen

Frühere Systeme waren quasi “wie aus einem Guss”. Schwerfällig, in sich geschlossen und bei Zeiten veraltet. Die Entwicklung in der Technik nimmt inzwischen einen anderen Weg in die Zukunft. Die Zerlegung in kleinere flexible Module macht es möglich, dass man Teile eines Systems anpasst, austauscht oder erweitert. So lässt sich ein System fortentwickeln, ohne dass es ausgetauscht werden müsste. Dieses Prinzip ist uns heute zur Selbstverständlichkeit geworden. Jeder kennt “Updates” und installiert “Apps” auf seinem digitalen Begleiter. Und jeder nutzt Schnittstellen, wie z. B. Bluetooth, um seine neue smarte Uhr oder die Kopfhörer anzuschließen. Neue Funktionen erfordern heute in der Regel kein neues Gerät. Dieses Prinzip findet sich dank dem Internet der Dinge auch allmählich in Alltagsgegenständen wieder. Die Waschmaschine mit einem neuen Waschprogramm ausstatten? Bald keine große Sache mehr. Die ersten Waschmaschinen mit einer Schnittstelle zum Heimnetzwerk und dem Internet stehen bereits in den Elektronikmärkten. Genau dieser Gedanke wird auch die Kooperative Leitstelle für die Zukunft rüsten.

Die Reise beginnt

Wohin die Reise geht, zeigen die Entwicklungen zur Industrie 4.0 und zum Internet der Dinge sehr plastisch. Allgemeingültige Standards sind für diesen Fortschritt der entscheidende Faktor. Auf solchen Standards der allgemeinen Entwicklung kann das Projekt Kooperative Leitstelle aufbauen, sich mit der Zukunft fortentwickeln und bleibt damit offen für Neues. Ein solcher Zukunfts-Standard, an dem die Kooperative Leitstelle Anschluss finden wird, ist das Modulare Warnsystem MoWaS beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Auf dieser Plattform werden viele Systeme von der Satellitenübertragung bis hin zu verschiedenen Warnsystemen (z. B. Rauchmelder, Mobilfunkgeräte und Apps) zusammengeführt. So können in Gefahrenlagen aus der Leitstelle heraus viele Menschen rechtzeitig über verschiedenste Kanäle gewarnt werden.
Auch die Einsatzfahrzeuge werden am Einsatzleitsystem Anschluss finden. So wird es z. B. zukünftig möglich, den Einsatzkräften vor Ort Einsatzinformationen direkt auf eine Karte zu schicken oder ein in Not geratenes Team zu orten. Patienten der Berliner Feuerwehr werden von den Möglichkeiten der Telemedizin profitieren. Die Ferndiagnostik und die Fernkonsultation eines Arztes entwickeln sich bei schweren Notfällen zu Standards, die sich auch in der Kooperativen Leitstelle zum Wohle der Patienten wiederfinden werden. Nur einige Beispiele für eine Reise, die keinen Endbahnhof kennt.