Arbeitssenatorin Breitenbach: Gute Rahmenbedingungen für gute Arbeit und Ausbildung nutzen

Pressemitteilung vom 04.07.2018

Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales stellt ‚Betriebspanel Berlin 2017‘ vor

Der Berliner Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin gut. Die Zahl der Betriebe ist auf mehr als 97.000 gestiegen, das ist ein neuer Höchststand. Auch bei der Beschäftigungsentwicklung bleibt Berlin mit einem Plus von vier Prozent sowohl bei der sozialversicherungspflichtigen als auch bei der Beschäftigung insgesamt im bundesweiten Vergleich auf der Überholspur.

Aber nicht alle Beschäftigungsverhältnisse genügen den Ansprüchen an gute Arbeit. Steigende Beschäftigung, das heißt auch mehr atypisch und prekär Beschäftigte. Minijobs, Leiharbeit, Befristungen und Teilzeit machen mit 39 Prozent deutlich mehr als ein Drittel aller Arbeitsverhältnisse in Berlin aus. Insbesondere die jüngste Entwicklung bei den befristeten Verträgen ist bedenklich. Zugleich bekommt ein immer kleinerer Teil der Beschäftigten tarifliche bzw. am Tarif orientierte Löhne gezahlt. 2017 profitierten davon insgesamt nur noch 65 Prozent, im Jahr zuvor noch waren es fast drei Viertel der Beschäftigten.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach: „Die guten Rahmenbedingungen müssen deutlich stärker für gute Arbeit genutzt werden. Die Betriebe verlangen zunehmend nach qualifizierten Beschäftigten und klagen über Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Doch statt mit attraktiven Konditionen um Fachkräfte zu werben, wurden mehr als die Hälfte der neuen Verträge nur befristet abgeschlossen, Tendenz steigend. Das passt nicht zusammen. Wirtschaftlicher Erfolg und gute Arbeit sind kein Widerspruch, sondern bedingen einander. Fachkräftesicherung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit gibt es nur mit auskömmlichen Löhnen, sozialer Sicherheit und fairen, motivierenden Arbeitsbedingungen.“

Betriebe brauchen Fachkräfte, junge Leute brauchen Chancen. Trotzdem wird in Berlin nach wie vor zu wenig ausgebildet. Nur 22 Prozent der Betriebe bilden überhaupt aus, das liegt erheblich unter dem Bundesschnitt. Hier sind mehr Anstrengungen notwendig. Auch die Beschäftigung von Geflüchteten bietet mehr Möglichkeiten, als derzeit genutzt werden. Dazu liefert das Betriebspanel 2017 erstmalig Daten.

Senatorin Breitenbach: „Es muss endlich mehr ausgebildet werden, sonst wird das Fachkräfteproblem immer größer. 70 Prozent der Betriebe und der Nachwuchskräfte bleiben auch nach Abschluss der Ausbildung zusammen. Das zeigt, dass Ausbildung sich für beide Seiten lohnt. Gleiches gilt für die Beschäftigung von geflüchteten Menschen. Hierin steckt noch viel Potenzial. Bisher hatte nur ein kleiner Teil der Berliner Betriebe Kontakt zu Geflüchteten. Deren Bereitschaft, Geflüchteten eine Chance zu geben, war aber erfreulich groß. Darauf lässt sich aufbauen.“

Das Betriebspanel gewährt mit einem Schwerpunkt Digitalisierung und Arbeit 4.0 auch einen Blick in die Zukunft der Arbeitswelt. Gemessen am Einsatz digitaler Technologien weist Berlin mit 11 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil an „digitalen Vorreitern“ auf. Zudem bestätigt das Panel, dass Ausbildung und Qualifizierung die Megathemen des digitalen Wandels sind. Auch gegen das Problem der steigenden psychischen Belastungen am Arbeitsplatz müssen endlich wirksame Strategien entwickelt werden.

Auch zur Mindestlohnanpassung 2017, zu den Weiterbildungsaktivitäten der Betriebe und vielen anderen Themen hält das Betriebspanel Informationen und Zahlen bereit.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.

Das Berliner Betriebspanel liefert jedes Jahr interessante Daten und wichtige Anregungen für Politik und Wirtschaft. Das Betriebspanel ist eine deutschlandweit durchgeführte Arbeitgeberbefragung. Im Jahr 2017 fand diese Befragung in Berlin zum 22. Mal statt. Wie in den Jahren zuvor kooperierte die für Arbeit zuständige Senatsverwaltung mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Datenerhebung basiert auf der repräsentativen Befragung von 829 Berliner Betrieben bzw. bundesweit mehr als 15.000 Betrieben mit mindestens einem/r sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Erhoben wurden die Daten durch Kantar Public Deutschland. Die Auswertung lag in den Händen des Instituts für Sozialökonomische Strukturanalysen Berlin (SÖSTRA).