Berliner Kinder in überwiegend gutem gesundheitlichem Zustand

Pressemitteilung vom 06.12.2016

Die meisten Berliner Kinder befinden sich in einem guten gesundheitlichen Zustand. Diesen Trend der letzten Jahre bestätigen auch die Daten der Einschulungsuntersuchungen in Berlin 2015. Zum Schuljahr 2015/16 wurden 16.557 Jungen und 15.310 Mädchen vom Kinder- und Jugendgesundheitsdienst vor der bevorstehenden Einschulung erstmals ärztlich untersucht. Daten für ganz Berlin hat die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales ausgewertet und jetzt als “Grundauswertung der Einschulungsdaten in Berlin 2015“ vorgelegt. Neu ist, dass die Erfassung des Migrationshintergrundes im Einschulungsjahrgang 2015 an den bundesweit vereinbarten Standard angepasst wurde. Hierdurch können die Auswertungen der Einschulungsuntersuchungen verschiedener Bundesländer untereinander und mit der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KiGGS) des Robert Koch-Instituts verglichen werden.

Zu wichtigen Ergebnissen des Berichts:

  • Die soziale Lage der Familien mit Kindern im Einschulungsalter hat sich weiter leicht verbessert, weil die Eltern bessere Bildungsabschlüsse haben und die Erwerbslosigkeit zurückgegangen ist. Dennoch zeigt sich weiterhin eine deutliche gesundheitliche Benachteiligung von Kindern aus Familien in ungünstiger sozialer Lage. So weisen Kinder mit niedrigem Sozialstatus in den Tests zur motorischen, kognitiven und sprachlichen Entwicklung weit häufiger Auffälligkeiten auf als Gleichaltrige aus Familien in günstigerer sozialer Lage. Deutlich positive Effekte zeigt ein längerer Kitabesuch von zwei und mehr Jahren. Dies kann jedoch nachteilige familiäre Rahmenbedingungen nicht vollständig ausgleichen. Bedauerlicherweise hat der Anteil von Kindern mit niedrigem Sozialstatus, die eine Kita länger besuchen, trotz Beitragsfreiheit den letzten Jahren wieder abgenommen. Hatten im Einschulungsjahrgang 2011 von der unteren Statusgruppe 78 % der Kinder länger als zwei Jahre eine Kita besucht, waren es 2015 nur noch 70 %. Bei Kindern aus Familien mit höherem Sozialstatus lag der Anteil hingegen bei 96 %.
  • Nach der neuen Definition zur Erfassung des Migrationshintergrundes haben 45 % der Berliner Kinder einen Migrationshintergrund. Damit ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund um gut 6 Prozentpunkte gestiegen. Im Einschulungsjahrgang 2014 lag der Anteil bei 39 %. Diese Veränderungen sind zu einem Großteil methodisch bedingt, weil mit der neuen Definition nicht wie zuvor nur ein Teil, sondern nunmehr alle Kinder mit einem so genannten einseitigen Migrationshintergrund erfasst werden.
    16 % der Kinder weisen nach der neuen Definition einen einseitigen und 29 % der Kinder einen beidseitigen Migrationshintergrund auf. Die größte Herkunftsgruppe stellen die Kinder aus osteuropäischen Staaten (16 %), gefolgt von den türkischen (9 %) und den Kindern aus sonstigen Staaten (8 %). Zwischen den Herkunftsgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede in der Verteilung des ein- und beidseitigen Migrationshintergrundes: während drei Viertel der Kinder osteuropäischer Herkunft und mehr als zwei Drittel der arabischen Kinder über einen beidseitigen Migrationshintergrund verfügen, trifft dies nur auf weniger als die Hälfte der Kinder aus westlichen Industriestaaten zu.
    Der gestiegene Zugang von Flüchtlingen im Jahr 2015 hat im Vergleich zu dem beschriebenen Methodenwechsel bisher nur geringere Auswirkungen auf den Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei der Einschulungsuntersuchung. Dennoch zeichnen sich bei einigen Merkmalen Veränderungen ab, die am ehesten auf eine verstärkte Zuwanderung zurückzuführen sind. So sind beispielsweise die Durchimpfungsraten bei Kindern mit Migrationshintergrund seit 2012 tendenziell rückläufig und liegen inzwischen mehrheitlich unter den Raten der deutschen Kinder. Es ist anzunehmen, dass dies in erster Linie auf andere Impfschemata und Verfügbarkeiten der Impfstoffe in den Herkunftsländern zurückzuführen ist. Auch die Rate der Kinder mit keinen oder kaum vorhandenen Deutschkenntnissen zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung ist seit 2011 kontinuierlich um insgesamt fünf Prozentpunkte angestiegen. Sie liegt derzeit bei 11 %. Hier ist davon auszugehen, dass der Anstieg im Wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dass viele Kinder aufgrund einer erst kurzen Aufenthaltsdauer in Deutschland noch keine ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse erwerben konnten.
  • Ebenfalls erstmalig im Untersuchungsjahrgang 2015 wurden Angaben zur rechtzeitigen Impfung gegen Pertussis (Keuchhusten) und Masern erhoben. Nach den Empfehlungen der ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) sollte die Grundimmunisierung gegenüber Pertussis im Alter von 14 Monaten abgeschlossen und die zweite Masernimpfung spätestens im Alter von 23 Monaten erfolgt sein. Die Daten zeigen, dass tatsächlich lediglich 43 % der in Deutschland geborenen Kinder zeitgerecht gegen Pertussis geimpft wurden und nur 66 % im empfohlenen Zeitraum die zweite Masernimpfung erhalten haben. Dabei zeigen sich Unterschiede nach Wohnbezirk – von bis zu 20 Prozentpunkten im Falle der Rate zeitgerechter Pertussisimpfungen und bis zu 16 Prozentpunkten bei der zweiten Masernimpfung. Diese Unterschiede lassen sich nicht in allen Fällen durch die ungleiche Sozialstruktur erklären. Daher wird die Senatsgesundheitsverwaltung weitere Analysen zu möglichen Zusammenhängen vornehmen.
  • Die sozialräumliche Betrachtung der Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen zeigt weiterhin, dass die Ballung sozialer und gesundheitlicher Problemlagen nach wie vor ungleich über die Stadt verteilt sind. Sie ist in besonderem Maße in den Prognoseräumen Gesundbrunnen, Wedding, Kreuzberg Nord und Neukölln zu beobachten. Hier sind die Anteile von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen bzw. Familien mit sozialen Problemen oder ungünstigem Gesundheitsverhalten in vielen der betrachteten Zielgrößen auffällig hoch.