„Kein Jobdrama durch die Einführung des Mindestlohns“ - Arbeitssenatorin Dilek Kolat legt das Betriebspanel 2015 vor

Pressemitteilung vom 15.08.2016

Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen Dilek Kolat hat heute das Betriebspanel für das Jahr 2015 vorgelegt. Das Betriebspanel ist eine repräsentative Arbeitgeberbefragung, an der Berlin seit 1996 teilnimmt. Befragt werden Betriebe mit mindestens einem bzw. einer sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Das Betriebspanel stellt eine wichtige Ergänzung der amtlichen Statistik dar und ermöglicht einen vertieften Einblick in betriebliche Beschäftigungsprozesse.

Senatorin Dilek Kolat: „Der Berliner Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin dynamisch und bietet viele Chancen. Der anhaltende Beschäftigungsaufbau und der große Bedarf an Fachkräften sind Belege hierfür. Gleichzeitig verbinden sich damit auch Herausforderungen. Die in großer Zahl unbesetzten Fachkräftestellen machen deutlich, dass der Qualifizierung von jungen Menschen, von Beschäftigten in Unternehmen und auch von arbeitslosen Berlinerinnen und Berlinern eine Schlüsselrolle zukommt.

Deshalb setzen wir beispielsweise mit unseren Maßnahmen zur Berufsorientierung und -vorbereitung oder mit dem Berliner Jobcoaching wichtige Impulse, um Menschen Wege in die Arbeitswelt zu ebnen. Zugleich sind hier die Unternehmen gefordert. Das betrifft vor allem die immer noch unzureichenden Ausbildungsleistungen, aber auch die deutlich steigerungsfähigen Anstrengungen, um ältere Beschäftigte fit zu halten und ihr Potenzial für den betrieblichen Erfolg zu nutzen

Zu den wichtigsten Erkenntnissen des Betriebspanels 2015 gehört für mich, dass es mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns keinen Beschäftigungseinbruch gegeben hat. Im Gegenteil: Der Beschäftigungsanstieg ist ungebrochen. In Betrieben, in denen der Mindestlohn eingeführt wurde, fiel der Beschäftigungszuwachs sogar höher aus als im Berliner Durchschnitt und in Betrieben ohne entsprechende Lohnanpassungen. Das von vielen Mindestlohnkritikern vorausgesagte Jobdrama hat nicht stattgefunden. Das bestärkt mich in meiner Haltung, dass mehr Beschäftigung und faire Beschäftigungsbedingungen sich nicht ausschließen, sondern zusammengehören.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung:

Betriebszahl: Seit dem Jahr 2005 verzeichnet Berlin ein kontinuierliches Anwachsen der Zahl von Betrieben mit mindestens einem bzw. einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Waren es 2005 79.657 Betriebe, sind es 2015 bereits 93.413 gewesen. Das ist ein neuer Höchststand.

Beschäftigungsentwicklung: Setzt man das Jahr 2005 als 100 Prozent für die Entwicklung der Beschäftigung in Berlin und im Bundesdurchschnitt, dann liegt Berlin 2015 bei einem Zuwachs von 26 Prozent gegenüber 18 Prozent im Bund. Berlins Beschäftigungswachstum liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Fachkräftebedarf: Die Anzahl der nachgefragten Fachkräfte – also für Tätigkeiten, die eine Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss voraussetzen – lag im ersten Halbjahr 2015 mit etwa 134.000 weit über dem Vorjahresniveau (rd. 118.000) und auf dem höchsten Stand seit Beginn der Befragung im Jahr 1996. Von allen angebotenen Fachkräftestellen konnten rund 47.000 nicht besetzt werden.

Ältere Beschäftigte: 77 Prozent aller Berliner Betriebe beschäftigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die 50 Jahre oder älter sind (Bund: 78 Prozent). 33 Prozent aller Beschäftigten in der Berliner Wirtschaft gehört mittlerweile zur Altersgruppe „50plus“ (Bund 32 Prozent).

Betriebliche Maßnahmen: Nur in 12 Prozent der Berliner Betriebe mit Älteren gibt es eine oder mehrere Maßnahmen für diese Altersgruppe (z.B. Weiterbildung, Gesundheitsförderung, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung). Im Vergleich zum Jahr 2011 ist der Anteil an solchen Angeboten sogar um drei Prozentpunkte zurückgegangen.

Ausbildungsbetriebe: Von allen ausbildungsberechtigten Betrieben in Berlin bildeten 2015 rund 39 Prozent aus (Bund: 51 Prozent). Gemessen an allen Betrieben in Berlin bildeten lediglich 18 Prozent aus (Bund: 28 Prozent). Damit ist die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe wieder gesunken und liegt weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt.

Tarifbindung: Im Jahr 2015 waren 20 Prozent der Berliner Betriebe (Bund 29 Prozent) durch einen Haus- oder Branchentarifvertrag tarifvertraglich gebunden Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Zuwachs um vier Prozentpunkte. Mit 53 Prozent hat sich auch der Anteil der tarifvertraglich tätigen Beschäftigten in Berlin um 5 Prozentpunkte erhöht. Trotz der jüngsten Steigerungen lag der Anteil tarifgebundener Beschäftigter nach wie vor unter dem Bundesdurchschnitt (57 Prozent). Da sich 28 Prozent der Berliner Betriebe bei der Aushandlung von Löhnen und Gehältern an geltenden Branchentarifverträgen orientieren, erstreckt sich die faktische Geltung von Tarifverträgen auf 48 Prozent aller Berliner Betriebe (Bund 58 Prozent) bzw. auf 70 Prozent aller Berliner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Bund 78 Prozent).

Mindestlohn: In 26 Prozent aller Berliner Betriebe wurde infolge des bundesweiten Mindestlohngesetzes für einen oder mehrere Beschäftigte Stundenlöhne auf mindestens 8,50 Euro angehoben. Der Anteil fiel damit etwas höher aus als im Bundesdurchschnitt (22 Prozent).

Die Lohnanpassungen erstreckten sich in 7 Prozent der Berliner Betriebe auf weniger als 25 Prozent der Belegschaft, bei weiteren 7 Prozent erfolgten für bis zu 50 Prozent der Beschäftigten Lohnanpassungen. Bei 11 Prozent der Betriebe erreichten die Anpassungen mehr als die Hälfte der Belegschaft.

Mit rund 5 Prozent fiel der Beschäftigungszuwachs in Betrieben, in denen der Mindestlohn zur Geltung kam, deutlich stärker aus als mit 2 Prozent Zuwachs in Betrieben ohne Lohnanpassungen und auch stärker als im Berliner Durchschnitt, wo der Anstieg bei rund 3 Prozent lag.

Unter www.berlin.de/sen/arbeit/ kann der Bericht heruntergeladen werden.