Richard von Weizsäcker

Regierender Bürgermeister vom 11.6.1981 bis 9.2.1984

Richard Weizsäcker
Bild: Landesarchiv Berlin

Richard von Weizsäcker wurde am 15. April 1920 in Stuttgart geboren. Im selben Jahr trat sein Vater Ernst von Weizsäcker in den diplomatischen Dienst. Die Familie lebte zeitweise in Kopenhagen, Berlin, Oslo und Bern. Das Abitur machte Richard von Weizsäcker 1937 in Berlin. Von 1938 bis 1943 war sein Vater Staatssekretär im Auswärtigen Amt und von 1943 bis 1945 Botschafter beim Vatikan. Im Oktober 1938 wurde Richard von Weizsäcker eingezogen und nahm an den Feldzügen gegen Polen und die Sowjetunion teil, wurde verwundet und geriet in Kriegsgefangenschaft. Über Kopenhagen und Danzig kam er noch vor Kriegsende nach Deutschland zurück und erlebte die Kapitulation am 8. Mai 1945 in Lindau am Bodensee.

Er nahm ein Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Göttingen auf und verteidigte seinen Vater in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, wo dieser zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde (vorzeitige Entlassung 1950). Nach ersten beruflichen Stationen am Oberlandesgericht Celle und bei der Mannesmann AG in Düsseldorf promovierte er 1954 zum Dr. jur. und trat der CDU bei. Sein weiterer Berufsweg führte Richard von Weizsäcker unter anderem zum Bankhaus Waldthausen und zum Chemieunternehmen Boehringer. 1966 entschied er sich gegen die Möglichkeit, Nachfolger des verstorbenen Firmenchefs zu werden und ließ sich statt dessen als Rechtsanwalt in Berlin nieder. Bereits seit 1962 zählte von Weizsäcker zu den Präsidiumsmitgliedern des Deutschen Evangelischen Kirchentages, dessen Präsident er von 1964 bis 1970 und von 1979 bis 1981 war. Ferner gehörte er der Synode der Evangelischen Kirchen in Deutschland und dem Exekutivausschuss des Weltkirchenrats an.

Mitglied des Deutschen Bundestages war von Weizsäcker von 1969 bis 1981, darunter von 1972 bis 1979 als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion und anschließend als Vizepräsident. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Grundsatzkommission war er von 1971 bis 1977 maßgeblich an der programmatischen Ausrichtung der CDU beteiligt. Bei den Berliner Wahlen 1979 trat von Weizsäcker erstmals als Spitzenkandidat an. Obwohl die CDU stärkste Partei wurde, verfügten SPD und FDP wiederum über eine parlamentarische Mehrheit und konnten somit weiter regieren.

Richard Weizsäcker
Bild: Landesarchiv Berlin

Der zweite Anlauf bei den vorgezogenen Neuwahlen im Jahr 1981 dagegen gelang: Die CDU verpasste zwar knapp die absolute Mehrheit, bildete aber unter Richard von Weizsäcker einen Minderheitssenat, der von mehreren FDP-Abgeordneten toleriert wurde. Am 11. Juni 1981 wurde Richard von Weizsäcker zum Regierenden Bürgermeister gewählt. Nachdem am 1. Oktober 1982 Bundeskanzler Helmut Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt worden war und die FDP den Koalitionswechsel zur CDU vollzog, trat die FDP auch in Berlin in den von der CDU geführten Senat ein. Es gelang Richard von Weizsäcker in der Folgezeit, neue politische Akzente zu setzen. So schuf er unter anderem das Amt der Ausländerbeauftragten und setzte die von ihm schon früher unterstützte Entspannungspolitik fort. Am 15. September 1983 traf er sich auf Schloss Niederschönhausen mit Erich Honecker. Es war der erste offizielle Besuch eines Regierenden Bürgermeister bei einem SED-Generalsekretär überhaupt.

Der Regierende Bürgermeister konnte sich zweifellos gute Chancen ausrechnen, 1985 in seinem Amt bestätigt zu werden, doch als Bundespräsident Karl Carstens Anfang 1983 zu erkennen gab, für eine zweite Amtsperiode nicht zur Verfügung zu stehen, war schnell klar, dass die Nachfolge auf Richard von Weizsäcker zulief. Ende November 1983 nominierte ihn die CDU offiziell als ihren Kandidaten für das höchste Staatsamt. Richard von Weizsäcker wurde am 23. Mai 1984 mit großer Mehrheit von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt und nach fünf Jahren in seinem Amt bestätigt. Für seine Verdienste um die Stadt Berlin wurde ihm am 29. Juni 1990 die Ehrenbürgerschaft verliehen. Richard von Weizsäcker starb am 31. Januar 2015 im Alter von 94 Jahren in Berlin.

Übersicht der Regierenden Bürgermeister von Berlin seit 1949