Heinrich Albertz

Regierender Bürgermeister vom 2.12.1966 bis 19.10.1967

Heinrich Albertz
Bild: Landesarchiv Berlin

Heinrich Albertz wurde am 22. Januar 1915 in Breslau als Sohn eines evangelischen Theologen geboren. Nach strenger Erziehung im konservativen Elternhaus und dem Abitur 1933 in Breslau studierte er Theologie in Breslau, Halle und Berlin. Während des Studiums suchte er Kontakt zu sozialdemokratisch orientierten ausländischen Studenten und hörte illegale Vorlesungen der Bekennenden Kirche, später reiste er als Kurier der Bekennenden Kirche in die Niederlande und nach Dänemark. Albertz arbeitete als Hauslehrer und Pfarrer, wurde mehrfach kurzzeitig festgenommen und entzog sich einer weiteren Verfolgung, indem er sich “freiwillig” zur Wehrmacht meldete. Er bekannte sich auch weiter öffentlich zu dem im Konzentrationslager festgehaltenen Pastor Martin Niemöller, was ihm Festungshaft in Glatz (heute Klodzko) einbrachte.

Nach Kriegsende wurde Albertz die Leitung des städtischen Flüchtlingsamtes in Celle übertragen. Er trat der SPD bei und gehörte seit 1946 dem niedersächsischen Landtag an. 1948 wurde er in die niedersächsische Landesregierung berufen und damit jüngster Minister in Deutschland. Zunächst war er im Kabinett für Flüchtlingsfragen zuständig, 1951 übernahm er das Sozialressort. 1950 wurde er in den Bundesvorstand der SPD gewählt. Von 1950 bis 1965 amtierte er zusätzlich als Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt.

1955 wechselte Albertz als Senatsdirektor in die Senatsverwaltung für Volksbildung nach Berlin. 1959 machte ihn Willy Brandt zum Chef der Senatskanzlei, im Dezember 1961 folgte die Ernennung zum Innensenator. An der Seite Willy Brandts gewann Heinrich Albertz, der seit 1963 auch Bürgermeister und damit stellvertretender Senatschef war, zunehmend an politischem Gewicht. Als Brandt 1966 nach Bonn wechselte, wählte das Berliner Abgeordnetenhaus Albertz am 14. Dezember zum Regierenden Bürgermeister.

Heinrich Albertz
Bild: Landesarchiv Berlin

Bei den Berliner Wahlen vom März 1967 verlor die SPD zwar fünf Prozent, behauptete aber mit 56,9 ihre absolute Mehrheit. Wie vor ihm Willy Brandt, bildete Albertz trotzdem wieder eine Koalitionsregierung mit der FDP. Als Regierender Bürgermeister blieben ihm jedoch nur wenige Monate, in denen er die Ostpolitik fortsetzte. Schon am 26. September 1967 trat Heinrich Albertz zurück. Vorangegangen war der Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der bei einer Protestdemonstration gegen den Besuch von Schah Reza Pahlevi von einem Polizisten erschossen worden war. Nachdem eine parlamentarische Untersuchung Fehler von Polizei und Senat ergeben hatte, trat zunächst Innensenator Büsch zurück. Als daraufhin starke Kräfte in der SPD als dessen Nachfolger Kurt Neubauer gegen den Willen Albertz’ durchzusetzen versuchten, gab dieser sein Amt auf.

Heinrich Albertz kehrte in seinen Beruf zurück und wirkte bis zu seiner Pensionierung 1979 als Pfarrer in Berlin. Obwohl er kein politisches Amt mehr übernahm, blieb er eine politische Stimme von Gewicht, unter anderem wurde er zu einem der profiliertesten Köpfe der Friedensbewegung. Anfang März 1975, nach der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz, begleitete er freiwillig sechs freigepresste RAF-Terroristen auf ihrem Flug nach Aden. Im Gegenzug kam Lorenz frei. 1986 verließ Albertz Berlin und zog sich mit seiner Ehefrau in ein Altenwohnheim nach Bremen zurück. Der Titel seines letzten Buches, das Gespräche mit dem Journalisten Wolfgang Herles enthält, liest sich wie sein Lebensmotto: “Wir dürfen nicht schweigen”. Heinrich Albertz starb am 18. Mai 1993 in Bremen an Altersschwäche.

Übersicht der Regierenden Bürgermeister von Berlin seit 1949